Zwischen tiefer Krise und Aufstiegsplänen

3. Liga: In Haching brennt’s, TSV 1860 fehlt Konstanz, Türkgücü träumt

Die Trainer Arie van Lent, (SpVgg Unterhaching, li.) Alexander Schmidt (Türkgücü München) und Michael Köllner (TSV 1860, re.)
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Die Trainer Arie van Lent, (SpVgg Unterhaching, li.) Alexander Schmidt (Türkgücü München) und Michael Köllner (TSV 1860, re.)

Die SpVgg Unterhaching steht auf einem Abstiegsplatz, Türkgücü träumt vom Durchmarsch und der TSV 1860 bleibt auf Zickzack-Kurs. Eine Münchner Zwischenbilanz zur 3. Liga.

  • Zehn, neun und acht Spiele haben die drei 1. Mannschaften aus Oberbayern in der 3. Liga inzwischen hinter sich. 
  • Aufsteiger Türkgücü München darf erneut träumen, der TSV 1860 steht auf Rang zwei und die SpVgg Unterhaching muss den Blick nach unten richten. 
  • Eine Zwischenbilanz der bisherigen Saison 2020/21 mit Blick auf die 1. Mannschaften aus München. 

München/Unterhaching – Das erste Saisonviertel ist praktisch rum, auch wenn noch Nachholspiele ausstehen: Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen bei den Münchner Drittliga-Clubs, die sich aktuell in höchst unterschiedlicher Form präsentieren. Während der FC Bayern II Corona-bedingt spielfrei hatte und mit Blick nach oben ohnehin außer Konkurrenz spielt, ist bei der SpVgg Unterhaching schon die erste Krise zu beobachten. Die Löwen bleiben stabil auf Zickzack-Kurs, nur Türkgücü hat eine Stufe erreicht, die höheren Ambitionen gerecht wird.

SpVgg Unterhaching (Rang 17, acht Spiele, neun Punkte)

Vier Niederlagen am Stück – die SpVgg Unterhaching sei in der Dritten Liga „aktuell nicht konkurrenzfähig“, urteilte das Fachblatt „Kicker“ nach der 1:3-Pleite beim KFC Uerdingen vernichtend. Offensiv herrscht Windstille (sieben Tore in acht Spielen), defensiv war es auch am Samstag in Düsseldorf nur Torwart Nico Mantl zu verdanken, dass sich die Niederlage in Grenzen hielt. „Du kannst nicht gewinnen, wenn du hinten jedes Mal einen frisst und vorne keinen triffst“, stellte Kapitän Markus Schwabl finsteren Blickes fest. Und Trainer Arie van Lent, im Sommer geholt, um in der „Wohlfühloase“ Haching auch mal die „Peitsche“ knallen zu lassen (Präsident Manfred Schwabl), musste am Magenta-Mikrofon bereits zu Kraftausdrücken greifen: „Ich hoffe, dass jeder heute Abend in den Spiegel schaut und sich fragt: War ich das, der so eine Scheiße gespielt hat oder war es doch mein Nebenmann? Und wenn sie dann rausgefunden haben, dass sie es selbst waren, geht es sicherlich aufwärts.“

Sicherlich? Es waren Sätze, die neben allem Frust über die mangelnde Widerstandskraft seines Teams auch einiges an Hilflosigkeit zum Ausdruck brachten. Fällt den Hachingern und dem spät verpflichteten van Lent „die etwas naive Kaderzusammenstellung“ (Kicker) angesichts der langwierigen Verletzungen von Dominik Stahl, Marc Endres, Stephan Hain und Seppi Welzmüller schneller auf die Füße als befürchtet? War es fahrlässig, die Offensiv-Routiniers Sascha Bigalke (30) und Jim-Patrick Müller (31) vom Training freizustellen – ohne Aussicht auf Rückkehr? Präsident Schwabl wollte sich zu sportlichen Dingen am Montag auf Nachfrage nicht äußern, Sportchef Claus Schromm sagte auf Nachfrage, das Thema Bigalke/Müller sei „durch“. Die Hoffnungen ruhten auf Stephan Hain, der nach Knieproblemen im Optimalfall Mitte Dezember zur Verfügung stünde.

Bis dahin könnte sich die Situation angesichts des anspruchsvollen Programms weiter zugespitzt haben. Mit Viktoria Köln kommt am kommenden Sonntag (14 Uhr) einer der Geheimfavoriten in den Sportpark, danach geht es gegen die Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden (A) und SV Wehen-Wiesbaden (H). Flächenbrandgefahr.

TSV 1860 München (10 Spiele, Rang zwei, 17 Punkte)

Zwei Siege? Bei Sechzig eine Serie! Der alte Schenkelklopfer feiert in diesen Tagen ein süß-saures Comeback bei 1860. Auf Sieg folgt Niederlage, auf Freude Ernüchterung – so geht das jetzt seit fünf Spieltagen. Trotzdem bot das 1:2 am Sonntag in Dresden ein Novum in dieser Saison: Erstmals verloren die Löwen ein Spiel nach eigenem 1:0. Yannick Stark wird sich lange nicht mehr so frei gefühlt haben wie bei seinem Schuss zum 1:1, dem der 19-jährige Ransford Königsdörffer in der 70. Minute den Siegtreffer folgen ließ. Vorausgegangen war Sascha Mölders verunglückte Schienbein-Abwehr, die zweite „Slapstick“-Aktion (Michael Köllner) binnen zwei Wochen nach dem Hiller/Dressel-Missverständnis gegen Duisburg (0:2). 

Woran es liegt, dass die Löwen konstant inkonstant spielen? Ein Faktor ist die Ersatzbank, die dem Coach nach Martin Pusic’ Handverletzung keine erfahrenen Alternativen bietet. Immerhin soll bis zum Samstag gegen Uerdingen Marius Willsch wieder fit sein. Seine Vorstöße wurden in Dresden arg vermisst.

Türkgücü München (Neun Spiele, Rang fünf, 16 Punkte)

Clubpolitisch sorgt Türkgücü mit dem Gerichtsstreit um die mündlich vereinbarte Aufstiegsprämie zwischen Präsident/Mäzen Hasan Kivran und Ex-Trainer Reiner Maurer für reichlich Zündstoff, rein sportlich läuft’s dagegen beim ambitionierten Aufsteiger. Das 2:1 am Samstag gegen den MSV Duisburg war der dritte Sieg in den vergangenen vier Spielen, mit einer Partie weniger (das Nachholspiel in Rostock ist noch nicht terminiert) liegt das Team von Trainer Alexander Schmidt nur einen Punkt hinter dem TSV 1860, mit dem es am 28. November im Grünwalder Stadion zum Stadtderby kommt. 

Türkgücüs Prunkstück ist der Angriff. In den ehemaligen türkischen Nationalspieler Sercan Sararer (31) und Petar Sliskovic (29) kann der Aufsteiger die beiden besten Scorer der Liga aufbieten, auch die Abwehr um den Ex-Löwen Aaron Berzel hat sich stabilisiert. Schmidts Ansage lässt tief blicken: „Mit einem guten Angriff gewinnt man Spiele, mit einer guten Abwehr bekanntlich… andere Dinge.“

(Ludwig Krammer)

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