„Einheimischen-Modell“ des TSV 1860

Die bayerischen Löwen: Auf den Spuren der Aufstiegshelden von 1991

Absolute Identifikation mit dem Verein: Die heutigen bayerischen Löwen Neudecker, Greilinger, Wilsch, Belkahia und Wein (v.l.). 
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Absolute Identifikation mit dem Verein: Die heutigen bayerischen Löwen Neudecker, Greilinger, Wilsch, Belkahia und Wein (v.l.). 

Der TSV 1860 eifert mit seinem „Einheimischen-Modell“ den Spuren der Aufstiegshelden von 1991 nach. Löwen-Legende Magic Kneißl ist sicher: „Das kann Kräfte freisetzen.“ 

München– Der 12. Juni 1991 gehört zu den Tagen, die kein Löwe, der damals schon dabei war, jemals vergessen wird. An diesem Mittwochabend endete für den TSV 1860 im Kasseler Auestadion die neunjährige, als bitteres Joch empfundene Zeit in der drittklassigen Bayernliga. All der Spott, all die Häme waren vergessen, als die Löwen durch die Tore von Stefan „Hamperer“ Hamberger und Albert Gröber mit 2:0 bei Hessen Kassel gewannen und den Aufstieg in die Zweite Bundesliga feierten. 

Letzte theoretische Zweifel beseitigte das 2:1 vier Tage später gegen Borussia Neunkirchen vor 30.000 nicht nur glückstrunkenen Fans im Grünwalder Stadion. Die Bilder von Karsten Wettbergs ekstatischem Freudentanz mit abschließender Regenschirm-Zertrümmerung gehören längst zum Giesinger Weltkulturerbe.

TSV 1860: Viele bayerische  Spieler im Team - Parallele zu den Aufstiegshelden 1991

Was Michael Köllner anstellen wird, sollte den Löwen zum 30-jährigen Jubiläum der Königskrönung von Giesing die Rückkehr in die Zweite Liga* gelingen, das weiß wohl noch nicht mal er selbst. Was die Helden von damals aber schon jetzt mit der Klasse von 2021 verbindet, ist die absolute Identifikation mit dem Verein. So tief bayerisch waren die Löwen seit drei Jahrzehnten nicht mehr. 

Damals bestand die Mannschaft bis auf die beiden Hessen Guido Erhard und Volker Rudel nur aus Eingeborenen (den Mittelfranken Armin Störzenhofecker großzügig mit eingeschlossen). „Die Kabinensprache war Bairisch“, erinnert sich Roland „Magic“ Kneißl im Gespräch mit unserer Zeitung. „Im Mannschaftsbus haben wir uns zusammen ,Münchner Gschichten‘ angeschaut“ (Helmut Dietls erste Serie, Anm. d. Red.).

„Die Kabinensprache war Bairisch“: Die Aufstiegshelden von 1991. Auf dem Bild sind nur „Einheimische“ zu sehen – bis auf den Hessen Volker Rudel (l.).

TSV 1860: Mit Kapitän Sascha Mölders, Erik Tallig und Stephan Salger nur drei Stamm-Preißn im Team

Da tickt die Generation iPad natürlich anders. Auch was das Bairische angeht, haben sich die Zeiten geändert. Trotzdem gibt es auch bei den Löwen von heute mit Stefan Lex (Erding), Fabian Greilinger (Eggenfelden), Marius Willsch (Passau) und Lorenz Knöferl (Dachau) vier Muttersprachler, dazu kommt mit dem Altöttinger Richy Neudecker einer, der fließend zweisprachig unterwegs ist. Aber es kommt ja schließlich in erster Linie aufs Verstehen an. 

Und da haben Marco Hiller (Gröbenzell), Phillipp Steinhart, Dennis Dressel, Quirin Moll und Johann Djayo (alle Dachau), die gebürtigen Münchner Semi Belkahia, Daniel Wein, Merveille Biankadi und Tom Kretzschmar (München) ebenso wenig ein Problem wie Niklas Lang (Starnberg), Maxim Gresler (Bad Tölz) und Marco Mannhart (Trostberg). Die drei Stamm-Preißn in der ersten Elf, Sascha Mölders (Essen), Erik Tallig (Chemnitz) und Stephan Salger (Köln), seien bestens assimiliert, heißt es aus Teamkreisen.

Löwen-Legende Magic Kneißl: „Das kann schon zusätzliche Kräfte freisetzen“

Identifikation als Aufstiegsgeheimnis? So weit will Kneißl nicht gehen. „Nur über die Sprache und Herkunft steigst du nicht auf“, sagt der 58-jährige gebürtige Mühldorfer. „Aber mit so vielen Spielern aus der Gegend ist der Bezug zum Verein und zu den Leuten drum herum natürlich enger als mit einer Legionärstruppe. Das kann schon zusätzliche Kräfte freisetzen.“

Ob’s die Löwen heuer packen? Kneißl: „Ich wünsche es ihnen und trau’s ihnen auch zu. Rein terminlich könnt’s ja kaum besser passen ...“ (LUDWIG KRAMMER)

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