„Ein Mix aus Spaß und Intensität“

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„Alles mit einem Schmunzeln“: Mauer und Hager.   

Münchner Spieler stellen regelmäßig Eishockey-Raufereien nach – Geschichte eines Rituals

München– Heute (19.30 Uhr) spielt der EHC München gegen die Kölner Haie. Wer schon einige Zeit vor dem Eröffnungsbully in der Olympiaeishalle ist, kann besonderen Szenen beiwohnen. Es ist ein Ritual der Münchner, dass einige von ihnen beim Aufwärmen eine sich anbahnende Schlägerei nachstellen. Mittendrin immer: Stürmer Frank Mauer.

Frank, auch wir sind schon darauf reingefallen, als Sie und Ryan Button, der bis Ende der letzten Saison beim EHC spielte, sich plötzlich am Wickel hatten. Wir dachten: Oh, da gibt es aber internen Stunk. Bis wir erfuhren: Es ist ein Spiel. Was ist die Geschichte dahinter?

Es hat mit mir und Ryan Button angefangen. Er war immer ziemlich intensiv vor dem Spiel, da hat sich das hochgeschaukelt und entwickelt. Man frotzelt einander – und auf einmal macht man es ständig. Es ist für die Lockerheit im Warm-up, aber auch ein Zeichen, dass man bereit ist. Ein guter Mix aus Spaß und Intensität. Das überträgt sich aufs Spiel.

Button ist nicht mehr da.

Wir haben es trotzdem weitergeführt: Chris Bourque ist dabei, Kony Abeltshauser macht mit, auch Daryl Boyle, obwohl er es eigentlich nicht will. Ryan hat unser Aufwärmprogramm neulich im Fernsehen mitgekriegt und gemerkt, dass Chris Bourque nun seinen Platz eingenommen hat. Er hat gleich gestichelt.

Szenen, wo Spieler einer Mannschaft einander angehen, können leicht missverstanden werden. Ist ja wohl schon passiert.

Vorletztes Jahr im Finale in Berlin habe ich es zum ersten Mal erlebt, dass die Leute meinten, wir wollen uns prügeln. Klar sieht es verrückt aus. Aber es interessiert mich nicht, was über uns gedacht wird. Wir selber wissen ja, dass es Spaß ist.

Waren Gegenspieler auch schon irritiert?

Nicht wirklich. Ich glaube, im Warm-up hat man seine eigene Routine und achtet nicht so sehr auf die anderen. Kann aber schon sein, dass man denkt: Was ist mit denen los?

Wann genau geht es mit dem Rangel-Ritual los?

Relativ am Anfang des Warm-up. Ich fahre dem Daryl hinterher, sodass er mich nicht sieht, und drücke ihn in die Bande. Dann stellt man sich zurück in seine feste Reihe, dort gehen wir aufeinander los, jeder macht ein bisschen mit, man hat ein paar nette Wörter füreinander übrig, dann lachen wir alle.

Was genau teilt man sich da mit?

Das ist nicht alles jugendfrei. Was einem in den Sinn kommt. Nichts Wildes, Übertriebenes. Schwarzer Humor.

Und alles mit einem Schmunzeln gedacht.

Machen andere Teams das auch?

Es gibt Jungs, die sich checken und abklatschen, aber so intensiv wie bei uns habe ich es nirgendwo erlebt. So alle Spaß daran haben, machen wir es. Würde einer sagen, dass es ihn nervt, würden wir es unterlassen.

Sind die gestellten Raufereien auch eine Parodie auf die Klischee-Vorstellung von Eishockey?

Es ist nicht so, dass wir das im Hinterkopf haben, Aber: Ja, vielleicht. Für manchen mag es so sein, dass es dazugehört beim Eishockey und er sagen kann: Boah, das ist hart, was die da machen.

Von den Warum-up-Szenen waren wir überrascht, weil Sie im Spiel nicht derjenige sind, der sich auf so was einlassen würde.

Ich bin nicht bekannt als der, der die große Konfrontation sucht. Körperkontakt gehört zum Eishockey, ich spiele am Mann, aber unfaire Checks sind nicht mein Ding. Hin und wieder gibt es die großen Checks, dafür haben wir die entsprechenden Jungs. Ich würde mich nicht dagegen wehren, einen zu fahren, und ein großer Hit ist auch schön anzuschauen und macht den Sport attraktiv. Aber es darf keine Verletzten geben. Oft genügt auch ein Bump, ein leichter Check, dass der Gegner nicht weiterlaufen kann und man ihn aus dem Spiel nimmt. Insgesamt, und das habe ich hier in München gelernt, geht es mehr um Positions-, um Laufspiel.

Stand schon mal ein Gegenspieler vor Ihnen, der die Handschuhe fallen ließ?

Die Jungs, die dafür bekannt sind, suchen sich eher jemanden, der das auch kann. Gegen mich wäre das tendenziell auch eher jemand, der die Handschuhe nicht so oft fallen lässt. Sag niemals nie, denn jeder ist mal sauer. Ich hatte aber noch keinen richtigen Fight, nur Schubsen und Zerren.

Die Liga reagiert diese Saison viel resoluter auf Checks von hinten, gegen Kopf und Nacken. Fühlen Sie als Stürmer sich dadurch besser geschützt?

Auf jeden Fall. Das Spiel ist athletischer und schneller geworden, wir haben eine Muskelstärke, sind aber keine Schränke, sondern mobil und entwickeln Tempo. Man muss sich darauf verlassen können, dass, wenn du angreifbar bist, dich keiner angreift. Dass man geschützt wird, wenn man den Gegenspieler nicht sieht und es geahndet wird, wenn man dennoch gecheckt wird. Ich hatte ja selbst mal eine Gehirnerschütterung, eine sehr schwere. Der Check war nicht unfair, aber ich habe ihn nicht gesehen. Die ersten Wochen zurück auf dem Eis waren sehr belastend. Wenn ich im Training einen Pass bekommen habe, hatte ich Angst, dass jemand kommt. Das hat mich verfolgt. Dass man die Spieler schützt, trägt zur Attraktivität des Spiels und zur Sicherheit der Spieler bei.

Interview: Günter Klein

Quelle: Merkur.de

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