1032 Euro im Jackpot - wie eine Eishockey-Lotterie floppt

Mit Fifty-Fifty sollte Geld für den deutschen Nachwuchs eingespielt werden. Eine Idee aus Nordamerika. Dort funktioniert sie. Bei uns aber anscheinend nicht.

Dieses Wort macht uns immer ganz kirre: Jackpot. Jetzt gerade wieder im Lotto: Über zehn Millionen Euro liegen bereit in der höchsten Gewinnklasse. Das ist die Dimension, bei der sich Kollegen zu Tippgemeinschaften verbinden und sich den Traum gönnen, demnächst die Firma zu übernehmen.

Einen Jackpot gibt es auch bei der Eishockey-WM zu gewinnen. Jeden Tag! Der Deutsche Eishockey-Bund, der DEB, hat seine eigene Lotterie. Sie heißt „Fifty-Fifty“. Aber, und jetzt bitte nicht lachen: Die Gewinnsumme ist nicht so fantastisch hoch. Der Jackpot liegt näher an Lottogewinnklasse 5 (Vier Richtige plus Zusatzzahl) als an der 4 (Fünf Richtige). Per Hallendurchsage wurde etwa am Montag dokumentiert, wie der Jackpot wuchs. 420 Euro! 507 Euro! 852 Euro! Und zum Schluss: 1027 Euro! Und nein: Da fehlen keine Nullen.

Dabei war das Projekt gut gemeint: Eine Lotterie mit simplen Regeln. Man kauft ein Los, fünf Euro kostet es. Die eine Hälfte geht in die Nachwuchsförderung des deutschen Eishockeys, die andere in den Jackpot. „In Nordamerika läuft das hervorragend“, sagt DEB-Präsident Franz Reindl. Auch bei der Länderspielen oder dem Deutschland-Cup hatte man damit ansprechende Erfahrungen gemacht. Gut 2000 Euro gingen da immer weg an den Gewinner des Tages. Und es ist ja auch so, dass auf jedes fünfte Los wenigstens ein kleiner Preis, ein Souvenir, entfällt.

Aber bei der EM – puh! Dabei war am Montag Deutschland – Russland und hernach USA – Schweden. Schlagerspiele vor insgesamt 39 000 Zuschauern. Sie kauften nur etwas mehr als 400 Lose. Klar allerdings auch: Warum soll der schwedische Tourist den deutschen Eishockey-Nachwuchs fördern wollen? Für fünf Euro bekommt er in der Kölnarena auch ein Kölsch. Damit fördert er sich selbst.

Die Lanxess Arena hatte sogar Jobs für die WM ausgeschrieben: „Promoter Fifty-Fifty Lotterie“. Gefordert von den Bewerbern waren: „Ein gewinnendes Lächeln. . . Kommunikationsfreude und Extrovertiertheit“. In Aussicht gestellt wurden: „Angemessene Vergütung“.

Sollte man, wenn man in Köln ist, ein Fifty-Fifty-Los kaufen? Unbedingt! Die Gewinnchance wird man nicht mal bei Robert Hartings auch nicht so erfolgreicher Sportlotterie erreichen – und je geringer die Beteiligung, desto besser die Aussichten, das Jackpöttchen abzustauben. Und wer weiß, wie lange es Fifty-Fifty noch gibt?

Denn die alte Methode der Geldakquise zu Förderzwecken ist vielleicht doch die bessere: die Kleinstschüler-Spieler in viel zu großen Trikots und mit Schepperbüchse an den Eingängen postieren und sie um „Eine kleine Spende für den Nachwuchs“ bitten lassen. Wer lässt da den Geldbeutel hartherzig in der Tasche? Und als Klub/Verband am Ende dann die Sammeldosen leeren – und den Inhalt voll investieren: Aufteilung Hundred-zero. Günter Klein

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