Bitter für Bender – Lars ist nur noch dritte Wahl

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Lars Bender (l.) ist momentan nur noch dritte Wahl.

Ewald Lienen überlegte lange hin und her, dann war sich der Löwen-Coach sicher: „Nein, ich war wohl noch nie im Stadion an der Grünwalder Straße.“

Er fügte hinzu: „Wenn ich mit Gladbach oder Bielefeld in München ein Spiel gegen 1860 hatte, dann fand das immer im Olympiastadion statt. Und als Trainer bin ich im Grünwalder auch nie gewesen.“

Einmal entging er diesem Genuss nur um Haaresbreite. Am 1. November 1994 wurde Lienen als Trainer des MSV Duisburg entlassen, fünf Tage später nahm sein Nachfolger Hannes Bongartz beim Auswärtsspiel in Giesing auf der Bank Platz.

Am Samstag dürfte ­Lienens Premiere im Sechzger beim Testspiel gegen Real Mallorca (19 Uhr) aber nichts mehr im Wege stehen. Eine Entlassung im Laufe des Tages erscheint ausgeschlossen, und am Freitag erweckte er auch nicht den Eindruck, als könnte ihm eine Erkrankung in die Quere kommen.

Neben ihm auf der Bank sitzt jemand, der damit nicht unbedingt gerechnet hatte: Lars Bender. Der U 19-Europameister muss im defensiven Mittelfeld den Neuzugängen Florin Lovin und Aleksandar Ignjovski den Vortritt lassen. Was gegen Mallorca noch zu verschmerzen wäre, aber da die Partie sozusagen als Testlauf für das Pokalspiel in einer Woche beim SC Paderborn gilt, sieht’s für Bender derzeit in Sachen Stammelf nicht besonders lustig aus.

Die Löwen auf Stürmersuche

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Auch wenn Lienen sagt: „Von Lars weiß ich ja, was er kann. Lovin allerdings muss Gelegenheit bekommen, sich bei uns einzuspielen und die anderen Kollegen kennenzulernen. Im Training spielte er ab und zu noch einen Steilpass auf einen Spieler, der dafür einfach zu langsam ist. Und ­Ignjowski wird auch nicht in jedem Spiel dabei sein. Ich bin froh, dass ich in diesem Bereich solch vollwertige Alternativen besitze.“

Was der Trainer vom Angriff noch nicht behaupten kann. „Wir müssen uns im Offensivspiel noch verbessern“, fordert Lienen, „so überragend war das bisher nämlich noch nicht. Wir müssen uns einfach mehr Torchancen herausarbeiten.“

Aus diesem Grund sind die Löwen auch nach wie vor auf Stürmersuche, möglicherweise ist nach der Absage des Franzosen Nicolas Fauvergue der Kölner Manasseh Ishiaku ein Thema an der Grünwalder Straße. Ansonsten allerdings ist Lienen mit dem bisher Erreichten zufrieden: „Besonders in der Defensive.“ Dass es im Ernstfall durchaus anders aussehen kann, ist ihm allerdings bewusst. Und er zitierte dazu gestern den französischen Philosophen Jean-Paul Sartre: „Der hat mal gesagt: Durch die Anwesenheit des Gegners verkompliziert sich im Fußball alles.“

Diese Löwen verließen den Verein in jungen Jahren

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Deshalb kann Lienen auch wenig mit dem modern gewordenen Ausdruck „Konzeptfußball“ anfangen: „Was ist das? Dass ich den Ball von A nach B und dann nach C spiele., Das wollen doch so viele Leute auf dem Platz verhindern …“

Aber er hat Vertrauen in seine Mannschaft und sagt: „Ich hatte selten ein Team, bei dem ich gespürt habe, dass alle so gut miteinander umgehen. Es ist mit die harmonischste Atmosphäre, die ich bisher erlebt habe.“ Heißt das auch, dass die Hierarchie innerhalb der Mannschaft in Ordnung ist? Lienen lächelt: „Ach, die ­Hierarchie. Ich bin der Boss, dann kommen die anderen. Das ist doch genug an Hierarchie, oder …?“

Claudius Mayer

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