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Marcel Bär: Aufstieg? Noch eine Torjägerkanone? Alles ist möglich!

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Von: Uli Kellner

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„Ich bin froh, wieder da zu sein – das ist das Wichtigste“: Marcel Bär strotzt wieder vor Tatendrang.
„Ich bin froh, wieder da zu sein – das ist das Wichtigste“: Marcel Bär strotzt wieder vor Tatendrang. © Sampics/Stefan Matzke

Marcel Bär ist wieder fit! Im tz-Interview spricht der 1860-Goalgetter über seine Verletzungspause, Vertragsgespräche und sportliche Ziele.

München – Beinahe wäre er gleich wieder der Held gewesen, doch an einem Tag, an dem Bayreuth sehr viel und den Löwen rein gar nichts gelang, landete natürlich auch der Kopfball von Marcel Bär beim Comeback neben dem Tor. Abgehakt. Mit einem Familienausflug auf die Zugspitze belohnte sich der Rückkehrer für entbehrungsreiche Wochen. Die wichtigste Nachricht ist eh, dass der Ende Juli gebrochene Mittelfuß hält und Bär, 30, wieder nach vorne schauen kann. Wir trafen den genesenen Torjäger zum Interview.

Marcel Bär, wie gut tut es, wenn man sich mal wieder ausgiebig über eine vergebene Torchance ärgern darf? Drei Monate lang hatten sie ja verletzungsbedingt andere Themen…

Bär: Das stimmt. Ich bin froh, wieder da zu sein – das ist das Wichtigste. Ich hab’s geschafft, in der Hinrunde noch mal auf dem Platz zu stehen – das war mein Ziel nach der Verletzung. So kann’s weitergehen.

Das Comeback auf dem Platz dürfte vor allem für den Kopf wichtig gewesen sein.

Bär: Ganz genau. Hätte ich die Hinrunde nicht mehr gepackt, wären es sieben Monate gewesen, bis ich wieder ein Spiel mache. Eine extrem lange Zeit. Als Sportler brauchst du einfach Ziele, gerade bei einer Verletzung. Du musst dann so etwas im Kopf haben, damit du dich mental nicht gehen lässt. Ich wollte einfach so schnell wie möglich wieder auf den Platz kommen.

Waren die drei Monate Ihre längste Verletzungspause bisher?

Bär: Ja, ich war noch nie schwerwiegend verletzt. Das war absolutes Neuland für mich. Mental vor allem, weil ich schon die komplette Sommerpause krank war. Das war anfangs schwer zu akzeptieren und absolut ungewohnt für mich. Die Zeit im Kraftraum war sehr, sehr hart. Jörg Mikoleit (der Athletiktrainer/Red.) schont einen nicht aber natürlich helfen auch diese Einheiten um schnell zurückzukommen. Am Ende haben mir aber alle Beteiligten Mut gemacht: Spieler, Staff, Fans, Verantwortliche im Verein. Dafür bin ich sehr dankbar.

Im Gespräch mit Sportredakteur Uli Kellner richtet Marcel Bär seinen Blick auf ehrgeizige Ziele.
Im Gespräch mit Sportredakteur Uli Kellner richtet Marcel Bär seinen Blick auf ehrgeizige Ziele. © Sampics/Stefan Matzke

Wie werden Sie das ausklingende Fußballjahr für sich verbuchen? Bleibt mehr die Torjägerkanone hängen oder das gesundheitliche Pech ab dem Sommer?

Bär: Als allererstes bleibt hängen, dass wir am Ende der letzten Saison auf Platz 4 gestanden sind. Dass ich die Kanone geholt habe, war mein persönliches Ziel – ein Highlight in meiner Karriere. Alles was danach kam, war schwierig, ist aber mittlerweile abgehakt. Ich hoffe, ich bleibe gesund und kann der Mannschaft punktuell helfen in den letzten drei Spielen.

Weil Sie ihre Reha in München gemacht haben, waren Sie auch bei jedem Heimspiel im Stadion. Wie war der Perspektivwechsel vom Spieler zum Beobachter auf der Tribüne?

Bär: Zunächst mal: Die Reha beim Verein zu machen, hat mir geholfen, die Bindung zur Mannschaft nicht zu verlieren. Ich kannte die Neuzugänge kaum, hatte nur wenige Trainingseinheiten mit ihnen. Ähnlich dann im Stadion: Ich war bei jedem Heimspiel dabei, konnte die Fans ein bisschen kennenlernen, das ganze Drumherum. Als Spieler kommst du zum Trainingsgelände, ziehst dich um, fährst ins Stadion. Jetzt war ich vor den Spielen auch rund ums Stadion unterwegs. Es war sehr interessant, das alles mal aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Positiv war wahrscheinlich auch, dass Sie während ihrer Zwangspause viel Zeit für Töchterchen Hanna-Valentina hatten, das Ende März auf die Welt kam…

Bär (lächelt): Das war in der Tat das Positivste an der Verletzung. Ich hatte viel Zeit zu Hause, konnte die Familienzeit genießen und auch mal was erledigen, sofern das mit meinem Spezialschuh oder den Krücken möglich war.

1860: Holt Bär wieder die Torjägerkanone? „Man soll sich ja im Leben kein Limit setzen, also warum nicht?“

Zurück zum Sport: Letzte Saison erzielten Sie Ihr drittes Saisontor am 14. Spieltag. Jetzt stehen Sie vor dem 15. Spieltag bei zwei. Noch alles drin oder?

Bär: (lacht) Ich fürchte, das kann man nicht so ganz vergleichen. Diesmal komme ich aus einer schweren Verletzung und muss erst mal wieder in den Spielmodus reinkommen. Trotzdem hoffe ich, dass ich an meine Leistungen in der letztjährigen Rückrunde anknüpfen kann.

Der Trainer hält es für möglich, dass Sie trotz Ihrer Verletzung erneut die Kanone holen… Sie auch?

Bär: Man soll sich ja im Leben kein Limit setzen, also warum nicht? Ich sag jetzt aber nicht: Ich muss sie wieder holen. Erst mal muss ich zusehen, dass ich zu meiner alten Form zurückfinde, dann können wir über andere Dinge reden. Die Kanone ist nicht das Wichtigste, sondern das, was wir als Verein erreichen wollen… Die Saison ist noch lang, und dann schauen wir mal.

Frage an den Tribünengast Cello Bär: Wie erklären Sie sich so unterschiedliche Auftritte wie gegen Ingolstadt (1:2) und Wiesbaden (3:1)?

Bär: Schwer zu sagen. Das ist einfach Fußball. Ich war ja immer im Stadion, immer auf dem Gelände… Ich fand schon, dass wir sehr gute Trainingswochen hatten. Schwer zu erklären, warum wir trotzdem Spiele drin hatten, in denen wir nicht ans unser Leistungsoptimum gekommen sind. Der Maßstab muss die Leistung gegen Wiesbaden sein. Das war schon sehr, sehr gut über 90 Minuten, fußballerisch unsere beste Leistung.

Das Gegenteil war dann in Bayreuth der Fall. Hat sich das in der Woche vorher irgendwie abgezeichnet?

Bär: Nein, überhaupt nicht. Ich fand die Trainingswoche richtig gut, konnte ja selber komplett mitwirken und hatte daher noch mal einen anderen Blick darauf. Die Rahmenbedingungen haben gepasst, es waren auch mehr 1860- als Bayreuth-Fans im Stadion. Von demher sind wir alle maßlos enttäuscht über dieses Ergebnis. So etwas darf uns nicht noch mal passieren.

1860 schielt auf die 2. Liga – Bär warnt: „Wir sind gut beraten, uns auf diese Liga zu konzentrieren“

Erfreulich ist nach wie vor der Punkteschnitt: 29 nach 14 Spielen. Gab es lange nicht bei 1860.

Bär:  Ja, die Ausgangsposition ist eine ganz andere als in den letzten Jahren, wo man immer hinterherhecheln musste. Einmal hab ich’s ja selber miterlebt. Das ist ein enormer Kraftakt, immer den Punkten hinterherzulaufen. Aktuell ist es ein Über-Zwei-Punkte-Schnitt – das ist aufstiegsreif. Wir spielen eine richtig gute Runde.

Zuletzt kamen viele Aufsteiger oben nicht zurecht. Sie als Ex-Zweitligaspieler können es beurteilen: Wie viel 2. Liga steckt schon im aktuellen Kader?

Bär: Schwer zu sagen. Ich denke, wir sind gut beraten, uns auf diese Liga zu konzentrieren. Es ist noch ein langer Weg bis zur 2. Liga. Wir dürfen uns keine Ausrutscher erlauben wie in Bayreuth. Wenn man gegen den Tabellenletzten verliert, braucht man sich erst mal nicht über höhere Ligen unterhalten.

Am Ende der Hinrunde trennt sich in den Ligen so langsam die Spreu vom Weizen. Mit welchen Teams rechnen Sie bis zum Schluss im Aufstiegsrennen?

Bär: Da gibt es einige Mannschaften! Die 3. Liga ist so eng… Es zeichnet sich ab, dass Elversberg einen richtig guten Ball spielt. Die sind sehr konstant und holen jede Woche ihre Punkte. Dazu hast du Wiesbaden und ein paar andere Teams. Und ja, wir werden wahrscheinlich hoffentlich auch oben dabei sein.

„Meine Berateragentur und der Verein sind in einem guten Austausch. Wir führen Gespräche. Sieht alles sehr positiv aus.“

Marcelo Bär über Vertragsgespräche mit dem TSV 1860 München.

Am Ende dieser Saison läuft Ihr Vertrag aus. Vermutlich gab es während Ihrer Verletzungspause erste Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit?

Bär: Ja, genau. Meine Berateragentur und der Verein sind in einem guten Austausch. Wir führen Gespräche. Sieht alles sehr positiv aus. Konkreter wurde es aber noch nicht. Ich will mich erst mal darauf konzentrieren, fit zu werden. Alles andere kommt dann.

Sie haben ja stets betont, dass Sie mit Ihrer Familie die Zukunft in Braunschweig sehen. Wie sehr eilt es mit der Rückkehr in den Norden?

Bär: Wie gesagt: Ich bin für alles offen – der Verein ist es auch. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Marcel Bär über Leandro Morgalla: „Der Junge wird auf jeden Fall nicht in der 3. Liga bleiben“

Empfinden Sie es als Signal zum Aufbruch, dass 1860 ein Talent wie Leandro Morgalla langfristig binden konnte?

Bär: Erst mal muss man sagen, dass der Junge bisher einen richtig guten Job macht – und der Verein auch. Es ist richtig stark von der Geschäftsführung, dass sie es hinbekommen haben, dass der Leo hier verlängert. Das ist ganz wichtig, Jetzt muss er dranbleiben, sich keinen Kopf machen über andere Dinge. Der Junge wird auf jeden Fall nicht in der 3. Liga bleiben.

Am Sonntag steht ein Spitzenspiel an. Im 1. FC Saarbrücken kommt ein Gegner nach Giesing, gegen den es letzte Saison zwei Unentschieden gab, im Jahr davor zwei Niederlagen. Was erwarten Sie sich am Sonntag?

Bär: Ich bin der Meinung, dass wir als Sechzig jedes Heimspiel gewinnen sollen und wollen. Das ist unser Anspruch – egal wer kommt. Es wird ein enges Spiel, aber ich hoffe auf drei Punkte.

Erstmals seit dem Auftaktspiel in Dresden sind alle vier Stürmer fit. Sind Sie schon ein Kandidat für die Startelf?

Bär: Ich hatte mich ja schon für Bayreuth fitgemeldet, bin auch diese Woche fit. Das muss der Trainer entscheiden. Wenn es für einen Startelfeinsatz reicht, freue ich mich natürlich.

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