1. meine-anzeigenzeitung
  2. Sport
  3. 1860 München

Gorenzel soll Köllner ersetzen und holt sich „juristischen Beistand“ in der Corona-Affäre

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Uli Kellner

Kommentare

Sportchef Günther Gorenzel gibt Auskunft zum Corona-Ausbruch beim TSV 1860
„Dynamische Bewertungslage“: Sportchef Günther Gorenzel gibt Auskunft zum Corona-Ausbruch beim TSV 1860. © Imago

Ist die Corona-Welle vom KSC rübergeschwappt? Auch bei den Löwen befindet sich nun „mehr als die Hälfte“ des Teams in Quarantäne. Der Sportchef nimmt Stellung.

München - Nach fast 45 Minuten, die sich anfühlten wie auf einer Pressekonferenz des RKI, sagte Günther Gorenzel den entscheidenden Satz: „Ich laufe ja nicht zum Spaß die ganze Zeit mit Maske herum und spiele auch nicht gerne den Paragrafenreiter . . .“ Aber, schwang da mit: Würden sich alle so penibel an die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus halten wie er als Sportchef des TSV 1860, wäre es erst gar nicht zu diesem Schlamassel gekommen. Zu einem „Ausbruchsgeschehen“ (Gorenzel), das bereits Pokalgegner Karlsruhe lahmlegte (27 Positivtests), nun auch bei den Löwen zu zwei Spielabsagen führte und den halben Kader in die Isolation zwingt. Wie lange? Zu diesen und anderen Fragen nahm Gorenzel ausführlich Stellung.

Wie viele Löwen sind in Quarantäne?

Laut Gorenzel „mehr als die Hälfte der Mannschaft und mehr als die Hälfte des Trainerteams“. Michael Köllner selbst sei zwar nicht infiziert wie das Gros der Profis, gelte aber als Kontaktperson – mutmaßlich weil er nach dem verlorenen Pokalspiel gegen den KSC neben seinem Trainerkollegen auf dem Pressepodium saß. Gorenzel selbst hat es nach eigener Auskunft seinem Booster-Status mit den richtigen Impfstoffen zu verdanken, dass er auch als Kontaktperson nicht in häusliche Isolation muss. Lächelnd betonte er: „Ohne dass ich ein Testimonial für die Pharmabranche bin.“

Wann geht es auf dem Trainingsplatz weiter?

Frühestens am Mittwoch – und dann auch maximal mit jenen Spielern, die weder infiziert sind noch als Kontaktpersonen identifiziert wurden. Da Köllner frühestens nach sieben Tagen aus der Isolation darf (also Samstagmittag), werde Gorenzel „auf Wunsch des Trainers“ bis dahin die Einheiten auf dem Platz leiten. Der Österreicher hat nicht nur maximalen Corona-Schutz, sondern auch eine Lizenz als Fußballlehrer.

Ist auch das Spiel in Köln gefährdet?

Hierzu machte Gorenzel keine Angabe und bediente sich stattdessen beim Wortschatz der Politiker und Virologen. Deren Lieblingsbegriff sei die „dynamische Bewertungslage“. Für Gorenzel ist das alles noch „zu weit gegriffen“ – vor dem Spiel bei der Viktoria (Sonntag, 13 Uhr) lägen noch zu viele Unwägbarkeiten. Herauszuhören war aber, dass die Löwen kein Interesse daran hätten, quasi direkt aus der Quarantäne in den Spielbetrieb zurückzukehren – oder mit einem Rumpfkader anzutreten. Zudem wies Gorenzel darauf hin, dass auf die infizierten Profis zunächst ohnehin ein medizinischer „Checkup“ zukäme.

Gibt es Vorwürfe in Richtung des KSC?

Mehrfach betonte Gorenzel, dass ihm nicht daran gelegen sei, während einer Pandemie die Schuldfrage zu stellen. Gleichzeitig betonte er, dass es beim Dopingtest nach dem KSC-Spiel zu einer Situation gekommen sei, die aufgrund von „Dauer und Distanz“ ursächlich für eine übergeschwappte Coronawelle gewesen sein könnte. Er deutete zudem an, dass die KSC-Profis bei diesem Kontakt keine Masken getragen hätten.

Wie wird der Fall nun aufgearbeitet?

Gorenzel spricht von einer „akribischen Aufarbeitung unseres Vorfalls als Präzedenzfall“. Soll heißen: Der Löwen-Sportchef stellt dem DFB und der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) sämtliche relevanten Daten zur Verfügung und plädiert für eine Nachschärfung der bestehenden Coronaregeln, womit eine Testpflicht auch für geboosterte Profis gemeint sein könnte. Zudem gab der Österreicher bekannt, „im Austausch mit einem renommierten Sportjuristen“, zu stehen. Warum? Gegen wen sich mögliche Schadensersatzforderungen richten, sagte Gorenzel nicht.

Befürchtet 1860 einen sportlichen Nachteil?

Die Konkurrenz punktet, die Löwen sind zur Untätigkeit verdammt und müssen bald womöglich drei Spiele nachholen. Ein Fall von Wettbewerbsverzerrung? Gorenzel hält sich bei dieser Frage bedeckt und sagt nur allgemein, die Mannschaft werde jetzt „noch enger zusammenrücken“ und eine „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ entwickeln. (Uli Kellner)

Auch interessant

Kommentare