„Greiss ist kein Rechtsextremist, kein Nazi“

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Aus dem Spiel? Thomas Greiss, deutscher Torhüter aus der NHL, bei der WM in Köln.

Wie geht es mit Thomas Greiss weiter, dessen Verhalten in den sozialen Medien zum Politikum bei der Eishockey-WM geworden ist? DEB-Vizepräsident Marc Hindelang hat Stellung bezogen.

Köln – Am Freitagabend gegen Dänemark stand Thomas Greiss nicht im deutschen Tor. Er ist offiziell seit ein paar Tagen leicht verletzt.

Jedoch stellt sich die grundsätzliche Frage: Wird Thomas Greiss, der Füssener, der Karriere gemacht hat bei den New York Islanders, in der Eishockey-Nationalmannschaft überhaupt noch eine Rolle spielen? Mit seinem Verhalten in den sozialen Medien hat der 31-Jährige sich in die Bredouille gebracht: Er ist zum Politikum geworden. Die Sache wurde so heiß, dass vor dem WM-Spiel gegen Dänemark Marc Hindelang, Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), von Beruf Fußball-Kommentator bei Sky, vor die Medienkollegen treten musste. Seine Kernaussage: „Thomas Greiss ist definitiv kein Rechtsextremist, kein Nazi.“

Was war geschehen? Es war bekannt, dass Greiss, der seit 2006 in den USA (San Jose, Phoenix, Pittsburgh, New York) seinem Beruf nachgeht und mit einer Amerikanerin verheiratet ist, ein Faible für Donald Trump hat. Gut, das haben in den USA genügend Leute. Greiss hat sich nicht explizit pro Trump geäußert, aber er hat Beiträge im Trump-Kontext mit seiner Zustimmung versehen. Greiss hat bei Instagram, einem sozialen Netzwerk, in dem vor allem Fotos ausgetauscht werden, seine Herzchen und Sternchen an Posts vergeben, die schon sehr fragwürdig sind. Etwa einen Beitrag, der Hillary Clinton, Trumps Konkurrentin im Präsidentschaftswettstreit, mit Adolf Hitler gleichsetzte. Argumentation: Wie der deutsche Führer sei sie „never arrested, never convicted“ (Niemals verhaftet, niemals überführt) worden. Hitler sei „just as innocent as Hillary“, so unschuldig wie Hillary, so der tölpelhafte Vergleich. Greiss hat ihn mit seinem verifizierten Instagram-Account (14 300 Abonnenten) geliked, hat sozusagen Beifall gespendet. Auch eine Fotomontage, die Donald Trump als Ritter mit blutigem Schwert und dem abgeschlagenen Kopf von Hillary Clinton zeigt, fand Greiss’ Anerkennung.

Aufgefallen ist das Verhalten von Greiss dem Deutschlandfunk, der beim DEB nachgefragt hat, wie der zu den politischen Ansichten seines Spielers stehe. Das war schon vor dem WM-Turnier, wie Marc Hindelang bestätigt. Man sprach daraufhin mit Greiss. Der zog seine Likes für die Posts zurück.

„Grundsätzlich ist Hitler ein No-go“, sagt Hindelang. Dass Greiss diesen Beitrag geliked hatte, bewertet der DFB-Vize als Verhalten „auf schmalem Grat zwischen Geschmacklosigkeit und intolerablen Dingen“. Jedoch möge man auch berücksichtigen, „dass die Geschichte nicht von gestern oder vorgestern, sondern aus dem amerikanischen Wahlkampf ist, vor einem Dreivierteljahr, und der war sehr emotional“. Und es sei einfach so, dass „wen er wählt und gegen wen er ist, freie Meinungsäußerung ist“. Klar, die Art – so nicht.

Greiss stehe politisch „Mitte-rechts“, meint Hindelang. Aber das sei nicht verboten: „Jede Nationalmannschaft ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in der französischen Mannschaft Spieler gibt, die Le Pen gewählt haben.“ Im Team erfahre Greiss auch Rückhalt. Nicht gerade, was seine Ausrichtung angeht, aber: „Es gibt Spieler bei uns, die in Amerika leben. Da funktioniert Meinungsbildung anders.“

Suspendiert wird Greiss nicht, doch da mit Philipp Grubauer der in den NHL-Playoffs gerade ausgeschiedene Torwart Washingtons offensichtlich auf dem Weg nach Deutschland ist, könnte es eine elegante Lösung geben: Wegen Verletzung wird Greiss nicht mehr spielen.

Wichtig ist es dem DEB, darauf hinzuweisen, dass er für Integration und gegen Fremdenfeindlichkeit steht. Und dass man gerade eine WM zusammen mit Frankreich ausrichte, sei „eine historische Leistung“.

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