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„Das können wir kurz genießen“: Löwen haben nach Auftaktcoup die Sensation im Blick

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Von: Uli Kellner

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Trifft nur im Löwen-Trikot: Tim Rieder bejubelt sein 2:0 – Belkahia und Verlaat (r.) freuen sich mit ihm
Trifft nur im Löwen-Trikot: Tim Rieder bejubelt sein 2:0 – Belkahia und Verlaat (r.) freuen sich mit ihm © sampics

Der TSV 1860 München legt einen Traumstart in die neue Saison hin. Dass die Löwen am Ende unnötig Zittern müssen, nehmen sie dankend hin.

Dresden – In der Gästekabine wurde die Musik aufgedreht. 1860-Profis, die eben noch platt auf dem Rasen lagen, federten beschwingt durch die Interviewzone – Emotionen der Erleichterung, fast schon der Erlösung. Wie man sich eben fühlt, wenn man die vermeintlich schwerste Prüfung dieser 3. Liga unbeschadet überstanden hat. „Wir haben in Dresden gesiegt, in einem Stadion, das für den Gegner die Hölle ist“, sagte Trainer Michael Köllner nach dem Happy End in einem Torspektakel (4:3 nach 2:0-Pausenführung für 1860): „Am Schluss war es für uns der Himmel. Von daher bin ich super zufrieden!“

In einem hochintensiven Spiel hatten Köllners Löwen einen Traumstart erwischt. Bereits nach sieben Minuten fälschte Kevin Ehlers, Sohn des früheren 1860-Verteidigers Uwe Ehlers, eine Flanke von Stefan Lex ins eigene Netz ab. „Ich wollte vorne rum auf den Laki spielen“, erklärte der Kapitän, „aber ist uns auch recht, wenn dann der andere das Tor macht.“ Dynamo-Haudegen Stefan Kutschke hatte mehrmals die Chance, ins richtige Tor zu treffen. Marco Hiller hatte etwas dagegen. Dann kam Tim Rieder, legte einen Slalom zum 2:0 hin (36.). „Das war mein viertes Tor für Sechzig“, sagte der Rückkehrer aufgekratzt: „Bei Lautern keins, für Türkgücü auch keins. Irgendwie schieße ich nur für 1860 Tore. Es gibt’s nix Geileres!

TSV 1860: Hauptsache drei Punkte

Die zweite Halbzeit dann: ein offener Schlagabtausch – mit vier Toren binnen fünf Minuten. Doppelpack von Marcel Bär kurz nach seiner Einwechslung (68., 71.). Doppelpack-Antwort von Dennis Borkowski (70., 82). Auch Ex-Löwe Manuel Schäffler hatte leichtes Spiel gegen jetzt unsortierte Gäste (73.). Dresdens gelbschwarze Hölle entfaltete noch einmal ohrenbetäubenden Lärm, als das 3:4 fiel. 1860 blickte in den Abgrund, entkam aber Dynamos Höllenhunden – weil Köllner seinen hungrigen Löwen Siegermentalität eingeimpft hat.

Bissiger Junglöwe: Leo
Morgalla mit DynamoHaudegen Kutschke.
Bissiger Junglöwe: Leo Morgalla mit DynamoHaudegen Kutschke. © sampics

Das gewohnt trockene Fazit von Lex: „Wir haben gegen die beste Kick-and-Rush-Mannschaft der Liga gespielt – mit den zwei Ochsen vorne drin. Mit einem 4:1 wären’s auch nicht mehr Punkte. Vier Tore in Dresden schießen ist gut, drei kassieren ist nicht so gut.“ Rieder drückte es so aus: „Hintenraus war es echt hart. Du machst das 4:1 und denkst: Das haben wir. Dann kommt der Schäffler. Dann auch noch das 4:3. Das hat Dresden auch bockstark gemacht. Aber du musst vor jedem bei uns den Hut ziehen: Jeder hat gekämpft, auch die Einwechselspieler. Morgen interessiert es keinen mehr, wie viel wir gespielt haben. Hauptsache drei Punkte.“

TSV 1860: Erst Toto-, dann DFB-Pokal

So sah das auch Köllner, der seine Startelf den körperlichen Erfordernissen dieses Topspiels angepasst hatte. Halbfitte Spieler wie Bär und Lannert verkniff er sich, Jungprofis wie Leandro Morgalla (rechts hinten) und Fynn „Laki“ Lakenmacher warfen sich mit unbekümmerter Lust in Zweikämpfe. „Wir haben eine sehr, sehr starke erste Hälfte gespielt, sehr kontrolliert“, kommentierte Köllner und meinte mit Blick auf die Schlussphase: „„Wenn dann Schäffler und Kutschke vorne stehen, wird’s schwer für uns. Wir wissen es richtig einzuordnen: Du schießt ein Tor – 50 Sekunden später klingelt es auf der anderen Seite. Ist uns passiert, ist Dynamo passiert. Da sieht man dann, dass wir noch ganz am Anfang einer langen Saison stehen.“

Und trotzdem: Auf diesem Start lässt sich aufbauen. Lex versprach, dass die Mannschaft den Sieg weder überbewerten noch über Gebühr feiern werde. „So viel Lustiges sollten wir jetzt nicht machen“, empfahl er: „Das können wir kurz genießen, aber am Dienstag geht’s schon weiter ...“ Totopokal beim SV Rödelmaier (18.30 Uhr) – ehe am Freitag der nächste Kracher ansteht. DFB-Pokal gegen Dortmund – dann in der Hölle von Giesing. (Uli Kellner)

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