Rückkehr ins Olympiastadion steht an

Ex-1860-Keeper Hofmann vor Derby im Interview: „Wenn mir manche unterstellen, dass ich die Löwen verhöhne, ...“

Michael Hofmann breitet die Arme aus und ruft
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Eine Löwen-Legende: Michael Hofmann stand zwischen 1996 und 2010 für die Blauen auf dem Rasen.

Zum dritten Mal treffen die Löwen in dieser Saison auf Stadtrivale Türkgücü. Der frühere Sechzig-Keeper Michael Hofmann schwelgt vor dem Duell in Erinnerungen und hat einen Tipp für die Gäste.

München - Er spielte 14 Jahre Bundesliga und Zweite Liga für die Löwen, wurde zur Identifikationsfigur und zum Fanliebling in Giesing. Inzwischen trainiert Michael Hofmann (48) seit vier Jahren die Torhüter bei Türkgücü, stieg mit dem Klub von der Landesliga bis in die Dritte Liga auf. Das Interview vor dem Derby im Olympiastadion.

Herr Hofmann, vor gut zwei Wochen sind sich Türkgücü und 1860 in einem rassigen Totopokal-Derby begegnet - mit dem besseren Ende für Ihren Arbeitgeber, der durch den 1:0-Sieg seine Chance auf eine Teilnahme am DFB-Pokal wahrte. Auf was sollten sich die Fans dieses Mal einstellen?
Hofmann: Ich glaube nicht, dass es dieses Mal weniger kämpferisch und emotional zugehen wird. Sechzig will die Niederlage wettmachen und im Aufstiegsrennen dranbleiben, für uns geht es darum, nach dem 1:2 in Saarbrücken wieder ein Erfolgserlebnis einzufahren. Schade natürlich, dass keine Fans dabei sein dürfen. Inzwischen hat man sich leider Gottes schon fast dran gewöhnt.
Sie mussten nach dem Sieg im Totopokal einige persönliche Beleidigungen im Netz über sich lesen. Unter anderem wurde Ihnen von Löwenfans die emotionale Verbindung zu Sechzig abgesprochen, weil Sie mit Türkgücü jubelten. Ihre Reaktion?
Hofmann: Mei, was soll ich dazu sagen? Ich habe mich mit René Vollath und unseren Verteidigern gefreut, dass wir endlich mal wieder zu null gewonnen hatten. René hatte nach seinen beiden Fehlern in der Liga gegen Duisburg keine leichte Zeit. Dazu kam natürlich die Erleichterung. Durch den Sieg gegen Sechzig haben wir uns die Chance auf die Teilnahme am DFB-Pokal bewahrt - letztes Jahr hatte das Gericht bekanntlich was dagegen. Wenn dann manche Leute meinen, sich darüber auslassen zu müssen, und mir unterstellen, dass ich die Löwen verhöhne, dann finde ich das nur traurig. Ich bin dankbar, dass ich von 1996 bis 2010 für Sechzig spielen durfte und vieles erlebt habe. Ich bin auch nach wie vor Mitglied bei 1860. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich.
Für die Löwen ist es am Samstag das erste Spiel im Olympiastadion seit April 2005. Sie saßen damals nach auskurierter Verletzung auf der Bank beim 0:0 gegen Köln. Welche Erinnerungen haben Sie an die Saison?
Hofmann: Es war die erste nach dem Abstieg aus der Bundesliga, wir hatten einen riesigen personellen Umbruch und von Beginn an mächtig Druck, direkt wieder aufsteigen zu müssen. 2005 stand ja der Umzug in die Arena an. In der Hinrunde ist es überhaupt nicht gelaufen, im Dezember hat Reiner Maurer von Rudi Bommer übernommen, mit ihm ist die Disziplin zurückgekehrt. Die Rückrunde war dann sehr ordentlich, wir haben im Grünwalder eine Serie gestartet, im Olympiastadion Frankfurt geschlagen; verspielt haben wir den Aufstieg danach im Grünwalder bei den Unentschieden gegen Essen und Saarbrücken. Lang ist’s her.
Sie bezeichnen das Olympiastadion gern als Ihr Wohnzimmer, folglich dürften die positiven Erinnerungen überwiegen.
Hofmann: Auf jeden Fall. Ich durfte im Olympiastadion mein erstes Profispiel bestreiten, am 18. April 1998 beim 3:1 gegen Hertha, fast genau auf den Tag vor 23 Jahren. Dann natürlich die beiden Derbysiege gegen Bayern, wo ich zwar nicht gespielt habe, aber dabei war. Und natürlich das Rückspiel 2000 gegen Leeds in der Champions-League-Quali. Wir sind knapp gescheitert, aber die Stimmung war unglaublich. So was vergisst du dein Leben lang nicht.
Ein Aufstieg mit 1860 war Ihnen nicht vergönnt. Glauben Sie, dass es die Löwen in dieser Saison noch packen?
Hofmann: Ich bin mit Jahn Regensburg aus der Dritten Liga aufgestiegen, 2012 in der Relegation gegen den KSC. Damals haben uns 61 Punkte für Platz drei gereicht. Dieses Mal wirst du 65 brauchen - wenn du sichergehen willst, 70. Ich traue das Sechzig auf jeden Fall zu. Wichtig ist, dass sie sich nicht verrückt machen lassen und jedes Spiel für sich betrachten.
Ihr Geschäftsführer Max Kothny macht kein Geheimnis daraus, dass er Türkgücü mittelfristig als zweite Münchner Kraft hinter dem FC Bayern sieht. Realistisch?
Hofmann: Wenn alles in Angriff genommen wird, warum nicht? Je höher du kommst, desto mehr Infrastruktur brauchst du. Trainingsgelände, NLZ, Stadion - das sind Fragen, bei denen die Stadt München keine unwesentliche Rolle spielt. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich ambitionierte Projekte liebe und Leute mag, die eine Vision verfolgen. Stillstand war für mich immer schon das Schlimmste.

Interview: Ludwig Krammer

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