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1860-Coach Köllner: Aufstieg ohne Neuzugang in Gefahr – „und am Ende hat’s der Trainer verbockt“

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Von: Uli Kellner

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Michael Köllner und Sportchef Günther Gorenzel hatten in Belek einige Themen zu besprechen.
Michael Köllner und Sportchef Günther Gorenzel hatten in Belek einige Themen zu besprechen. © sampics / Stefan Matzke

Löwen-Trainer Michael Köllner fordert endlich Verstärkungen für den TSV 1860. Sonst sieht er den anvisierten Zweitliga-Aufstieg der Münchner in Gefahr.

München - Zum Abschied aus Belek gab es noch ein paar warme Worte für die Reisegruppe aus München. „Sechzig viel Glück!“, wünschte das Bodenpersonal, ehe der Löwen-Tross den Flieger Richtung Heimat bestieg: „Hoffentlich Meister werden. Besser als Bayern.“ Dazu setzte der SunExpress-Mitarbeiter sein freundlichstes Lächeln auf.

Nicht ganz so freundlich war das Gesicht von Michael Köllner, als er eine Stunde zuvor die letzte Medienrunde des siebentägigen Türkei-Trainingslagers abhielt. Zwar bestärkte ihn der Blick aus dem Fenster in der Wahl des Winterdomizils: „Wir hatten jeden Tag Sonne, ab heute regnet es stark – wir haben genau den richtigen Zeitpunkt erwischt.“ Im Verlauf des Gesprächs wurde aber klar: Köllner hat einen Hals.

„Und am Ende heißt’s dann, der Trainer hat’s verbockt, wenn wir wieder nur Vierter werden.“

Michael Köllner über die Hängepartie um Raphael Holzhauser.

Es brodelt in ihm – nicht wegen seiner vorhandenen Spieler, die toll mitgezogen hätten. Sondern weil einer nicht da war: „Mister X“ für die Position 8, von dem Köllner offenbar das Gelingen seiner Aufstiegsmission abhängig macht. Er sagte: „Und am Ende heißt’s dann, der Trainer hat’s verbockt, wenn wir wieder nur Vierter werden.“

Das ließ auf tiefsitzenden Frust schließen – und tatsächlich: Je länger Köllner redete, desto verbitterter klang er. Akut geht es um Raphael Holzhauser, den er gerne in das bestehende Team eingebaut hätte. Zuvor hatten sich die Löwen um Lukas Rupp bemüht, ebenso erfolglos.

TSV 1860 München: Trainer Michael Köllner macht wegen Wunschspieler Druck

Zur Hängepartie um Holzhauser sagte er: „Mir ist kein neuer Stand bekannt. Wir wollten im Sommer einen Achter verpflichten, haben das dann auf Winter geschoben. Jetzt haben wir Winter – und der Achter ist immer noch nicht da. Ich finde: Wenn du deine Kaderaufgaben nicht erfüllt hast, ist es weit hergeholt, uns als sicheren Aufsteiger einzustufen.“ Sportchef Günther Gorenzel, der vor Köllner das Flugzeug bestieg, durfte sich angesprochen fühlen.

Wobei Köllner es vermied, die Rolle des Sündenbocks zu vergeben. Lieber wies er noch einmal darauf hin, dass der „Handlungsbedarf“ auf der 8er-Position frühzeitig identifiziert worden sei. „Wir haben eine gute Mannschaft, keine Frage. Unser Spiel funktioniert über das Jahr hinweg, sonst hätten wir 2022 nicht die meisten Punkte geholt. Ab einem bestimmten Punkt kommt aber obendrauf die Qualität der Spieler.“ Kurzum: „Im Mittelfeld haben wir ein Leader-Vakuum und sind auf einer entscheidenden Position dünn besetzt.“

„Am Ende fehlt uns ein Qualitätsspieler. Kohle ist angeblich da, beide Gesellschafter sagen: Wir können den Transfer machen. Aber wir bringen den Spieler nicht her, aus welchen Gründen auch immer.“

Michael Köllner

Die Konsequenz, die sich für Köllner daraus ergibt: Er sieht sich gezwungen, weiter zu improvisieren. Marius Wörl sei ein 18-jähriges Talent, „dem wir nun die Verantwortung auf die Schultern legen“, Martin Kobylanski ein gelernter Zehner, bei dem die Fitnessfrage aber „noch nicht zu 100 Prozent geklärt sei“. Das System den Spielern anzupassen – keine Option für Köllner, wie er auf Nachfrage betonte.

TSV 1860 München: Trainer Michael Köllner fehlt im Kader „ein Qualitätsspieler“

Nicht näher ging er auf die Ursache für Kobylanskis Fitnessproblem ein, eigentlich ein Trainerthema. Und Erik Tallig ist für Köllner inzwischen eher ein Flügelspieler (zu dem er den zentralen Mittelfeldspieler selber gemacht hat). Für den Coach steht fest: „Am Ende fehlt uns ein Qualitätsspieler. Kohle ist angeblich da, beide Gesellschafter sagen: Wir können den Transfer machen. Aber wir bringen den Spieler nicht her, aus welchen Gründen auch immer.“

Klingt, als hätte Köllner bereits die Hoffnung aufgegeben, dass die Löwen noch etwas reißen können. „Wenn du im Fußball hoffen musst, ist es schlecht“, grummelt er: „Natürlich kann man sagen: Okay, das betreiben wir weiter so bis zum Sommer. Dann sage ich aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter den ersten drei Teams dabei sind, ist deutlich geringer.“ (Uli Kellner)

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