TSV 1860: Verlaat siebter Neuzugang

Reisinger: „Köllner wollte eine Perspektive - jetzt hat er eine“

1860-Präsident Robert Reisinger steht neben Trainer Michael Köllner.
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Die Neuzugänge sind ja - jetzt ist der Trainer gefordert: 1860-Präsident Robert Reisinger, Coach Michael Köllner (r.).

Transfermeister TSV 1860. Für TV-Experte Rudi Bommer ist die Verlaat-Verpflichtung ein „Signal“, der Präsident kontert spitz eine Bemerkung des Trainers...

Jesper Verlaat, 25, ist da! Die Löwen haben die Schlüsselpersonalie für die Abwehr bestätigt. Vertrag bis 2024, klare Aufstiegsperspektive (zu der er selber beiträgt). Der umworbene Mannheimer hörte bei seiner Zusage auf sein Bauchgefühl.

In Dresden hätte Verlaat mehr verdienen können, in München-Giesing wurde ihm das Gefühl vermittelt, gebraucht zu werden. Als Abwehrautorität – und als verlängerter Arm des Trainers. Ein Treffen mit dem ebenfalls kurzbehosten Michael Köllner soll dem Holländer, Typ Surferboy, den letzten Kick gegeben haben. „Es ist mir eine Ehre, jetzt ein Löwe zu sein“, teilte er mit: „Ich werde alles tun, um sowohl den Erwartungen der vielen Fans als auch dem Anspruch, den ich an mich selbst habe, gerecht zu werden.“

Es ist ein Transfer, der in der 3. Liga für Aufsehen sorgt. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Magenta-Experte Rudi Bommer, der zu seiner Zeit als 1860-Trainer (zweites Halbjahr 2004) keine so reibungslose Transferphase erlebt hatte. Bommer, 64, hat eine klare Meinung zu den sieben Neuzugängen, die die Löwen im Zeitraum von gerade mal 15 Tagen an Land gezogen haben: „Das ist ein klares Signal, dass man wieder angreifen möchte. Erfreulich, dass sie so früh dran sind. Gefühlt ging das jetzt ruckzuck. Früher lief das ja doch ein klein bisschen schleppender. Sie scheinen aus ihren Fehlern gelernt zu haben.“

Schlüsselpersonalie für die Abwehr: Sportchef Günther Gorenzel mit Jesper Verlaat, dem siebten 1860-Zugang.

Sind die Löwen somit als Aufstiegsanwärter gesetzt? Bommer sieht die Löwen für die Unwägbarkeiten einer langen Saison zumindest besser gerüstet: Mehr Konkurrenzkampf, alle Positionen doppelt besetzt, eine gesunde Mischung aus jung/alt, etabliert/neu, offensiv/defensiv. „Alles ist jetzt gut bestückt“, findet Bommer: „Sie haben was für vorne geholt, für die Abwehr, fürs Zentrum, für die Außenbahn und für die Bank. Wenn jetzt mal ein Leistungsträger durchhängt, was immer mal vorkommen wird, dann kannst du einfach viel besser reagieren.“

Alles ist jetzt gut bestückt. Sie haben was für vorne geholt, für die Abwehr, fürs Zentrum, für die Außenbahn und für die Bank. Wenn jetzt mal ein Leistungsträger durchhängt, was immer mal vorkommen wird, dann kannst du einfach viel besser reagieren.

MagentaSport-Experte Rudi Bommer zur Transferpolitik der Löwen.

Robert Reisinger, der Präsident, möchte den ambitionierten Kaderumbau nicht ganz so hoch hängen. Von einer „normalen Fluktuation“ spricht Reisinger auf Nachfrage von merkur.de und tz.de: „Wenn du feststellst, dass du deine Ziele mit den vorhandenen Spielern nicht erreichst, ist es doch normal, dass du nach neuen Spielern Ausschau hältst.“ Gefolgt von einer kleinen Spitze gegen den Cheftrainer, der laut und ausdauernd Veränderungen eingefordert hatte: „Ich denke, Herr Köllner wollte eine Perspektive haben – die hat er jetzt bekommen.“

Köllners Wunsch-Co-Trainer steht noch unter Vertrag - bei einem Bundesligisten

Wobei nicht mal gesagt ist, dass die Kaderplanung damit abgeschlossen ist. Denkbar ist, dass noch ein Mittelfeldspieler kommt. Gesucht wird zudem ein Co-Trainer. Köllner hat einen Wunschkandidaten im Auge, der aber noch bei einem Bundesligisten (!) in Lohn und Brot steht, im NLZ-Bereich. Claus Schromm (FC Augsburg), das steht fest, ist es nicht. Sicher auch: Merv Biankadi muss zurück nach Heidenheim, das einen sechsstelligen Betrag für den bisher ausgeliehenen Stürmer aufruft. Und: Richard Neudecker, so gerne er jetzt bleiben würde, hat es offenbar verpasst, sich mit angepasstem Gehalt und Vertragsverlängerung zum Aufstiegsprojekt seiner Löwen zu bekennen.

Für maßlose Traumgehälter waren wir mal bekannt. Jetzt sind wir’s nimmer.

Löwen-Präsident Robert Reisinger.

Stolz klingt Reisinger, wenn er betont, dass der Fünf-Millionen-Etat für den Kaderumbau nicht gesprengt wurde, im Gegenteil: Das Geld werde nun gezielter eingesetzt – mit einer Gehaltsobergrenze, die sich aus dem Budget ergebe. „Für maßlose Traumgehälter waren wir mal bekannt“, sagt Reisinger: „Jetzt sind wir’s nimmer.“

Vernünftig: Kein Profi aus dem neuen Kader wird mehr verdienen als der Spitzenverdiener der zurückliegenden Saison – sogar „deutlich weniger“, wie Reisinger betont. Dafür setzen die Löwen stärker denn je auf so genannte weiche Faktoren: Auf die Anziehungskraft der Stadt, die elektrisierende Stimmung in einem stets ausverkauften Grünwalder Stadion – und zur Not auf den Menschenfänger Köllner, der in kurzen Hosen auch bei einem umworbenen Abwehr-Sunnyboy letzte Zweifel beseitigt.

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