TSV 1860: Kehrtwende in der Corona-Causa

Köllner darf mit nach Halle, wird aber zum Masken-Trainer

1860-Trainer Michael Köllner mit Sportchef Günther Gorenzel
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Maskenpflicht: Michael Köllner (l.) muss in Halle mit Mund-Nasen-Schutz coachen.

Zwei Tage vor dem Spiel in Halle verkündet 1860-Sportchef Gorenzel eine Überraschung: Das Gesundheitsamt begnadigt den Coach, erteilt aber „strengste Auflagen“.

Das Wichtigste vorweg: Kevin Goden geht es gut. Laut Günther Gorenzel sind beim positiv auf Corona getesteten Löwen-Profi nur „ganz leichte Symptome“ aufgetreten – „wie bei einer Grippe oder Erkältung“. Aber das ist nicht die einzige positive Nachricht, die der Sportchef im Gepäck hat, als er am Freitag zur Presse spricht.

Gorenzel überrascht zudem mit einer „Lex Köllner“, die der Verein beim erneuten Austausch mit dem Gesundheitsamt aushandeln konnte. Heißt: Michael Köllner steht den Löwen nun doch beim Auswärtsspiel in Halle zur Verfügung. Allerdings „unter strengsten Auflagen“, wie er betont. Bedeutet konkret: private Anreise, erneute PCR-Testung am Sonntag plus Selbstverpflichtung, durchgehend FFP2-Maske zu tragen – beim Aussteigen aus dem Auto, bei der Ansprache zur Mannschaft und auch beim Coaching an der Seitenlinie während der 90 Minuten.

Entwarnung: Kevin Goden hat nur leichte Grippesymptome

Das Gesundheitsamt ließ sich letztlich vom Argument überzeugen, dass Köllner bereits geimpft ist, das Vakzin aber noch nicht seine volle Schutzwirkung entfaltet hat. „Ich hab’s vor 30 Minuten erfahren“, berichtet Gorenzel zur Mittagszeit und spricht von akribischen Prüfungen seitens der Behörde, „wann geimpft wurde, wer, welcher Impfstoff und von wem“. Die Hygienebeauftragte des TSV, Dr. Monika Mrosek, sei ihm dabei eine wertvolle Hilfe gewesen. „Ansonsten“, witzelt Gorenzel, „hätte ich noch schnell zwei Semester Medizin studieren müssen“.

Dass Gorenzel schon wieder zu Scherzen aufgelegt war, zeigt: Die Löwen haben sich mit den Sanktionen arrangiert, die den Verein am Sonntag in Halle und auch sechs Tage später beim Heimspiel gegen Zwickau beeinträchtigen werden. Was den Trainer angeht, sieht es der Sportchef so: „Es wird sicher eine Herausforderung für ihn, durchgehend mit Maske zu coachen, aber es ist besser, als wenn er in München sitzt und wir andere Optionen hätten überlegen müssen.“

Köllner ist also in Halle dabei, doch welche Mannschaft steht ihm am Sonntag zur Verfügung? In den sozialen Medien kursieren die Namen der mutmaßlich ungeimpften Profis – Gorenzel jedoch blockt ab. „Schon aus Datenschutzgründen darf ich sie gar nicht bestätigen“, sagt er. Er will sogar einen Sichtschutz aufbauen lassen, damit am Samstag keiner sieht, welche Profis in den Bus steigen und welche erst gar nicht auftauchen. Lächelnd fügt er hinzu: „In Wahrheit ist es erkennbar, wenn am Sonntag 60 Minuten vor dem Anpfiff die Aufstellung rauskommt.“

In Wahrheit ist es erkennbar, wenn am Sonntag 60 Minuten vor dem Anpfiff die Aufstellung rauskommt.

Sportchef Günther Gorenzel über die Quarantäne-Fälle bei 1860.

Sicher dabei ist Richard Neudecker, der das Gefühl hat, das Team werde trotz des Corona-Schocks hochkonzentriert nach Halle reisen. „Ich denke, dass die Mannschaft sehr positiv damit umgegangen ist“, sagt er: „Wir haben alle gesagt: Okay, jetzt erst recht. Jetzt müssen wir alle noch mal einen Schritt mehr machen und zusammen an der Aufgabe wachsen.“ Gorenzel sieht es ähnlich. „Wir werden es als Kollektiv auffangen. Ich bin überzeugt davon, dass wir auch in Halle eine konkurrenzfähige Mannschaft aufstellen werden.“

Natürlich, sagt Gorenzel, werde der Verein Lehren aus dem Fall Goden ziehen und die bestehenden Maßnahmen „nachschärfen“. Einsätze von ungeimpften Spielern in der U 19 oder U 21 dürften seltener werden, Tages-Charterflüge könnten künftig Busreisen mit Hotelaufenthalt ersetzen. Ziel müsse sein, die Profis durchgehend in einem „3G-Raum“ abzuschirmen.

Gorenzel bringt deswegen auch Verständnis dafür auf, dass für frisch geimpfte Profis keine Ausnahme gemacht wird: „Der Trainer kann mit Maske coachen und Abstand halten, der Spieler in den Zweikämpfen eher nicht.“ Es sei nämlich unabdingbar, dass jeder einsetzbare Profi „die berühmten 15 Prozent“ drauflege: „Wenn das jeder in die Waagschale wirft, können wir das Spiel absolut auf unsere Seite ziehen.“

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