Bei der WM

Eishockey-Schiedsrichter werden zu Menschen

Es gibt eine Weltneuheit bei dieser 81. Eishockey-Weltmeisterschaft: Die Schiedsrichter bekommen eine Stimme. Wenn sie eine Strafe „aussprechen“, dürfen sie diese auch selbst in der Halle ansagen. Moderne Technik macht es möglich, dass man nicht erst zur Sprecherbox muss und einer der beiden Haupt-Referees vom Eis aus zum Beispiel sagt: „Team USA, two minutes number 17 for tripping“. Zwar erklärt der offizielle Arena-Sprecher das noch einmal mit sonorer Stimme und polyglott, so dass der Zuschauer eigentlich keinen Informations-Mehrwert bekommen hat vom Schiedsrichter – und trotzdem: Es ist eine gute Sache, denn man erkennt den Menschen im gestrengen Spielleiter. Man vernimmt den Akzent und beginnt zu überlegen: Skandinavier oder Osteuropäer? Man interessiert sich wieder ein bisschen für die Refs.

Sie sind zuletzt zu einer anonymen Masse geworden. Dadurch, dass auch sie Helme tragen müssen und keinen Namen mehr auf den Rücken geflockt haben. Bei der WM haben sie nur kleine, kaum lesbare Nummern. Und wo sollte der Fan finden, welche Nummer zu welchem Mann gehört?

Wenn wir an früher denken: Da kannte man die Schiedsrichter noch. Wusste in Deutschland zum Beispiel wer überzeugter Schnauzbartträger war (Jupp Kompalla, die Legende, Werner Würth aus Hohenfurch, der nie zum Nachteil Kaufbeurens pfiff), schätzte die akkurat hingefönte Frisur eines Bernd Schnieder aus dem berühmten Sümmern; ja sogar ein Linienrichter konnte zum Begriff werden wie der Kaufbeurer Penz – weil er mit seiner Hornbrille ein wenig aussah wie Woody Allen.

Wer heutzutage einen Schiri beschimpft, muss entweder absoluter Insider sein oder bei Vorstellung von Mannschaften und Offiziellen sehr gut aufpassen oder während des Spiels übers Smartphone recherchieren, wen er gleich eine „Sau“ zu nennen gedenkt.

Bei einer WM wird natürlich nicht so derb geschmäht, und die IIHF, der Weltverband, unternimmt vieles, um zu zeigen, dass es ein schwerer Job ist, den die Schiedsrichter zu leisten haben. Auf einem Youtube-Kanal kann man sich Videos anschauen, die mit der „Ref-Cam“ aufgenommen worden sind. Schiedsrichter filmen, Schiedsrichter sprechen – fürwahr neu Zeiten. Günter Klein

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