Vor der Eishockey-WM

Nobody Tiffels lässt letzten Test gelingen

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Erstes, zweites und drittes Länderspieltor für Frederik Tiffels, 21, von der Western Michigan University.

Ravensburg – Köln rückt näher. Genauer: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft nähert sich dem Spielort der Heim-WM. Am Maifeiertag bestritt sie ihr letztes Testspiel, in Ravensburg, nahe des Bodensees. Doch nach dem Spiel verließ sie umgehend die schwäbischen Region. Ein ungewöhnlicher Reiseplan: Noch nachts ging es ins Rheinland. Im Gepäck die Gedanken, wie die beiden letztes Tests verlaufen waren. Damit verbunden: Verleiten sie zu Optimismus? Oder muss man sich sorgen, dass das große Turnier ab Freitag nicht so verläuft wie gewünscht? Die Resultate aus den Partien mit Lettland, das einer der sieben Gruppengegner bei der WM sein wird (und ein voraussichtlicher ernsthafter Mitbewerber um einen Viertelfinalplatz): 3:4-Niederlage nach Verlängerung in Bietigheim-Bissingen, gefolgt von einem 3:2 (0:0, 1:0, 2:2)-Sieg in Ravensburg. Bilanz aus acht Vorbereitungsspielen: drei Siege, fünf Niederlagen.

Das zweite Spiel gegen Lettland war das ernsthaftere: General Manager und Bundestrainer Marco Sturm bot drei Akteure auf, die er tags zuvor noch geschont hatte: die NHL-Spieler Dennis Seidenberg und Tobias Rieder sowie den nun in Köln tätigen Christian Ehrhoff, der eine imposante NHL-Laufbahn hinter sich hat.

„Es war eine lange Saison, einmal zu testen, das sollte genügen“, meinte NHL-Routinier Dennis Seidenberg, der zum zweiten Mal nach 2001 eine WM in Köln spielen wird. Er trat in Ravensburg an.

„Bei den NHL-Leuten muss man immer abwarten, wie es ihnen, der Frau und dem Hund geht“, hatte Marco Sturm gewitzelt. Bei Seidenberg ist alles okay, er sagt: „Die Familie kommt zur WM rüber, von der Gesundheit her passt es, es ist die Heim-WM und eine der letzten Gelegenheiten, mit meinem Bruder Yannik zusammen zu spielen.“ Thomas Greiss, der deutsche Tormann von „drüben“, absolvierte seinen Test am Sonntag beim 3:4. Er ist als Nummer eins eingeplant, überzeugte in Bietigheim jedoch nicht. Anders als Danny Aus den Birken am Tag danach: Der Münchner Meisterkeeper hielt seine Mannschaft im ersten Drittel im Spiel, da hatte Lettland die handfesteren Chancen. Überhaupt sind die Letten zu beachten. Sie haben an der Bande einen Superstar stehen: Der Kanadier Bob Hartley gewann mit Colorado Avalanche den Stanley Cup und coachte vor vier Jahren die Zürich Lions zur Schweizer Meisterschaft; zuletzt arbeitete er für die Calgary Flames.

Das 3:4 nach Verlängerung am Sonntag ärgerte Marco Sturm ein wenig, „denn wir waren dominant“. Der Faktor, der ihn zufrieden stellte: Das Team zeigte seine Comeback-Qualität. Zunächst glich es einen 0:2-Rückstand aus, durch Marcus Kink (39.) und den US-College-Spieler Frederik Tiffels (53.). Es wurde auch damit fertig, dass die Letten in vorletzter Minute auf 3:2 erhöhten – Verteidiger Frank Hördler aus Berlin erzwang 17 Sekunden vor Ablauf der 60 Minuten das 3:3. „Positiv war der Kampfgeist, den wir fast 65 Minuten durchgehalten haben“, lobte Sturm. Aber es waren eben nur fast 65 Minuten, denn in der 64. gelang Roberts Bukarts der 4:3-Siegtreffer für die Letten. In der Olympia-2018-Qualifikation im Herbst in Riga hatten die Deutschen noch gewinnen können.

Die Hierarchie wurde am Montag wieder hergestellt. Auffällig: Frederik Tiffels, 21, der Kölner, der seit Jahren in den USA spielt. Ein hier noch kaum bekannter flinker Bursche. Er erzielte zwei Tore und bereitete das dritte (Dennis Seidenberg) vor.

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