Einzelgespräche mit jedem Grashalm in Pipinsried

Im Sommer duellierten sich Michael Panknin (l.) und Dominik Schön schon einmal. Ob es zu einer Neuauflage kommt, ist ungewiss, den Pipinsrieder zwickt der Oberschenkel.
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Im Sommer duellierten sich Michael Panknin (l.) und Dominik Schön schon einmal. Ob es zu einer Neuauflage kommt, ist ungewiss, den Pipinsrieder zwickt der Oberschenkel.

Am Sonntag wird in Pipinsried gespielt. Obwohl Konrad Höß die ganze Woche von einer Absage gesprochen nat. Vielleicht liegt es am Gegner, denn um 14 Uhr ist der Lokalrivale FC Affing zu Gast beim FCP. Oder es liegt daran, dass sich Tobias Strobl rehabilitieren will.

Seit dem Frühjahr 2010 steckte in den Derbys zwischen dem Dorfclub und dem Nachbarn aus Affing ein besonderes Zunder: FCP-Chef Höß nahm den FCA-Verantwortlichen übel, damals nicht auf seinen Herzinfarkt Rücksicht genommen zu haben. Doch inzwischen hat der 72-Jährige sein Kriegsbeil begraben.

Viel dazu beigetragen hat vermutlich, dass die Affinger über eine komplett neue Sportleitung verfügen: Im Sommer legte Manager Mike Riegel sein Amt nieder, im Herbst schmiss überraschend Trainer Stefan Tutschka das Handtuch (um kurz darauf beim kriselnden Regionalligisten TSV Rain zu unterschreiben).

Nun schwingt der 55-jährige Klaus Wünsch das Trainingszepter. Der frühere Torwart ist in der Region bestens bekannt: Bis zum letzten Jahr war Wünsch in Aindling als Co- und hauptverantwortlicher Übungsleiter tätig, zuvor arbeitete er auch in Rain. Höß schickt nun öffentlich Flötentöne an die Ostschwaben: „Ich habe immer höchsten Respekt vor den Verantwortlichen in Affing gehabt. Dort wird hervorragende Arbeit geleistet.“

Die Rot-Schwarzen sind zurzeit Vorletzter und müssen laut Medienberichten einen rigiden Sparkurs fahren. Spektakuläre Neuverpflichtungen im Winter verbieten sich von selber. So könnte es sein, dass für die FCA-Kicker das morgige Derby eine Art Abschiedsvorstellung im Pipinsrieder Stadion darstellt. Höß warnt: „Wir dürfen das Team nicht unterschätzen.“

Der Pipinsrieder Präsident verweist auf das 2:2, das die Wünsch-Schützlinge vor Wochenfrist gegen den VfB Eichstätt geholt haben – wobei sie bis zur 90. Minute sogar geführt haben. „Mancher Affinger Spieler will sich womöglich für einen neuen Verein empfehlen“, spekuliert der Liga-Kenner. Die ganze Woche sah es so aus, als ob das morgige Duell abgesagt werden müsste: Zu sehr hatte der Pipinsrieder Rasen unter dem Regen-Match am Sonntag gelitten. Der FCP-Boss berichtet, wie er die ganze Woche geschuftet hat, um ein bespielbares Geviert zur Verfügung stellen zu können. Noch beim Donnerstags-Training urteilte Co-Trainer Helmut Drexler harsch: „Der Platz ist unbespielbar.“ Doch Höß kennt jeden Grashalm mit Vornamen, vermutlich hat er mit jedem ein Einzelgespräch geführt. Jedenfalls war er sich gestern morgen sicher (nach einem weiteren Blick auf die Wettervorhersage): „Wir spielen.“

Strobl ist die Entscheidung mehr als recht: Er stand in der abgelaufenen Woche in der Kritik wegen der Wechsel, die er am vergangenen Sonntag gegen Garching in der Schlussphase vollzogen hatte. In Unterzahl und ohne seine wichtigste Defensivkraft Christian Adrianowytsch brachte er mit Giovanni Goia und Dominic Wünsch zwei offensive Kicker. „Nachdem VfR-Trainer Weber seinen Stürmer Stefan Prunitsch vom Platz genommen hatte und auf Ergebnishalten spielte, wollte ich die Entscheidung“, rechtfertigt sich der 26-Jährige. Höß ist darüber gar nicht glücklich: „In so einer Situation muss man mit einem Unentschieden zufrieden sein.“

Am Sonntag ist die Lage anders. Höß will drei Punkte, Strobl sowieso auch. Am liebsten wie im Hinspiel, das die Gelb-Blauen klar mit 3:0 für sich entschieden haben. Hinderlich dürfte die Rotsperre von Adrianowytsch sein, ebenso der Ausfall von Michael Holzhammer; der Torjäger hat Probleme mit dem Knie. Junis Ibrahim versäumte beide Übungseinheiten und wird daher nicht im Aufgebot stehen. Und hinter Dominik Schön steht ein Fragezeichen: Der Student spürt seinen rechten Oberschenkel wieder einmal unliebsam. Sehr zufrieden war Strobl dagegen mit dem Trainings-Auftreten von Goia und Serge Yohoua: „Beide brennen und haben sich aufgedrängt“, erzählt der Coach.

 

Quelle: fussball-vorort.de

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