Wo den TSV 1860 der Schuh drückt

Torflaute, leichte Fehler und Aufstiegsdruck

Richard Neudecker rudert ratlos mit den Armen.
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Wo ist die Leichtigkeit? Richard Neudecker gehörte zuletzt zu den besseren Löwen - seine Top-Rückrunde 2020/21 hat Maßstäbe gesetzt.

Corona erschwert 1860 die Krisenbewältigung. Unabhängig davon, wer am Sonntag in Halle auf der Trainerbank sitzt - ein Sieg sollte her, schon für die Tabelle.

Rang 11 nach sieben Spieltagen - nicht der Anspruch des Vorjahresvierten TSV 1860. Selbst der Hallesche FC, Auswärtsgegner am Sonntag und vorige Saison zweimal von den Löwen abgeschossen (6:1, 4:0), steht einen Punkt und drei Plätze besser da. Die Giesinger haben zwar erst einmal verloren (0:3 beim FCK), aber zu selten gewonnen. Die Anhäufung von Unentschieden (vier bereits) ist aber nicht das einzige Problem, wie unsere Analyse zeigt.

Offensivflaute: Der vormals beste Angriff der Liga (69 Tore vorige Saison) ist ins Stocken geraten. Erst sieben Mal haben Torschützenkönig Sascha Mölders und Co. ins Schwarze getroffen - zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr waren es doppelt so viele Treffer, die die Löwen vorübergehend zum Tabellenführer machten. Die Torflaute - eine Folge aus gestiegenen Erwartungen, fehlender Leichtigkeit und Ladehemmung der Ex-Ballermänner. Mölders traf erst zweimal, Richard Neudecker und Dennis Dressel einmal.

Leichte Fehler: Auf dem Papier steht die Löwen-Defensive. Sechs Gegentreffer sind ein Topwert in der Liga (nur Braunschweig und Osnabrück stehen besser da). Das Problem ist allerdings: Wer vorne selten trifft, büßt schnell Punkte ein, wenn hinten vermeidbare Fehler passieren. So zuletzt geschehen beim Last-Minute-Ausgleich in Braunschweig (nach einem Eckball) und beim 1:1 gegen Meppen, als ein Dressel-Fehlpass das gelupfte Kontergegentor von René Guder begünstigte. „Das musst du einfach früher löschen“, kritisierte Trainer Michael Köllner.

Aufstiegsdruck: Nach dem enttäuschenden Meppen-Spiel räumte Köllner erstmals ein, dass nicht alle in seiner Mannschaft mit der im Vorjahr geweckten Aufstiegserwartung zurechtkommen. „Aufstiegskampf ist das Härteste, was du spielen kannst“, sagte der Coach: „Das ist anders als Abstiegskampf. Du musst schauen, dass dein Kopf in Ordnung bleibt und darfst das Kopfkino nicht andrehen.“ 

Am Mittwochabend in Burghausen hat sich eine von den Co-Trainern Beer/Brandl angeleitete Rumpfelf ins Totopokal-Viertelfinale gequält (7:6 n.E.) - um sich am Sonntag beim Lieblingsgegner Halle aus der Krise zu schießen?

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