Kommentar zum DFB-Pokal

Tausende Zuschauer bei der Konkurrenz, Löwen-Fans fehlen bei Aufholjagd: Das hat mit Wettbewerb nichts mehr zu tun

Leer: das Grünwalder Stadion in der Corona-Pandemie. (Archivfoto)
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Leer: das Grünwalder Stadion in der Corona-Pandemie. (Archivfoto)

Der TSV 1860 München muss bei der Aufholjagd gegen Eintracht Frankfurt auf seine Löwen-Fans verzichten, während in anderen Stadien im DFB-Pokal vor tausenden Zuschauern gespielt wird. Das ist nicht fair, kommentiert tz.de-Fußball-Autor Patrick Mayer.

  • DFB-Pokal: Der TSV 1860 München scheitert nur knapp am Bundesliga-Klub Eintracht Frankfurt.
  • Die Löwen müssen bei der Aufholjagd gegen den Bundesliga-Riesen wegen Corona auf ihre Fans verzichten - tausende Anhänger peitschen dagegen die Drittligisten 1. FC Magdeburg und Hansa Rostock nach vorn.
  • Dieses Szenario hat mit fairem Wettbewerb im deutschen Profi-Fußball nichts mehr zu tun. Ein Kommentar.

München - Es war laut, es war stimmungsvoll, es war Gänsehautstimmung: „Die 5.000 Zuschauer in der Arena beflügeln den Drittligisten 1. FC Magdeburg“, schrie der Sky-Kommentator in sein Mikrofon.

Einzig, es reichte nach großem Kampf nicht - die Magdeburger mussten sich im DFB-Pokal Zweitligist Darmstadt 98 2:3 geschlagen geben. Nach einer 2:0-Führung.

TSV 1860 München im DFB-Pokal: Löwen-Fans fehlen bei der Aufholjagd

Kurz zuvor hatte der TSV 1860 München, Konkurrent in der 3. Liga, Eintracht Frankfurt (1:2) die Stirn geboten und den Riesen vom Main durch den Anschlusstreffer von Phillipp Steinhart zwölf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit ins Wanken gebracht.

Doch: Bei der letztlich erfolglosen Aufholjagd konnten die Sechzger nicht auf ihre frenetischen Löwen-Fans setzen. Ein klarer Nachteil gegen den schier übermächtigen Bundesliga-Klub.

„Man mag sich gar nicht vorstellen, was hier jetzt vor 15.000 Zuschauer los wäre", sagte Sky-Kult-Journalist Wolff-Christoph Fuss, selbst in München wohnhaft und Kommentator des Spiels. Er weiß, was es heißt, wenn sich der Löwe kollektiv in seinem Wohnzimmer in Giesing erhebt.

TSV 1860 München: Keine Löwen-Fans - Frankfurt-Kante Martin Hinteregger ist erleichtert

Es hatte sich vor der Partie herumgesprochen. „Es war ordentlich Arbeit für uns heute, nicht so einfach. Glücklicherweise war das Stadion leer, sonst wäre es nochmal richtig rund gegangen nach dem 1:2“, sagte Frankfurts Abwehrchef Martin Hinteregger sichtlich erleichtert der ARD-Sportschau.

tz.de-Fußball-Autor Patrick Mayer kommentiert das leere Grünwalder Stadion.

Und meinte weiter: „Dann wäre es nicht so easy gegangen nach dem Anschlusstreffer, da hätte die Hütte gebrannt und es wäre nochmal richtig spannend geworden.“

Bleibt die Frage: Was hat das noch mit fairem Wettbewerb zu tun? Antwort: Nichts! Ein Vergleich: Auch in der Partie Hansa Rostock gegen den VfB Stuttgart (0:1) peitschten 7.500 Fans die Hanseaten im Ostseestadion nach vorne.

Die Corona-Abstandsregeln hielten sie dabei, das beweisen etliche Fotos und TV-Aufnahmen, nur bedingt bis gar nicht ein. Was für entsprechenden Shitstorm bei Social Media sorgte.

Das Beispiel zeigt aber auch: Es sei dahingestellt, ob der TSV 1860 seine Partie gegen die Hessen überhaupt noch gedreht hätte, nachdem ein vermeintlicher Treffer von Sascha Mölders wegen angeblicher Abseitsstellung nicht gegeben wurde.

TSV 1860 München und andere Klubs ohne Fans: Wettbewerbsverzerrung im deutschen Fußball?

Natürlich sind alle Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise gegen das heimtückische Coronavirus verständlich. Und im Föderalismus entscheiden lokale Gesundheitsbehörden über Zuschauer-Kapazitäten.

Aber der deutsche Profi-Fußball bewegt sich in eine gefährliche Richtung, wenn manche Klubs vor tausenden Zuschauern antreten dürfen, während andere Vereine ihre Anhänger in leeren Stadien schmerzlich vermissen.

Das ist schlicht nicht fair - und das Gespenst namens Wettbewerbsverzerrung zieht schon seine Kreise. Am Samstag geht es für die Löwen erst einmal gegen den SV Meppen - mit Zuschauern. (pm)

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