TSV 1860: Wende-Spiel gegen den Tabellenführer?

Wie im März gegen Dresden: Ein Lucky Punch muss her!

Phillipp Steinhart erzielt den Siegtreffer gegen Tabellenführer Dynamo Dresden.
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Schuss ins Glück: Am 22. März landete 1860 einen Lucky Punch gegen den damaligen Tabellenführer Dresden (1:0). Phillipp Steinhart, der die Aufstiegshoffnung damals am Leben hielt, fehlt am Samstag gegen den aktuellen Spitzenreiter Magdeburg.

Wer das Mannheim-Spiel erlebt hat, dürfte 1860 gegen Magdeburg nicht viel zutrauen. Aber: Auch vor dem Duell mit Dresden im März schien die Lage aussichtslos...

Die Tabellenspitze war 13 Punkte entfernt, Platz drei auch schon 12 Punkte – was die Aufgabe an diesem 22. März 2021 nicht einfacher machte. Spitzenreiter Dresden kam ins Grünwalder Stadion – und die Löwen mussten unbedingt gewinnen, um ihre Minimalchance im Aufstiegskampf zu wahren.

Duplizität der Ereignisse. Gut neun Monate später ist es eine frappierend ähnliche Situation, in der sich Michael Köllner und sein Team befinden. Klar: Die Saison ist noch nicht so fortgeschritten wie damals (es steht der 18., nicht bereits der 29. Spieltag an). Aber: Der Ergebnisfrust ist ähnlich groß wie Ende März (1:3 gegen Mannheim, damals 0:0 in Lübeck und 0:1 in Duisburg) – und erneut drohen die besseren Plätze außer Reichweite zu geraten. Tabellenführer Magdeburg hat vor dem Duell am Samstag elf Punkte mehr auf dem Konto und könnte bei einem Sieg im Giesinger Geisterspiel endgültig enteilen.

Hilft wie damals der Mut der Verzweiflung?

Doch wie haben es die Löwen damals geschafft, den gefühlt bereits sicheren Aufsteiger Dresden niederzuringen? Die sportlichen Fakten dürften den meisten Fans in Erinnerung sein: 1860 setzte früh Akzente (Mölders an die Latte), passte sich mit der Zeit dem Niveau der an diesem Abend biederen Sachsen an – und schlug zu, als alle schon von einem 0:0 ausgingen. Konter über Stefan Lex, Zuspiel auf Phillipp Steinhart, der sich den Ball auf den starken linken Fuß legte und trocken ins entfernte Eck hämmerte (86. Minute). Es blieb bei diesem 1:0. Ein Lucky Punch, der den Löwen neue Kräfte, Selbstvertrauen und Mut verlieh: Fünf ihrer nächsten sechs Spiele gewannen sie, ehe der Aufstiegsmotor ins Stottern geriet – just, als der selbst ernannte „Jäger“ erstmals Platz drei erobert hatte (35. Spieltag).

Im Nachhinein war beim „Endspiel“ Ende März eine Menge Psychologie zusammengekommen: Torschlusspanik des Tabellenführers (58 Punkte) – und eine Trotzreaktion des Verfolgers (45), der vermeintlich abgeschlagen Platz vier belegte. In der Pressekonferenz vor dem Dresden-Spiel hatten die Löwen erklärt, ab sofort nicht mehr ihren Aufstiegsträumen hinterherzujagen, sondern nur noch „von Spieltag zu Spieltag“ zu schauen – „ohne den ganz großen Druck im Kessel“, wie Günther Gorenzel betonte. „Ich kann eines versprechen“, so der Sportchef: „Wir werden auf die Jagd gehen – und dann werden wir sehen, was in den zehn Spielen noch umsetzbar ist.“

Formstarke Magdeburger: Fünf der letzten sechs Spiele gewonnen

Wiederholt sich nun die Geschichte? Zunächst richten sich die Blicke auf die Pressekonferenz an diesem Freitag. Werden sich Köllner und Gorenzel erneut öffentlich vom selbst auferlegten Aufstiegsdruck befreien? Einerseits ist die Lage trüb wie im März – und die Form des 1. FC Magdeburg furchteinflößend (fünf der letzten sechs Spiele gewonnen). Andererseits: So wie man den Trainer in den zwei Jahren seiner Amtszeit erlebt hat, wäre es komplett gegen seine Natur, bereits kurz vor Abschluss der Hinrunde seine großen Ambitionen runterzuschrauben.

Unbestritten ist, dass 1860 derzeit alles fehlt, was ein Spitzenteam ausmacht: Konstanz, Kompaktheit, ordnende Kräfte auf dem Platz, Souveränität in der Defensive . . . Zu allem Unglück fehlt am Samstag auch Haudegen Steinhart (Gelbsperre) – der Mann, der damals die Löwen-Hoffnung am Leben hielt.

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