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Verlaats Vietnam-Erkenntnis: „Diesen ganzen Müll im Kopf, den musst du loswerden...“

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Von: Uli Kellner

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Jesper Verlaat lächelt mit einer weiblichen Wanderführerin in einem vietnamenischen Reisfeld.
Reisfeld statt Fußballplatz: Jesper Verlaat auf seiner Tour mit einer Einheimischen durch Nordvietnam. © Instagram

Köllners kreative Wege aus der Krise - darüber sprach Jesper Verlaat in Teil I unseres Interviews. In Teil II geht es um Erkenntnisse nach einer Asien-Reise.

Sie sind ja bekannt dafür, manchmal aus dem Profi-Hamsterrad auszubrechen. Andere genießen Fünf-Sterne-Luxus in Dubai, Sie sind mit dem Rucksack durch Vietnam gereist. Wie war’s?

Verlaat: Ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Eine krasse Erfahrung. Vorher malst du dir im Kopf aus: Du schläfst in Hostels, lernst Leute kennen. Erst mal geht es dann aber um Fragen wie: Wo lässt du dein Geld, das Handy? Wie verschließt du deine Sachen? Das hatte ich mir komplett anders vorgestellt.

Und dann?

Verlaat: Beeindruckend war vor allem, als ich bei Einheimischen übernachtet habe. Ich bin aus Hanoi in den Norden, sechs Stunden mit dem Bus, zu den Reisfeldern. Dort bin ich dann drei Tage gewandert, mit einem Tourguide. Bei der Frau, die das gemacht hat, haben wir geschlafen. Zusammen gekocht, ihre Kinder kennengelernt, den Mann. Da siehst du, wie die wohnen – ohne Fernseher, mit Plastikstühlen im Wohnzimmer. Küche wie ein Stall, da stand das Futter für die Tiere rum, für Hühner und Schweine. Das war genau die Erfahrung, die ich gesucht habe. Mal was anderes sehen. Bisher war ich jeden Sommer in Portugal und im Winter in Holland – aus diesem Trott wollte ich einfach mal raus.

Ich hatte kein Internet, hab mir auch keinen Handyvertrag geholt – das war sehr beruhigend, als hätte ich mich von der Welt abgemeldet.

Jesper Verlaat über Entschleunigung auf einer Rucksacktour durch vietnamenische Reisfelder.

Hat man Sie erkannt auf Ihrer Tour durch Vietnam?

Verlaat: Nein, kein Mensch. Keiner hat mich gekannt oder angesprochen. Ich habe viele Leute kennengelernt, aber die sind komplett anders drauf. Da gab’s einen Kanadier, 53 Jahre alt. Der hat seinen Job gekündigt und ist nur noch am Reisen, seit einem Jahr. Oder einen aus Frankfurt. Der war arbeitslos, lebt von Hartz-IV-Geld – und ist auch schon seit vier Monaten unterwegs. Wenn er wieder einen Job kriegt, im Februar, fliegt er zurück nach Deutschland und arbeitet wieder. Wie locker die drauf sind, wie die ticken! Eine komplett andere Welt.

Jesper Verlaat nach einem Badestopp auf seiner Rucksacktour durch den Norden von Vietnam.
Blickfang: Jesper Verlaat nach einem Badestopp auf seiner Rucksacktour durch den Norden von Vietnam. © Instagram

Was haben Sie für sich mitgenommen von dieser Reise?

Verlaat: Wertzuschätzen, was man hat. Ich hatte kein Internet, hab mir auch keinen Handyvertrag geholt – das war sehr beruhigend, als hätte ich mich von der Welt abgemeldet. Als ich zurück zu Hause war, kam ich mir ein bisschen überfordert vor. Allein wie viele Sachen bei mir rumstehen! Man neigt ja dazu, immer noch mehr zu begehren. Und wenn du die Menschen in Vietnam siehst: Die brauchen nicht viel und sind trotzdem zufrieden. Was ja auch der Trainer predigt: Du lebst im Hier und jetzt, nicht gestern und nicht morgen. Diesen ganzen Müll im Kopf, den musst du loswerden, auch darum geht es mir. Die Lehre: Glücklich sein, mit dem was man hat. Später im Leben gibt es noch genug Tage, wo es vielleicht nicht mehr so gut läuft.

Würden Sie wieder so eine Reise machen?

Verlaat: Auf jeden Fall, aber ein bisschen anders planen. Schon wieder in Hostels gehen, aber nicht mehr mit acht Mann auf dem Zimmer. Einer hat die ganze Nacht gehustet. Da bin ich raus und in der Stadt rumgelaufen. Außerdem: Neun Tage sind zu kurz, da bist du nur im Stress, wenn du alles sehen willst.

Harter Bruch. Zurück zum Sport, zu Gegner Waldhof Mannheim, der heimstärksten Mannschaft der 3. Liga. Was können die so gut und was muss 1860 anstellen, um dort zu gewinnen?

Der Ex-Mannheimer rechnet am Samstag mit einem Hessenkessel

Verlaat: Aus meiner zweijährigen Erfahrung kann ich sagen: Bei den Heimspielen kann sich eine unheimliche Wucht entfalten – aber erst, wenn die eine Großchance hatten oder so. Es ist eng, von der Akustik her zu. Er kann also sehr laut werden. Die entscheiden viele Spiele erst in der Schlussphase, also müssen wir schlau spielen.

Ist es bereits ein Endspiel mit Blick auf die Aufstiegsplätze?

Verlaat: Nein, die Hinrunde ist ja noch nicht mal vorbei. Es ist ein wichtiges Spiel, weil es auch gegen einen direkten Konkurrenten geht. Wichtig ist immer, dass du in solchen Duellen Punkte klaust.

Worauf wird es ankommen in den verbleibenden 21 Spielen?

Verlaat: Dass wir gut aus der Winterpause rauskommen – und wieder in einen Lauf reinkommen. Wie es in den ersten Spielen war: Du musst nicht in jedem Spiel gut sein, aber du musst konstant deine Punkte holen. Wir müssen cool sein. An den letzten sechs Spieltagen passieren erfahrungsgemäß die verrücktesten Sachen, da gewinnt der Letzte gegen den Ersten. Bis dahin müssen wir gut da stehen.

Interview: Uli Kellner

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