Die Serie zum 75. Geburtstag von Petar Radenkovic

Meisterhafter Zoff mit Merkel

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Sternstunde: Petar Radenkovic mit der Meisterschale 1966

München - Sommer 1965. Die Bundesliga blickt voller Neid auf das Mannschaftsfoto des TSV 1860. Sechs deutsche A-Nationalstürmer sind darauf abgebildet: Brunnenmeier, Heiß, Grosser, Küppers, Rebele und Konietzka, der Zugang aus Dortmund.

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Die Löwen werden Meister – das war jedem Sechzger-Fan klar. Die Stimmung im Grünwalder war dementsprechend ausgelassen. Selbst bei den Beschäftigten. Einen Getränkeverkäufer gab es, der immer „Biieercoolaahaaschiisch“ brüllte, wenn er seine Ware anpries. Petar Radenkovic stellte sich schon mal auf eine berauschende und für ihn relativ beschäftigungslose Saison ein. Was sollte er im Löwen-Tor angesichts dieser offensiven Qualität schon groß zu tun bekommen?

Und der TSV 1860 wurde seiner Favoritenrolle mehr als gerecht. Nach Abschluss der Vorrunde hatten die Blauen 14 Siege, zwei Unentschieden und nur eine Niederlage auf dem Konto. Nach heutiger Arithmetik wären das sagenhafte 44 Punkte zur Halbzeit gewesen. In der Rückrunde flutschte es dann nicht mehr so, vor allem, weil es zwischen dem Team und Trainer Max Merkel zu kriseln begann. Nach dem 0:4 im Pokal in Bremen pöbelte der Wiener: „Wia Ochsn ham’s gschpuit!“

Trotzdem: Die Star-Truppe und ihr Star-Trainer rauften sich zusammen. Schließlich stand der Gewinn der ersten Meisterschaft auf dem Spiel. Am vorletzten Spieltag kam’s zum Showdown in Dortmund. Mit jeweils 47 Punkten lagen beide Klubs gleichauf an der Spitze. Ein echtes Finale. Mit dem Sieger 1860. Brunnenmeier und Grosser schossen die Tore zum 2:0, der „Radi“ hielt mal wieder großartig, und die Meisterschaft war so gut wie entschieden.

Am letzten Spieltag reichte ein 1:1 zu Hause gegen den HSV, um die Schale in Empfang nehmen zu dürfen. Beim anschließenden Rathausempfang lobte OB Vogel den Löwen-Keeper nochmal besonders wegen einer grandiosen Fußabwehr im Dortmund-Spiel. Woraufhin der „Radi“ schelmisch antwortete: „Ja wissen Sie, Herr Bürgermeister. Müssen wir Gastarbeiter eben arbeiten mit Händen und Füßen.“ Aber leider: Ab diesem 28. Mai 1966 ging’s bergab. Schon zu Beginn der neuen Saison gab’s wieder Zoff zwischen Radi und Merkel, weil dieser den Ex- Nationaltorhüter Wolfgang Fahrian als Nummer 1 verpflichtet hatte. Zwar kämpfte sich der Radi in die Startelf zurück, doch seine Form hatte gelitten.

Was aus diesen Löwen wurde

Strecke

Was sich auch im Europacup gegen Real Madrid nachteilig auswirkte. Beim 1:3 in Spanien ließ er einen Kullerball ins Tor – die Löwen schieden aus. Ein paar Tage später hätte sich Radi mit Max Merkel auf dem Trainingsplatz fast geprügelt. Auge in Auge standen sich beide gegenüber, warfen sich Freundlichkeiten an den Kopf. Merkel nahm die Brille ab und fragte: „Wos is? Mogst herhau’n?“ Die Spieler stimmten schließlich mit 14:3 für Merkels Entlassung, Präsident Adalbert Wetzel nickte schweren Herzens ab. Angesichts all dieser Querelen vermasselten die Löwen die Titelverteidigung und ließen völlig unnötig Eintracht Braunschweig den Vortritt. In den Spielzeiten danach ging der Verfall weiter. Ein Meisterspieler nach dem anderen verließ 1860, nur der Radi, Wagner, Zeiser und Perusic sowie die später noch mal reaktivierten Heiß und Kohlars erlebten den Abstieg 1970 hautnah mit.

Am 3. Mai stand Peter Radenkovic zum letzten Mal im Löwentor. Nach dem 0:0 gegen Essen trugen ihn die Anhänger aus dem Stadion, sangen alle noch mal „Bin i Radi bin i König“ und dem Gefeierten flossen die Tränen übers Gesicht. Eine große Ära war zu Ende. Sieben Jahre später fanden sich die Meisterlöwen dann noch einmal zusammen. Zum Abschiedsspiel für den Radi. Die Enddreißiger und Anfangvierziger hauten die gerade in die Erste Liga aufgestiegene Truppe von Heinz Lucas im Vorbeigehen mit 4:1 weg und bewiesen ein letztes Mal, welch großartige Fußballer sie waren. Und was für einen phänomenalen Torhüter sie in ihren Reihen hatten.

Claudius Mayer

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