Was ist mit Pinizzotto?

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Berliner Jubeltraube: Und nun geht‘s im Halbfinale gegen Meister München.

München gegen Berlin und Nürnberg gegen Wolfsburg – so lauten ab Freitag die Halbfinals in der DEL. Der EHC greift nach neun Tagen Pause wieder ein. Aber weiter ohne Steve Pinizzotto, was in der Liga einige hellhörig macht.

Von Günter Klein

Köln – Der Sound der Playoffs kann auch dieser sein: Dass es in der größten Halle Deutschlands, der Arena in Köln, mit 15 672 Zuschauern gut besetzt, so still ist, dass man hört, wie die Schlittschuhe übers Eis kratzen und ein paar Männer „Jaaaaa“ rufen. Das war so in der 28. Minute, als Tyson Mulock ein Tor für die Grizzlys Wolfsburg schoss. In einem siebten Spiel der Playoffs kann ein Gegentreffer schon zuviel sein – zumal gegen Wolfsburg, eine Truppe, die das Prinzip der Aufopferung in ihrer DNA hat. Das Publikum ahnte, wie sich der Abend weiter entwickeln würde; massives Anrennen der Haie, aber vergebens. Das Klingeln des Pfostens war noch das einzige Geräusch, das sich abhob. Doch es ist ja letztlich ein enttäuschendes.

Auch Mannheim erlebte das große Verstummen. Hier war es noch dramatischer. Denn es geschah in der Verlängerung, dass die Adler das Tor zum 1:2 gegen die Eisbären Berlin kassierten. Es blieb keine Möglichkeit mehr, zu reagieren. Es war ultimativ, es war vorbei. Am 21. März, dem Tag, an dem kalendarisch der Frühling beginnt, standen Kölner Haie und Adler Mannheim unwiderruflich im Sommer. Mit dem, was im deutschen Eishockey jetzt noch kommt, haben sie nichts mehr zu tun. Dabei hatte man vor der Saison noch gesagt: Der Weg zur Meisterschaft kann nur über Mannheim und Köln führen. Die Adler hatten sich aus der Schweiz den Startrainer Sean Simpson geholt, im Januar/Februar waren sie das stärkste Team, wurden Hauptrunden-Zweiter. Die Kölner hatten traditionell aufgerüstet, ihr Trainer Cory Clouston bekam jeden personellen Wunsch erfüllt. Das Potenzial: ungeheuer groß, wie Köln beim 2:1-Sieg in der Münchner Olympiahalle an Neujahr zeigte.

Doch auch Mannheim und Köln erlebten den Playoff-Wahnsinn dieses Jahres: Erstmals in der Geschichte der DEL gingen drei der vier Viertelfinalserien über die volle Distanz von sieben Partien; lediglich Meister EHC München setzte sich klar durch (4:0 gegen Bremerhaven). Und so geht es nun weiter:

Nürnberg – Wolfsburg: Die Ice Tigers schrieben eine Wiederauferstehungsgeschichte. Ihr Playoff-Verlauf gegen Augsburg war: 0:1 – 2:1 – 2:3 – 4:3. Trainer Rob Wilson sprach: „Eine Serie ist eine Schlacht.“ Im letzten Match (5:3 für Nürnberg) lieferte Yasin Ehliz das Bild dazu: Er wurde vom Schuss des eigenen Mitspielers (Patrick Reimer) am Kopf getroffen. Eine blutige Angelegenheit.

„Nürnberg ist mir lieber“, sagte Charly Fliegauf, Manager der Wolfsburg Grizzlys, nach dem Coup in Köln. Hätten sich nicht die Eisbären Berlin in Mannheim durchgesetzt, wäre es bereits im Halbfinale zur Neuauflage der 2016er-Finalrunde München – Wolfsburg gekommen. Fliegauf: „Nürnberg hat wie wir sieben Spiele in den Knochen.“

Wolfsburgs Trainer Pavel Gross hat zum fünften Mal in Folge das DEL-Halbfinale erreicht. Er ist der Playoff-Magier der Liga – sein Klub hat nur den siebthöchsten Etat: „Wir gehören zur unteren Hälfte der Zweiklassengesellschaft“, erklärt er. Kurios war, dass er unmittelbar nach dem eigenen Triumph in Köln noch nicht wusste, wo man am Freitag in die Playoffs starten würde. „Das ist eigentlich auch egal“, sagte er. „Ab jetzt ist für uns alles Bonus.“

München – Berlin: Als Achter kamen die Eisbären nach einer gemessen an ihrer Geschichte und ihren Ambitionen katastrophalen Saison in die Pre-Playoffs, dort mussten sie erst Straubing ausschalten. Nun lieferten sie Mannheim die dramatischste der Viertelfinalserien: Drei Spiele gingen in die Overtime (eines sogar in die dritte), zwei gewann das Team von Ex-Bundestrainer Uwe Krupp, der rechtzeitig zu den Playoffs einige Langzeitverletzte und noch zwei neue Stürmer bekam. Der Lauf, in den sich die Eisbären spielen, erinnert an den des ERC Ingolstadt, der vor drei Jahren von Platz neun aus startete und kurz vor einer Trainerentlassung gestanden war.

4:2, 3:2, 3:1 und 4:3 gewann der EHC München alle seine Hauptrundenspiele gegen Berlin. Doch die Form der Mannschaft von Don Jackson ist schwer einzuschätzen, da Bremerhaven nach einer tollen Saison in den Playoffs deutlich abfiel. Morgen geht es für den EHC nach neun Tagen Wettkampfpause weiter.

In der Liga wird eine Münchner Personalie diskutiert: Warum hat Steve Pinizzotto im Viertelfinale nicht gespielt? Im Vorjahr war der ehemalige NHL-Stürmer mit deutschem Pass ein wesentlicher Faktor. Nun heißt es, er sei wegen mangelnden Trainingseifers bei seinem Mentor Jackson in Ungnade gefallen.

Beim EHC München sind diese Spekulationen bekannt, der Verein bezeichnet sie als „Unwahrheiten“. Und weiter: „Offensichtlich wissen Offizielle aller anderen Klubs mehr als unsere medizinische Abteilung. Wie auch immer: Sobald Steve wieder hundertprozentig fit ist, wird er wieder spielen.“

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