„Als wären wir aufgestiegen...“

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Ewald Lienen geht die Euphorie bei den Löwen etwas zu weit.

München - Als die Löwen nach dem Spiel das Stadion an der Grünwalder Straße unter frenetischem Beifall der Fans verließen und in den Bus stiegen, fragte ein angesichts des ganzen Remmidemmis doch etwas verwunderter Beobachter: „Und jetzt? Wo geht’s jetzt hin? Gleich auf den Marienplatz und auf den Rathausbalkon?“.

Drei Zutaten genügten, um die Löwen-Fans (7159 waren gekommen) ausflippen zu lassen: Sechz’ger-Stadion, ein herrlicher Sommerabend und ein Sieg. Auch Ewald Lienen war ziemlich baff, was der 1:0-Erfolg im Testspiel gegen Real Mallorca für Emotionen auslöste. „Das hat sich ja angefühlt, als ob wir gerade den Aufstieg in die erste Liga geschafft hätten“, staunte der Löwen-Coach, „mir wäre schon lieber, die Fans würden die Kirche im Dorf lassen.“

Bilder vom Spiel gegen Mallorca

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Keine Chance. Das bekam ­Lienen bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff zu spüren, als auch er nicht drum rum kam, die Huldigungen der Anhängerschar vor der Gegengerade entgegenzunehmen. „Auf die Knie, auf die Knie!“, forderten die Fans, und der Trainer folgte ihnen ebenso brav wie sämtliche Spieler. Dabei war Lienen eine Stunde zuvor noch alles andere als zum Feiern zumute gewesen.

„Was wir in der ersten Halbzeit geboten haben, das hatte mit Fußball nix zu tun“, moserte der 55-Jährige, „das war einfach nur fürchterlich anzusehen. Aber wenigstens haben wir einigermaßen gut verteidigt.“ Nach der Pause war Lienen aber auch mit dem einverstanden, was von seiner Mannschaft im Spiel nach vorn angeboten wurde. „Da haben wir dann auch Fußball gespielt“, sagte er, „aber man darf dabei nicht vergessen, dass Mallorca ja auch mit dicken Beinen aus dem Wald gekommen ist.“

Der Giesinger Heimatabend aus Sicht der Fans

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Soll heißen, dass die Spanier, bei denen die Saison erst später beginnt, noch am Anfang der Vorbereitung stehen und daher immer müder wurden. Allerdings brachten bei den Löwen auch zwei Einwechselspieler mächtig Leben in die Bude. Zum einen Ardijan Djokaj , der mit einer herrlichen Flanke das Tor des Abends durch Benny Lauths Kopfball perfekt vorbereitete und noch etliche andere gute Szenen hatte. Djokaj (hat wegen seiner langen Verletzungspause ohnehin noch keine Kraft für 90 Minuten) scheint der ideale Joker zu sein.

„Logisch“, stimmte Lienen zu, „da passt ja allein schon der Name. Dschokaj, der Dschoker…“ Der andere, der nach der Pause immer wieder frenetischen Beifall verbuchen konnte, war Sandro Kaiser. Das 19-jährige Eigengewächs trickste und zauberte auf dem rechten Flügel in einer Art und Weise, die Lienen vor dem Pokalspiel am Samstag in Paderborn noch gehörig ins Grübeln bringen könnte.

Bisher schien Neuzugang Charilaos Pappas auf dem rechten Flügel gesetzt zu sein. Seit Samstag möglicherweise nicht mehr.

Claudius Mayer

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