Abenteuer im Nahen Osten

Elias Fischbacher schließt sich Eishockey-Verein in Israel an

Ein Eishockey-Goalie steht zwischen Pfosten.
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Lange Zeit steht Elias Fischbacher für den SC Riessersee zwischen den Pfosten – hier für die U20 der Weiß-Blauen im Spiel gegen den ESV Kaufbeuren.

Der langjährige SCR-Goalie Elias Fischbacher verabschiedet sich für mehrere Wochen nach Israel und steht dort für die Holon Vipers zwischen den Pfosten.

VON DAVID KORBER

Garmisch-Partenkirchen – Mitten im Nahen Osten Eishockey spielen. Für die meisten unvorstellbar, für Elias Fischbacher wird es in vier Wochen Realität. Der Torwart, der in der abgelaufenen Saison für den EC Peiting zwischen den Pfosten stand und nahezu seine gesamte Zeit im Junioren-Bereich beim SC Riessersee verbrachte, spielt im Sommer für die Holon Vipers in der neu gegründeten Israel Elite Hockey League, kurz IEHL.

Ich freue mich auf die Liga und das Land, es wird bestimmt eine tolle Erfahrung.

Elias Fischbacher

Das Ziel der Liga soll es sein, einheimische Talente zu entwickeln. Zu Beginn hat der Dachverband jedoch auch ausländische Spieler verpflichtet. „Ich freue mich auf die Liga und das Land, es wird bestimmt eine tolle Erfahrung“, sagt Fischbacher.

Wie kommt es dazu, dass ein Garmisch-Partenkirchner in Israel auf dem Eis stehen wird? „Ein Freund schickte mir einen Artikel auf Facebook zur Bewerbung“, erzählt Fischbacher. Dann ging es schnell: „Ich habe mich beworben und bekam umgehend eine Rückmeldung.“ Unterstützung bekam er auch aus Peiting: „Besonders bedanken muss ich mich bei Ty Morris, einen unserer Assistenten beim EC Peiting. Er hat mir eine komplette Ausrüstung besorgt, die ich mit nach Holon mitnehmen werde.“

Das Land im Nahen Osten ist nicht unbedingt für Eishockey bekannt. Hauptsächlich wird dort Basketball gespielt. Dennoch hat Israel seit 1992 eine Nationalmanschaft, welche in der IIHF-Weltrangliste auf Platz 34 geführt wird. Momentan spielt diese in der Zweiten Division, 2006 waren sie jedoch auch schon Erstklassig. Eliezer Sherbatov, der Kapitän der Nationalmanschaft, ist in der Eishockey-Welt kein unbekannter Name. Wie viele Israelis spielt auch er im Ausland, eine Profiliga gibt es bisher nicht in seinem Heimatland. Popularität erlangte er 2020 mit seinem Wechsel nach Polen, wo er für ein Team in Ausschwitz spielt.

Beginnen wird das Abenteuer für Fischbacher, der in Partenkirchen wohnt, bereits Ende Juni. „Ich fliege dann von München aus los und muss mich für ein paar Tage in Quarantäne begeben“. Die wird aber wohl nicht all zu lang ausfallen, denn einer der Verantwortlichen der Liga, Tal Av, hat bereits Kontakt zur Regierung aufgenommen, um die Isolationszeit des ehemaligen Riessersee-Goalies so gering wie möglich zu halten.

Fischbacher sieht Zeit in Israel als Vorbereitung für die kommende Saison an

Spielen werden die Mannschaften in einem Eisstadion in Holon, einem Vorort von Tel Aviv. Mit insgesamt vier Teams – Fischbachers Holon Vipers, den Jerusalem Capitals, dem HC Tel Aviv und den But Yam Dolphins – soll die Premierensaison über die Bühne gehen. Gespielt wird in einem Liga-System, drei mal pro Woche wird dabei jedes Team auf dem Eis stehen. Insgesamt wird der Goalie neun Spiele mit seiner Mannschaft bestreiten. Ende Juli soll die Saison zu Ende sein. Seine Zeit in Israel sieht Fischbacher auch als Vorbereitung für die kommende Spielzeit in Deutschland. „Ich will die Spiele auch nutzen um mich sportlich weiter zu entwickeln und mich auf die nächste Saison vorzubereiten.“ Wo er diese absolvieren wird, weiß er momentan noch nicht.

Neben den sportlichen Aspekten freut sich Fischbacher auch auf die Zeit, die er außerhalb des Eisstadions verbringen wird. Mit dem Team stehen mehrere Ausflüge zu besonderen Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. „Einmal werden wir ans Tote Meer fahren und, worauf ich mich besonders freue, am Strand von Tel Aviv ein Barbecue veranstalten.“

Mir haben schon viele Menschen aus meinem Umfeld, vor allem meine Teamkollegen des EC Peiting, gesagt, dass eine Reise dorthin momentan keine gute Idee ist.

Elias Fischbacher

Trotz der Aussicht auf eine spannende Zeit hätte Fischbacher seine Entscheidung beinahe nochmals revidiert. Als in den vergangenen Wochen der Konflikt zwischen Israel und Palästina eskalierte, hatten einige Personen aus seinem Bekanntenkreis ihm von der Reise abgeraten. „Mir haben schon viele Menschen aus meinem Umfeld, vor allem meine Teamkollegen des EC Peiting, gesagt, dass eine Reise dorthin momentan keine gute Idee ist.“ Doch nachdem sich die Lage in den vergangenen Tagen beruhigt hat, ist Fischbacher fest entschlossen, das Abenteuer in einem fremden Land zu wagen.

„Für mich persönlich wird das natürlich auch eine Herausforderung. Solange war ich noch nie von daheim weg“, erzählt er. Trotzdem freut er sich auf die Reise und die Erfahrungen: „Ich bin gespannt darauf, ein neues Land und eine andere Kultur kennenzulernen.“ Israel machte in den vergangenen Monaten Schlagzeilen als eines der Länder, die in Sachen Impfen bereits früh weit fortgeschritten war. Aus diesem Grund gelten in Israel mit seinen knapp neun Millionen Einwohnern kaum noch Einschränkungen. „Ein paar meiner zukünftigen Teamkollegen, die bereits vor Ort sind, haben mir Videos aus dem Nachtleben in Tel Aviv geschickt. Dort sind Restaurants und Bars bereits wieder gefüllt.“

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