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Moll, Staude & Co.: Köllners Verstärkungen aus den eigenen Reihen

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Von: Uli Kellner

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Quirin Moll köpft beim Auswärtsspiel in Köln einen Ball aus dem 1860-Strafraum.
Turm in der Schlacht: Modellathlet Quirin Moll zeigt in Köln, dass er das Fußballspielen nicht verlernt hat. © Stefan Matzke / Sampics

Tim Rieders Rückkehr hat sich wegen eines Türkgücü-Vetos zerschlagen - und auch sonst war es ein ruhiger Deadline Day für 1860. Aus wohl überlegten Gründen.

München - Zwei Münchner Drittligisten, zwei komplett unterschiedliche Gefühlslagen. Während bei Türkgücü finanziell die Lichter ausgehen, schweben die Löwen sportlich im siebten Himmel. Vier Siege in Folge, erfolgreich dem Corona-Ausbruch mit neun Ausfällen getrotzt, der Trainer zu albernen Namenswitzen aufgelegt („Endlich hat der Köllner mal in Köln gewonnen“) – und siehe da: In der Tabelle sind plötzlich wieder die Aufstiegsplätze in Sicht.

Der Zwischenspurt sorgte dafür, dass sich die Löwen ihrer Zwischenbilanz aus dem Vorjahr nähern (damals Platz 3 mit 37, heuer nach 22 Spielen Platz 8 mit 35 Punkten) – und machte Michael Köllner hörbar stolz. Gefragt nach dem Erfolgsrezept für den 1:0-Sieg seiner Notelf, sagte er in Köln: „Ohne Glück holst du in dieser Liga keinen Punkt, aber als Trainer ist immer das Wichtigste, dass du eine Truppe hast, die Gas gibt, marschiert, nicht lamentiert, sondern sich den Widrigkeiten stellt.“ Daher: „In der einen Situation haben wir Glück gehabt – aber auch zu 100 Prozent Moral.“

TSV 1860: Köllner setzt auf seine Mannschaft

Klingt so ein Trainer, der sein Team grundlegend verändern will? Denkbar, dass die Willensleistung von Köln zu einem Umdenken geführt hat. Je länger es am Deadline Montag ruhig blieb, desto mehr Gewicht erhielten die Worte, mit denen Köllner seine Corona-Notelf geadelt hatte. „Die Mannschaft hat heute gezeigt, dass Qualität, Leidenschaft und Einstellung auch stimmen, wenn bei uns ein paar Stammkräfte ausfallen.“ Über allem stehe für ihn der Zusammenhalt, betonte er: „Die Truppe muss in ihrem Charakter so bleiben.“ Rieder, Stendera, Skenderovic? Statt auf externe Transfers setzt Köllner offenbar auf drei interne Verstärkungen: auf Moll, Staude und Linsbichler.

Quirin Moll: Endlich mal wieder ein Auftritt, bei dem der Modellathlet an eine frühere fußballerische Version seiner selbst erinnerte. In den Druckphasen, als eine Flanke nach der anderen in den 1860-Strafraum segelte, war Moll, 31, der Turm in der Schlacht, der den Überblick behielt; zudem gab er seinen jungen Nebenmännern Halt (Lang, Belkahia). Womöglich ein Neuanfang für den Dachauer, dem Köllner in der Hinrunde „erschreckende Leistungen“ attestiert hatte.

Keanu Staude: Dass der ehemalige Bielefelder und Würzburger kicken kann, weiß jeder, der schon mal ein Training der Löwen mitverfolgt hat. Warum er es im Ernstfall bisher so selten abrufen konnte? Vermutlich weiß Staude das selber nicht, doch die 86 Zweitligaspiele dürften ja nicht durch eine Laune des Schicksals in seinem Lebenslauf gelandet sein. Hat es ihn beflügelt, dass er endlich mal auf seiner Wunschposition auflaufen durfte, auf der „Zehn“ des diesmal gelbgesperrten Richard Neudecker? Mit seinem Zuckerpass auf den Siegtorschützen Marcel Bär deutete Staude, 25, jedenfalls an, dass er mit 1860 noch lange nicht abgeschlossen hat – trotz oder gerade wegen seines auslaufenden Vertrages.

Tim Linsbichler: Er versuchte es per Schlenzer, per Kopfball, per Kontersprint. Kein Löwe nahm am Sonntag häufiger das Viktoria-Tor ins Visier, doch klar: Alles klappte nicht, was der Wiener mit den langen Stelzen anstellte. Trotzdem: Fleißkärtchen für das Sturmtalent. Fit ist „Linsi“ auch, wie sein Eifer im ersten 90-Minuten-Einsatz zeigte – keine Selbstverständlichkeit für einen dürren jungen Mann, der ein ganzes Karrierejahr verletzungsbedingt versäumt hat. (Uli Kellner)

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