"EHC? Vernünftige Leute, die rechnen können"

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Stefan Ziffzer glaubt an eine positive Zukunft für den EHC München und eine gut gefüllte Eishalle

München - EHC Klostersee und TSV 1860: Stefan Ziffzer ist Eishockey- und Fußball-Fachmann. Die tz sprach mit ihm im Interview über die derzeit schwierige Lage des EHC München.

Beim EHC Klostersee war Stefan Ziffzer von 1998 bis 2004 als Präsident tätig. Von 2006 bis 2008 versuchte er als Vorsitzender der Geschäftsführung den TSV 1860 München vor der Insolvenz zu retten. Die tz sprach mit ihm über die derzeit schwierige Lage des EHC München.

Herr Ziffzer, wie stark verfolgen Sie die Geschehnisse im Münchner Eishockey und wie beurteilen Sie die aktuelle Situation des EHC München?

Ziffzer: Durch meine Freundschaft zu Herrn Bochanski bin ich interessierter Beobachter und auf dem Laufenden. Es ist erwartungsgemäß schwierig. Letztes Jahr ist man überraschend gut in die erste DEL-Saison gestartet. In diesem Jahr erwartet man nun eine Steigerung, so ist der Mensch nun mal gestrickt.

Der bisherige Zuschauerschnitt liegt weit unter Kalkulation…

Ziffzer: Nach zwei etwas schwächeren Heimspielen ist das verwöhnte Münchner Publikum halt eher etwas zurückhaltend. Außerdem, denke ich, haben die lange Zeit sommerlichen Temperaturen ihren Teil beigetragen. Wenn es kälter wird, werden auch wieder mehr Fans in die Eishalle kommen.

Liegt es wirklich nur daran?

Ziffzer: Auch die Ansetzung des Spielplans war äußerst ungünstig. Ein Heimspiel am Dienstag ist nie besonders gut besucht und das Derby gegen Straubing konnte man auch im TV verfolgen. Im Dezember werden wir Genaueres wissen, bis dahin sollte man abwarten.

Viele fragen sich, ob Profi-Eishockey in München überhaupt funktionieren kann?

Ziffzer: Das hängt immer von den sportlichen Alternativen ab. In München hat man durch den FC Bayern und den TSV 1860 natürlich starke Konkurrenz. Aber immerhin gibt es kein professionelles Handballteam hier. Dafür muss man abwarten, wie sich die Basketballer der Bayern entwickeln.

Könnte der Basketball dem EHC zum Verhängnis werden?

Ziffzer: Ich sehe da kein größeres Problem. In Berlin funktioniert es auch mit Alba Berlin und den Eisbären Berlin. Und die spielen sogar in der gleichen Halle. Außerdem halte ich Eishockey für die attraktivste Hallensportart. Das ist natürlich ein wenig subjektiv, aber ich finde, Handball und Basketball können da nicht mithalten. Im Eishockey hat man in der zweiten Liga oft noch Zuschauerzahlen von 2000 oder 3000 Menschen. Wo gibt’s das schon, außer natürlich im Fußball?

Der EHC startet nun eine ziemlich spontane Plakataktion in der Stadt. Ist das richtig?

Ziffzer: Die Leute müssen in die Eishalle, um die Begeisterung für den Sport zu erleben. Aber keiner, der letztes Jahr beim EHC war, braucht eine Plakataktion, um zu wissen, dass der EHC spielt.

Hört sich sehr entspannt an. Sehen Sie trotz des schleppenden Starts eine positive Zukunft für den EHC?

Ziffzer: Definitiv. Ich kenne viele der Verantwortlichen. Das sind vernünftige Leute, die rechnen können. Das Problem ist: Profisport im Eishockey hinterlässt nicht immer gleich Profit. Man braucht viel Begeisterung und Leidenschaft. Entscheidend ist, wie teuer die Leidenschaft am Ende wird.

Wäre da ein Investor, ähnlich wie Herr Ismaik beim TSV 1860 München, nicht sehr hilfreich?

Ziffzer: Natürlich ist es schön, so eine zusätzliche Einnahmequelle zu haben, die nicht gleich darauf schaut, was unter dem Strich rauskommt. 1860 ist da nur ein Beispiel. Die Adler Mannheim hängen am Tropf der Familie Hopp. Auch hinter dem Basketball-Projekt der Bayern steckt eine Menge Geld.

Mit BMW und MAN konnte der EHC zwei namhafte Sponsoren gewinnen. Leider ist keiner Hauptsponsor auf dem Trikot…

Ziffzer: Das ist aber nicht die Schuld des EHC. Man muss eher sagen, Respekt, dass man BMW überhaupt als Autopartner gewonnen hat. Allerdings: Diese Verbindung passt auch perfekt, weil BMW direkt auf der anderen Straßenseite sitzt. Und auch MAN ist ein sehr guter Partner aus dem Münchner Umfeld.

Wie sehr trifft den EHC die gescheiterte Olympiabewerbung?

Ziffzer: Eine neue Eishalle, die nicht 40 Jahre alt ist, wäre wirklich angemessen. Vor allem für das gehobene Publikum wäre das sehr wichtig gewesen, weil mehr Möglichkeiten entstanden wären. Grundsätzlich muss man sagen, dass München als immer noch potenziellem Olympiabewerber eine neue Eissporthalle gut zu Gesicht stehen würde.

Interview: Mathias Müller

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