Kony Abeltshauser, der Eishockey-Bilderbuch-Bayer

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Mit Cup daheim: Konrad Abeltshauser (r.) und sein Münchner Teamkollege Andi Eder bei der Ehrung in Bad Tölz.

Verteidiger des EHC München feiert sein WM-Debüt. Mit Tattoos und den Stories vom Hobby Stricken wurde er zur Marke.

Köln – Zu Beginn der 2000er-Jahre gab es eine Umfrage, wer denn der bekannteste deutsche Eishockeyspieler sei, und die Leute auf der Straße antworteten mehrheitlich: Kühnhackl. Weil das ein wunderbar einmaliger Name ist, weil die Sportart in ihm angedeutet wird (das „Hackeln“), und weil der Erich halt eine markante Erscheinung war. Immer der Größte auf dem Eis, und unterm Helm wehte das Haar hervor. Nur: Erich Kühnhackl hatte da schon über zehn Jahre aufgehört als aktiver Spieler.

Der Name Kühnhackl ist nun durch die Nachfolgegeneration – Erichs Sohn Tom wurde 2016 mit den Pittsburgh Penguins Stanley-Cup-Sieger – wieder aktuell. Doch es gibt noch einen weiteren bayerischen Spieler mit dem Potenzial zur Marke: Konrad „Kony“ Abeltshauser vom EHC München. Sein Verein hat ligaweit kaum Freunde, doch dem 24-Jährigen mögen die gegnerischen Fans ihre Aversionen nicht entgegenschleudern. Abeltshauser kommt prächtig an – seine Drittelpauseninterviews bei den DEL-Medienpartnern telekomeishockey.de und Sport1 sind Kult. Gegeben im seit Markus Wasmeier berühmten O-Ton Süd, in reinstem Bairisch. Hoher Wiedererkennungswert.

Vor eineinhalb Jahren war Abeltshauser nur einem kleinen Fachpublikum bekannt. Er spielte nicht in Deutschland, sondern in Nordamerika. Mit 17 war er nach Kanada gegangen, als herausragendes Talent des Jahrgangs 1992. Was einer bei den Halifax Mooseheads, den Worcester Sharks und den Allen Americans leistet, bleibt daheim verborgen – auch wenn Abeltshauser sofort nach Saisonende in Quebec Major Junior, East Coast oder American Hockey League in Bad Tölz aufkreuzte. Das Eishockey-Idol Lorenz Funk senior hat den Weg von Abeltshauser genau verfolgt: „Wenn er hier war, hat er unglaublich viel trainiert.“

Drüben war er durchaus erfolgreich, mit seinen Teams immer lange in den Playoffs vertreten und in zwei Ligen Meister. Nur: Er kam, obwohl bei den San Jose Sharks in der NHL unter Vertrag, nicht über die Minor Leagues hinaus. Wenn die Karriere in der Ferne stagniert, hört man den Ruf der vertrauten Heimat.

„Der Kony verkauft sich gut“, meint Lenz Funk. Es hat schon eine ganze Reihe von öffentlichen Auftritten Abeltshausers gegeben, die gut angekommen sind. Er ist zum Glück nicht medienscheu. Bereitwillig krempelt er den rechten Ärmel hoch und zeigt das großflächige Tattoo, das er sich in Amerika hat stechen lassen. Darauf abgebildet: der Schmied von Kochel, die Dorfkirche der Bauernhof der Eltern. Inschrift: „Gott segne dieses Haus und wer gehet ein und aus.“ Der Parade-Bayer.

Bei seinen Fernsehgastspielen („Blickpunkt Sport“, „Einwurf“) bleibt es auch nicht aus, dass er die Geschichte vom Stricken erzählt. Tatsächlich hat der fast zwei Meter große Abeltshauser in der Grundschule Handarbeit gehabt, davon sind ihm Grundkenntnisse geblieben. In Amerika hatte er mit seinen Eishockey-Teams lange Busreisen zu absolvieren, und während den Kollegen „die Augen viereckig geworden sind vom Serien schauen“, hat er mit Wolle und Nadeln hantiert. Sprüche zum unmännlichen Hobby sind nicht ausgeblieben, doch Abeltshauser hat in Anspielung auf die strengen Winter gekontert: „Irgendwann hat’s alle gefroren – und ich hab’ a schöne Mütz’n g’habt.“

Ob’s ihn noch einmal nach Amerika zieht? In die NHL hat er es nicht geschafft, die Rechte, die die San Jose Sharks vor sieben Jahren an ihm erwarben, sind verfallen. Und in der AHL verdient man weniger als in Deutschland.

München war für ihn einfach die Heimatlösung. Und obwohl dem Traditionsverein Bad Tölz entstammend, hat er keine Berührungsängste mit dem Retorten- und Firmen-Eishockey in der Landeshauptstadt. Geprägt wird man in Kindertagen: Abeltshauser war sieben, als in München die Barons Deutscher Meister wurden. Die Spieler von damals waren seine ersten Fixpunkte. Um wirtschaftliche Hintergründe hat er sich nicht geschert.

Er spielt sein Eishockey mit überspringender Begeisterung – und mit Härte gegen sich selbst. Im Playoff-Viertelfinale gegen Bremerhaven hing nach einem Check des Gegenspielers mal kurz der rechte Nasenflügel weg. Hat er ihn sich halt annähen lassen, einen Spezialhelm aufgesetzt und ist aufs Eis zurückgekehrt.

Die Vernarbungen auf der Nase sind noch erkennbar. In einem Gesicht, das immer mehr Leuten vertraut wird. Bis jetzt hat er erst vier A-Länderspiele bestritten. Dieses Konto wird er bei der WM aufstocken. Auftakt heute (20.15 Uhr) gegen die USA. Wie geschaffen für ihn. Günter Klein

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