Tschern-ohr-byl der Hymnen

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich über die neue Löwen-Hymne „Du bist mein Verein“.

Manche Sachen im Fußball gehören ja untrennbar zusammen. Schweini und Standardsituationen. Lell und Ottl. Löwen und Leiden. Bis zu einem gewissen Schmerzniveau, kurz vor der Unterarmamputation, zuckt der tapfere blaue Fan nicht einmal, darin ähnelt er dem SPD-Wähler. Denn beide wissen: Immer gewinnen ist eh fad, sonst könnte man ja gleich zum FCB gehen, oder zur CSU. Aber: Was der TSV 1860 seinen Anhängern ab Sonntag zumutet, ist zu viel! Da wird selbst Conan, der Barbar, zum Weichei und fleht um Gnade.

Die Rede ist von der neuen Klubhymne Du bist mein Verein, dem Tschern-ohr-byl unter den Fußballsongs. Ein Lied, schlimmer als Bayernliga, Falko Götz und Heinzi Wildmoser in Personalunion. Pfui, Herr Stoffers, wie konnten Sie das zulassen? Wobei: „Hymne“ ist der falsche Ausdruck. „Hymne“ stammt ja aus dem Griechischen und bedeutet „feierlicher Preis- und Lobgesang“. Von „feierlich“ kann nicht die Rede sein, und von „Gesang“ auch nicht. Nun sind solche Fußballlieder ja tendenziell ohnehin schon doof. Aber es geht noch doofer. Beim Lesen des Textes werden Sie starke Nerven brauchen. Das Duo Benny Schnier und Dennis Wurmdobler, der schon zugegeben hat, dass er vorher noch nie ein Lied geschrieben hat, hebt an mit den Zeilen: „An einem Tag, an dem die Zeit steh’n blieb/ War der Himmel zum Greifen nah/Und die Löwen im Blick der weiten Welt /’66 war das Jahr.“

Die Rückennummern der Löwen 2009/2010

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Hm. Ein bisserl arg rückwärtsgewandt, das Ganze, ungefähr wie beim Schlesiertreffen. Vielleicht sollte man nicht gleich am Anfang damit auftrumpfen, dass sein Verein seit 43 Jahren nicht mehr viel zum Feiern hatte. Außerdem, lieber Herr Wurmdobler: Das holpert fei sakrisch, vom Reimen her. Aber es wird noch besser. Also schlimmer. „Jetzt steh‘n wir hier im weiß-blauen Licht/Was Größeres gibt es nicht/Mit Ehrfurcht, Stolz und Siegesmut/Löwe sein, bis ins Blut“, fährt der Giesing-Goethe fort. Mehr Licht brauch’ ich nicht. Heiapopeia.

Ist das Löwen-Leben tatsächlich nur mitmilfe psychoaktiver Pilze zu ertragen? Der Missbrauch von Magic Mushrooms verstärkt sich im weiteren Fortgang des akustischen Atomunfalls noch. „Löwen sind wo die Sonne scheint, auf Giesings Höhen daheim.“ Oha! Weiß das der Kachelmann?

Inhaltlich bedenklich auch folgende Feststellung: „Löwen sind unbesiegbar, Löwen sind eine Macht.“ Hui! Löwen unbesiegbar! Neue Erkenntnis! Außer von Rostock, Karlsruhe und Aachen! Und am Ende heißt es doch glatt: „Und bald wirst Du, mein Verein/Wieder Deutscher Meister sein.“ Aber sicher, Herr Wurmdobler. Da ist Ihnen am Schluss wohl ein bisserl FC Bayern reingerutscht aus Versehen. Schreiben’s doch erst einmal ein Aufstiegslied! Oder, noch viel besser: Schreiben’s überhaupt kein Lied mehr, Herr Wurmdobler!

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