Legende von 1860 und Haching

„Traurige Geschichte“: Meister-Löwe verkraftet Berzel-Weggang nicht - und fordert Reform der Dritten Liga

Kritischer Geist: Peter Grosser (Aufnahme von 2015) kennt 1860 München und Haching
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Kritischer Geist: Peter Grosser (Aufnahme von 2015) kennt 1860 München und Haching.

Mit dem TSV 1860 wurde Peter Grosser einst Deutscher Meister. Mit uns sprach er über die Perspektiven von 1860 München - und seiner zweiten Liebe Unterhaching.

  • Mit dem TSV 1860 München durfte Peter Grosser einst die Deutsche Meisterschaft feiern.
  • Später war der Meister-Löwe auch für den Lokalrivalen SpVgg Unterhaching tätig.
  • Wir haben uns mit ihm über die aktuelle Situation bei seinen ehemaligen Vereinen unterhalten.

München - Mit dem TSV 1860 wurde er 1966 Deutscher Meister, die SpVgg Unterhaching prägte er von 1977 mit dreijähriger Unterbrechung bis 2011 als Trainer und Vizepräsident: Peter Grosser (81) ist eine Ikone sowohl der Löwen als auch der Hachinger. Wie er seine beiden Ex-Klubs vor dem Start in die Saisonvorbereitung sieht, verrät der Münchner im Interview mit der tz.

TSV 1860 und eine „traurige Geschichte“ - Berzel-Transfer verkraftet Löwen-Legende kaum

Herr Grosser, Sie waren zwischenzeitlich sehr optimistisch, was die Aufstiegschancen der Löwen angeht. Wie enttäuscht sind Sie über das Ende auf Platz acht?
Peter Grosser: Die Enttäuschung hat sich inzwischen gelegt. Unterm Strich ist die Saison nach dem schwierigen Start gut gelaufen, auch wenn es am Ende nicht zum großen Wurf gereicht hat. Jetzt warte ich auf positive Signale für die Zukunft.
Die Insolvenz hat Hasan Ismaik mit seinem Sicherheitsdarlehen über sechs Millionen Euro abgewendet.
Grosser: Die wird er immer verhindern, um sein Investment zu sichern, aber das ist nur die Basis. Was fehlt, ist eine tragfähige Lösung für die Zukunft, für den Sportetat, damit der Verein weiterhin nach oben schauen kann. Es muss doch im Interesse aller Beteiligten sein, dass da was vorwärtsgeht. Aber da sage ich nichts Neues…
Wie groß ist Ihre Sorge, dass die Mannschaft abrutschen könnte?
Grosser: Es ist eine traurige Geschichte, dass mit Aaron Berzel einer der Besten und Willigsten zu Aufsteiger Türkgücü gegangen ist. Ein gewisses Gerüst braucht auch Michael Köllner, um die aufgerückten Talente weiterzuentwickeln. Vom Trainer halte ich sehr viel. Er muss jetzt mit dem Sportchef eine funktionsfähige Mannschaft zusammenbekommen, die sich in der neuen Saison behaupten kann. Gleich wieder vom Aufstieg zu sprechen, wäre vermessen.

Stürmer Nico Karger hat beim TSV 1860 ebenfalls keine Zukunft mehr: Der Oberfranke ist jetzt ein Ex-Löwe. Das passt einem anderen Ex-Löwen sehr gut.

TSV 1860: Meister-Löwe fordert - „Dritte Liga unters Dach der DFL stellen“

Unterhaching war vor der Corona-Unterbrechung als Tabellen-Dritter noch näher dran am Aufstieg. Was sagen Sie zur personellen Neuausrichtung?
Grosser: Es ist Zeit geworden, was zu verändern, das wusste auch Claus Schromm. Dass die Mannschaft nicht mehr an ihre Grenzen gegangen ist, war offensichtlich, so kannst du in der Liga nicht bestehen, das war ärgerlich – und ist nicht zum ersten Mal passiert. Ich bin gespannt, wer den Zuschlag als neuer Trainer bekommen wird. Was ich auch sagen muss: Die Art und Weise, wie der Manni Schwabl das zusammen mit Claus Schromm geregelt und kommuniziert hat, sucht ihresgleichen. Das hatte Stil, da ziehe ich den Hut. So was gibt es heutzutage nur noch sehr selten im Profifußball.
Schwabl fordert vom DFB eine Aufstockung des Nachwuchsfördertopfes von drei auf 30 Millionen Euro. Der richtige Ansatz?
Grosser: Auf alle Fälle ist das der richtige Ansatz! Die Nachwuchsförderung kommt viel zu kurz, da wird oft nur geredet statt gehandelt. Aber diese Aufstockung kann nur eine Säule sein. Die Dritte Liga muss mehr Anteile am Fernsehgeld bekommen, da hat der DFB in der Vergangenheit schlecht verhandelt. Ein Zehntel der Zweiten Liga – das kann gerade in der Corona-Zeit ohne Zuschauereinnahmen nicht mehr lange gut gehen. Am sinnvollsten wäre es, die Dritte Liga unters Dach der DFL zu stellen. Anders wirst du nie eine vernünftige Balance bekommen.

Interview: Ludwig Krammer

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