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Ex-Löwe Stevic legt sich fest: „1860 steigt auf, Dortmund wird Meister“

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Von: Uli Kellner

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Mirsolav Stevic spielte ein Saison mit den Löwen in der Bundesliga - beim TSV 1860 war er insgesamt fünf Jahre.
Mirsolav Stevic spielte ein Saison mit den Löwen in der Bundesliga - beim TSV 1860 war er insgesamt fünf Jahre. © Imago

Miroslav Stevic hat für 1860 und den BVB in der Bundesliga gespielt. Vor dem Pokal-Duell ist er hin- und hergerissen. Glaubt aber an den Erfolg beider.

München – Er hat für beide Vereine in der Bundesliga gespielt: Miroslav Stevic, 52, von 1994 bis 1999 ein Löwe, danach dreieinhalb Jahre ein Dortmunder – Meisterschaft und UEFA-Pokal-Finale inklusive. Wem der Ex-Profi und Spielerberater, der beim TSV 1860 auch auf dem Managerstuhl saß (2009 bis Mitte 2011), die Daumen drückt, wenn sich seine Ex-Clubs im DFB-Pokal duellieren?

Unser Interview mit dem früheren WM-Teilnehmer Serbiens, der nach wie vor mit seiner Familie in Grünwald lebt.

Herr Stevic, schlägt Ihr Herz am Freitag mehr für 1860 oder für Dortmund? Ein Unentschieden geht ja schlecht.

Bei beiden Vereinen habe ich lange gespielt – und an beide nur gute Erinnerungen. Was ich bei Dortmund erlebt habe, ist einzigartig in Europa. Deswegen bin ich damals auch gegangen. Eine schwierige Frage. Mir liegen beide Vereine am Herzen.

Fangen wir mit den Löwen an. Haben Sie den 4:3-Sieg beim Ligastart in Dresden verfolgt?

Live nicht, weil ich unterwegs war, nur Berichte. Es war auf jeden Fall ein toller Start, der dem Verein viel Selbstvertrauen geben wird. Man weiß ja auch, dass mein dritter Bundesligaverein, Dynamo Dresden, kein leichter Gegner ist. Stadion mit wunderbarer Fußballkulisse, begeisterte Fans – nicht jeder holt dort drei Punkte.

Dortmund hat die letzten beiden Tests verloren, gegen die spanischen Erstligisten Valencia und Villarreal. Wie viel Sand ist noch im Getriebe beim BVB?

Ich halte es wie Werner Lorant, der hat damals auch nicht viel auf Vorbereitungsspiele gegeben. Entscheidend ist, dass du auf Tag X fokussiert bist – und das ist für Dortmund das Pokalspiel bei Sechzig.

Erhöht es die Chancen für 1860, dass Dortmund ohne Pflichtspiel in den Beinen, also buchstäblich aus der kalten Hose antritt?

Das ist sicherlich ein Vorteil, aber Dortmund nimmt den Wettbewerb sehr ernst – speziell Edin Terzic, der ja schon letztes Jahr den DFB-Pokal in den Händen halten durfte.

Wie kann der BVB den Verlust von Erling Haaland verkraften?

Haaland ist Geschichte. Aus meiner Sicht lautet die Frage eher: Wie verkraften sie den Ausfall von Sébastien Haller? Eine tragische Geschichte von der menschlichen Seite. Ich wünsche ihm, dass er diese Krankheit schnell besiegt. Was sportlich für Dortmund spricht: Sie verstehen es wie kein zweiter Verein in Europa, Topspieler zu ersetzen. Auch Lewandowski haben sie damals ersetzt.

Ist das Grünwalder Stadion ein Trumpf für 1860?

Ich hatte das Glück, ein Jahr Bundesliga mit 1860 in diesem Stadion zu spielen (1994/95) – mit allen Vor- und Nachteilen. Die Atmosphäre erinnert an England früher. Dafür war der Platz damals im Winter nicht so gut. Ich habe das Stadion aber auch als Gegner erlebt, beim Sieg mit Dresden im DFB-Pokal, wo ich das Siegtor zum 2:1 geschossen habe (am 18. August 1992). Die Power ist unglaublich, die sich dort von den Fans auf die Spieler überträgt.

Als früherer 1860-Manager und Spielerberater sind Sie auch ein Experte für Transfers. Wie bewerten Sie die neun Sommerzugänge der Löwen?

Für mich ist das ein Signal, dass sie dieses Jahr bereit sind – bereit für den Aufstieg, der ja das einzige Ziel ist, das dieser großartige Verein haben kann.

Erstklassige Zeiten: Miki Stevic verließ 1999 die Löwen, um seine Karriere in Dortmund fortzusetzen – als Krönung durfte er 2002 die Meisterschaft bejubeln (r.).
Erstklassige Zeiten: Miki Stevic verließ 1999 die Löwen, um seine Karriere in Dortmund fortzusetzen – als Krönung durfte er 2002 die Meisterschaft bejubeln. © Imago

In Leandro Morgalla haben die Löwen ein 17-jähriges Supertalent im Profikader. Was würde Sie dem Jungen raten: Vertrag verlängern oder möglichst früh höher hinaus?

Im deutschen Fußball gibt es wenige Adressen, die so fruchtbare Erde haben im Nachwuchsbereich wie die Grünwalder Straße. Als ich Manager war, habe ich zwölf Spieler in zweieinhalb Jahren verkauft, damit der Verein überlebt. Ich denke, mit seinen 17 Jahren ist Morgalla perfekt bei 1860 aufgehoben. Gutes Umfeld, sehr guter Trainer. Dass er jetzt schon Stammspieler in der ersten Mannschaft ist, zeigt seinen Stellenwert.

Also soll er bleiben?

Der Tag, um den nächsten Schritt zu machen, kommt früh genug. Jetzt um jeden Preis zu wechseln, halte ich für keine gute Idee. Eines möchte ich in diesem Zusammenhang auch betonen: Was Manfred Paula und seine Mitarbeiter im NLZ machen, ist überragend. Auch die U 19 spielt endlich wieder in der Bundesliga. Das ist mindestens genauso wichtig wie die erste Mannschaft. Es war tödlich für den Verein, so lange im Nachwuchsbereich geschlafen zu haben. Das hat Haching schön ausgenutzt. Früher wäre ein Adeyemi nicht bei Haching gelandet, sondern bei 1860. Der Nachwuchs muss bei 1860 immer die Basis sein!

Als Geschäftsmann dürften Sie begeistert sein über Manni Schwabl, der durch Adeyemis Weiterverkauf noch mal zehn Millionen Euro für Haching rausgeschlagen hat.

Ich kenne Manni schon lange – er ist ein bayerisches Schlitzohr. Solche Geschichten sind aber normal. 1860 hat auch fünf Jahre nach meinem Abgang 2,2 Millionen für Volland bekommen, weil ich solche Klauseln in alle Verträge eingebaut habe.

Was trauen Sie Adeyemi in Dortmund zu?

Sehr viel. Er hat sich sehr gut entwickelt – und er war gut beraten, jetzt von Salzburg nach Dortmund zu wechseln. Er ist schnell mit den Beinen und mit der Zunge – diese Frechheit gefällt mir. Wenn er die wunderbare Plattform BVB richtig nutzt, kann er einen Weg machen wie einige Talente vor ihm, wie Sancho, Dembele und viele mehr.

Zurück zu 1860. Was halten Sie vom Cheftrainer Michael Köllner?

Ich kenne ihn nicht persönlich, aber er präsentiert sich sehr gut in den Medien– und er holt aus bescheidenen Mitteln sehr viel raus, zuletzt zweimal Platz vier. Ich denke aber, dass er jetzt noch größere Taten schaffen muss. 1860 ist verdammt zum Aufstieg, das weiß er sicher selbst.

Präsident Robert Reisinger hat kritisiert, dass Köllner zu viel redet. Darf er das oder untergräbt er damit seine Autorität?

Dass bei 1860 viel geredet wird, ist nichts Neues. Am erfolgreichsten ist ein Verein immer, wenn mit einer Zunge kommuniziert wird – wie damals unter Wildmoser und Lorant. Allerdings waren das auch andere Zeiten.

Wie hätte wohl Ihr Ex-Trainer Lorant reagiert, wenn ihn Karl-Heinz Wildmoser zum Schweigen aufgefordert hätte?

Geschwiegen hätte er sicher nicht (schmunzelt). Grundsätzlich denke ich: Ein Präsident ist ein Präsident, ein Trainer ein Trainer, ein Zeugwart ein Zeugwart – jeder sollte seine Rolle genau so ausfüllen.

Köllners Vertrag läuft ja nur noch bis zum Ende dieser Saison. Sollte 1860 frühzeitig verlängern oder lieber abwarten?

Ich denke, für beide Seiten ist das jetzt die beste Ausgangssituation. Ich habe mich immer gefreut, wenn mein Vertrag ausgelaufen ist. Wenn man an sich glaubt, kann sich das doppelt und dreifach lohnen. Jeder, der schlau ist, profitiert am Ende davon.

Zum Abschluss noch ein Ausblick: Ist es wahrscheinlicher, dass 1860 aufsteigt oder dass Dortmund Meister wird?

Ich wünsche beiden von ganzem Herzen das Beste. Und ich glaube, dass beides dieses Jahr möglich ist.

Und wie geht das Duell am Freitag aus?

Für Dortmund ist ein Sieg Pflicht, für 1860 ist es eine große Chance. Lassen wir es einfach so stehen.

Das Interview führte Uli Kellner.

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