Der blaue Aufstiegstraum lebt

Verl zu zehnt besser als elf Löwen? Neudecker: „Egal, wir haben die Punkte...“

Sascha Mölders jubelt emotional.
+
Geballter Siegeswille: 1860-Kapitän Sascha Mölders erzielte gegen Verl seine Saisontreffer 19 und 20.

Wenn drei Konkurrenten kriseln, freuen sich die Löwen... Dresden und Rostock verlieren, auch Ingolstadt büßt Punkte ein. Nicht so die Löwen, die beim 3:2 gegen Verl viel Siegeswille hatten und das nötige Spielglück. Vor zwei Wochen waren die Aufstiegsplätze bestenfalls mit dem Fernrohr sichtbar - jetzt biegen Mölders und Co. mit besten Chancen auf die Zielgerade ein.

Sascha Mölders haute mit beiden Fäusten auf den sandigen Rasen, sein Blick ging nach rechts, wo auch Fabian Greilinger ungläubig die Hände vors Gesicht schlug. Hatte der Toptorjäger der 3. Liga gerade tatsächlich den finalen Konter zur Vorentscheidung am leeren Tor vorbeigesetzt? Drei Minuten später war die Szene noch immer ein Thema beim Mittelkreis-Talk zwischen dem Löwen-Kapitän und seinem verhinderten Assist-Geber, doch da das 3:2 auf der Anzeigetafel über dem Tor des SC Verl nun amtlich war, überwog eine Stimmung, die Michael Köllner so beschrieb: „Wenn man bei 1860 München als Trainer antritt, dann weiß man, dass man die Blüte seines Lebens nicht bis zum letzten Tag hier durchbringt.“ Am Samstag musste Köllner länger leider als ihm lieb war. Aber, sagte er milde: „Dafür sind die Siege dann umso schöner.“

Verl wehrhaft wie ein frisch geangelter Waller

3:2 statt 4:2 hieß es also am Ende gegen einen Aufsteiger, der sich wehrte wie ein Waller, der dem K.o.-Schlag des Anglers mit nicht enden wollender Lebensenergie ausweicht. Der Liganeuling aus dem 25 000-Seelen-Dorf südlich von Bielefeld – er kämpfte und zappelte einfach immer weiter. Ungerührt nach dem Mölders-Doppelschlag (15, 19.), mit dem die Löwen auf die frühe Verler Führung antworteten (Justin Eilers, 2.). Unbeeindruckt auch nach der Gelb-Roten Karte gegen Daniel Mikic (51.), der die Gäste trotz eines vorangegangen Pfostentreffers das 2:2 folgen ließen (Yildirim, 57.). Die spielstarken Ostwestfalen gaben nicht mal auf, als sich das Schicksal endgültig auf die Seite der Hausherren schlug und dem „Kampfzwerg“ Richard Neudecker (Selbstbeschreibung) einen der seltenen Kopfballtreffer seiner Karriere ermöglichte (65.). Maßflanke wie vor dem 2:2: Phillipp Steinhart.

Glückwunsch, Kopfballungeheuer: Stefan Lex und Sascha Mölders feiern den Siegtorschützen Richard Neudecker.

„Steini hat mich einfach angeschossen, ich konnte ja gar nicht weg“, scherzte der Siegtorschütze, der die letzten 20 Minuten auf der Bank mitzitterte. „Ich bin relativ früh rausgegangen, weil ich tot war“, sagte Neudecker bei Magenta und beschrieb mit erfrischender Ehrlichkeit die packende Schlussphase: „Ich glaub, das ganze Stadion hat mich gehört. Ich bin durchgedreht, denn man muss ehrlich zugeben: Die waren mit zehn Leuten besser als wir mit elf. Die haben uns leider heute hergespielt, aber das ist am Ende egal, weil wir die drei Punkte mitgenommen haben.“

Ich glaube, das Momentum erarbeitest du dir, das kriegst du nicht geschenkt.

1860-Trainer Michael Köllner.

Noch süßer schmeckte der Sieg am Ende, nachdem die Ergebnisse der Konkurrenz die Runde machten. Rostock 0:2 gegen Magdeburg. Ingolstadt 2:2 gegen Bayern II. Vor zwei Wochen war der Aufstieg noch ein ferner Traum, zehn bzw. neun Punkte entfernt. Jetzt sind es nur noch vier Punkte auf die Plätze zwei und drei, fünf auf die von Haching gestutzten Dresdner – plötzlich ist alles wieder möglich. „Ich glaube, das Momentum erarbeitest du dir, das kriegst du nicht geschenkt“, philosophierte Köllner: „Die Spieler ackern in jedem Training, es war ein hart erkämpfter Sieg. Wir haben heute einen guten Plan gehabt, wie wir das Angriffspressing des Gegners umspielen. So muss die Mannschaft weitermachen. Ich hoffe, dass sie das Momentum auch in den nächsten Wochen auf ihre Seite zieht.“

Leichter wird das Programm nicht, weder für die Aufstiegsrivalen noch für Köllners Löwen, die es am Samstag mit Türkgücü zu tun bekommen – an einem Ort, der für bessere Zeiten steht, für die 2004 jäh beendete Bundesliga-Ära der Sechziger. „Wir hoffen, dass wir auch im Olympiastadion punkten können“, sagte Köllner: „Es ist ein extrem wichtiges Spiel für uns.“ Damit der blaue Aufstiegstraum weiterlebt.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare