„Ich dachte, ich bin der kleine Revoluzzer“

Busch
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„Die letzten Jahre hatte ich brutales Heimweh“: Florian Busch, der mit den Eisbären sieben Meistertitel gewann. imago

Sieben Mal Deutscher Meister - Florian Busch (36) hatte eine große Eishockey-Karriere. Sie hätte noch größer sein können - ohne Verletzungspech und ohne eine falsche Entscheidung, wie er im Abschieds-Interview einräumt.

München – Still ist eine lange Karriere im deutschen Eishockey zu Ende gegangen. Florian Busch (36) hat nach 18 Jahren als DEL-Profi Schluss gemacht. Ein Bayer in Berlin, der sieben Mal die Deutsche Meisterschaft gewann und Spuren hinterließ. Das Abschiedsinterview.

Florian Busch, Sie plagten sich die vergangenen Jahre schon mit den Folgen von Gehirnerschütterungen herum. Hören Sie deswegen nun auf?

Ja, es ist mit dem Kopf nimmer gegangen, es war nicht mehr wie früher, es hat sich verändert, das musst du akzeptieren. Die Ärzte haben mir abgeraten, es weiter zu versuchen.

Konkret: Wie waren die Einschränkungen?

Du erkennst den Puck nicht mehr, kommst nicht mehr so gut mit. Da tust du dir nur noch weh, da darfst du nicht mehr Eishockey spielen.

Seit 2002 lebten Sie in Berlin. Was ist der künftige Lebensmittelpunkt?

Miesbach, ich bin schon zurück. Unsere Eigentumswohnung in Berlin haben wir vermietet. Die letzten Jahre habe ich mich schon auf Miesbach gefreut, ich habe brutales Heimweh gehabt. Aber ich werde immer mal wieder nach Berlin fahren, ich habe da gute Freunde gewonnen. Die kommen natürlich nicht runter zu mir, weil sie nicht wissen, was sie bei uns machen sollen.

Sie waren Fan-Liebling bei den Eisbären. Wie haben Sie es angestellt?

Es war nicht alles positiv, was ich in Berlin gemacht habe, und die Beziehung musste sich entwickeln und war ein Geben und Nehmen. Aber man hat mir als Dorfkind geholfen. Den Berlinern hat gefallen, dass ich Bayerisch rede und mei Maul aufmache – im Grunde sind sie ja auch so.

In 18 Jahren haben Sie den Wandel des Vereins aus dem Osten – früher Dynamo – zum Teil des amerikanischen Anschutz-Konzerns miterlebt.

Ich bin hingekommen, als es mit dem Großunternehmen losging. Dann kam auch die neue Halle am Ostbahnhof. Man lässt das familiäre Feeling auf der Strecke, es wird alles mehr zum Business. Doch mit der Arena hat sich ja auch was zum Guten gewandelt, und wir waren erfolgreich.

Das kann man sagen: Zweimal wurden Sie unter Trainer Pierre Pagé Meister, fünfmal in sechs Jahren unter Don Jackson. Die Eisbären lebten vom legendären Jahrgang 1985, dem Sie auch angehören und der sich nun sukzessive verabschiedet. Eine einmalige Dominanz, oder?

Es gab schon eine Zeit, in der die Liga nicht bereit war für das Eishockey, das wir spielten – aber auch das hatte ein Ende. Die letzte Meisterschaft war 2013.

Heimat des Klubs bleibt aber der „Welli“, wie der Wellblechpalast in Hohenschönhausen genannt wird, oder?

Absolut. Wenn du was anderes sagst, hacken sie dir den Kopf ab.

Mit Trainer Don Jackson haben Sie sich exzellent verstanden.

Er hat einen guten Humor, ich habe einen guten Humor.

Wir durften mal einem Fachgespräch zwischen Ihnen beiden über bayerische Biersorten lauschen.

Da kommen Don und ich nicht ganz zusammen. Er ist der Augustiner-, ich der Tegernseer-Mann.

Wollte Jackson Sie nach München holen?

Das war, bevor er dort anfing, dass es Interesse aus München gab. Aber aus Berlin hat mich nichts wegbringen können.

Sie haben einmal bei Olympia und bei vier Weltmeisterschaften gespielt. Es hätten viel mehr internationale Auftritte sein können, hätten Sie sich nicht aus der Nationalmannschaft zurückgezogen nach der Affäre 2008, als Sie einen Dopingkontrolleur wegschickten, den Fehler schnell einsahen und korrigierten, die Probe nachholten, die auch negativ war, aber dennoch unter Verdacht standen.

In meinem jugendlichen Leichtsinn war das nicht das Schlaueste, was ich gemacht habe und absolut schade. Dennoch bin ich froh, dass ich 2006 beim Olympiaturnier mit Marco Sturm und all den NHL-Profis dabei gewesen bin.

Der Deutsche Eishockey-Bund hätte Sie ja weiter nominiert, Sie wurden für den „missed test“ in der DEL auch nicht gesperrt. Aber Ihnen war das Meldesystem der Nationalen Anti-Doping-Agentur zu aufwändig.

Mir war das Meldesystem etwas unverständlich – und ich hatte Angst, Fehler zu begehen. Ich wollte noch länger Eishockey spielen. Im Nachhinein denke ich: Hättest du es halt gemacht. Ich dachte halt, ich bin der kleine Revoluzzer. Ich hatte mich verbissen. Das hätte ich anders handhaben müssen.

Hatten Sie eigentlich mal die Chance, in die NHL zu wechseln oder sich in einem Camp zu versuchen?

Das war tatsächlich um diese Zeit mit der verpassten Dopingkontrolle. Ich wäre dann aber zwei Jahre gesperrt worden. Also erledigte sich das von selbst.

Sie spielten in Berlin zuletzt mit Leon Gawanke, der schon einen NHL-Vertrag hat, und mit Lukas Reichel, der nun in der ersten Runde von Chicago gedraftet wurde. Eine ganz andere Generation als Sie, fixiert auf die Karriere in Übersee?

Die jungen Leute heute sind zielstrebig, gesegnet mit Talent, sie gehen nicht fort, sie ernähren sich richtig. Gut, wir haben das im Grunde auch gemacht, aber nicht übertrieben. Doch jetzt, das ist schon Fußballstandard.

Sie haben schon auch gelebt neben dem Eishockey.

Ja, ich habe Spaß gehabt und bin froh darüber. Das hat zu vielen Freundschaften geführt.

Ein Spaß für Sie – weniger für den Betroffenen – war ein Einsatz für die Fernsehshow von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Joko musste sich als Mutprobe einen Eishockey-Check verpassen lassen. Es war nach einem Eisbären-Spiel: Sie fuhren ihn um, Joko musste ins Krankenhaus.

Bis heute ist das die Geschichte, auf die die Leute mich am häufigsten ansprechen. Ich bin damals für einen Teamkollegen, der das machen sollte, aber verletzt war, eingesprungen. Joko habe ich kaum gekannt. Und weil ich ein folgsamer Trainersohn bin, habe ich gemacht, was man mir gesagt hat.

Hätten Sie ein bisschen sanfter vorgehen müssen? Sie wissen ja, wie das mit Verletzungen ist.

Damals hatte ich höchstens mal was an der Schulter, nicht am Schädel. Aber das war eine lustige Aktion, Joko und Klaas hat’s was gebracht. Und mir haben viele auch gratuliert. Joko ist anscheinend nicht so beliebt.

Was werden Sie als Nicht-Eishockey-Profi machen?

Ich fange am 1. April als Greenkeeper im Golfclub Valley an. Ich bin leidenschaftlicher Golfer.

Besser als Donald Trump?

Schlechter. Jeder ist schlechter als er. Mein Handicap ist um die 20. Ich hatte lange nicht mehr gespielt.

Wird’s den Eishockey-Trainer Florian Busch geben?

Vielleicht ehrenamtlich mal beim TEV Miesbach im Nachwuchs.

Nun sind Sie aus Berlin ganz leise gegangen – das ist nicht Florian-Busch-like.

Ja, ohne Party, und meine waren die besten. Da haben sich alle geärgert, dass ich jetzt aufhöre. Wenn die Corona-Lage sich beruhigt, hole ich das in Berlin nach. Wir machen ein gescheites Essen.

Mit Tegernseer Bier?

Ja, aus dem Fass. Keine Flaschen.

Und eine Verabschiedung vor den Fans - inklusive Verewigung Ihrer Rückennummer unterm Hallendach?

Soll es geben, habe ich gehört.

Interview: Günter Klein

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