Interview mit dem Holzkirchner im Trikot der Tölzer Löwen

Andreas Schwarz über Corona: „Die sozialen Kontakte gehen ab“

Stammspieler mit Selbstkritik: Andreas Schwarz sieht bei sich noch Entwicklungspotenzial in Sachen Schuss und Kaltschnäuzigkeit. Die Vertragsverlängerung bei den Tölzer Löwen steht bevor.
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Stammspieler mit Selbstkritik: Andreas Schwarz sieht bei sich noch Entwicklungspotenzial in Sachen Schuss und Kaltschnäuzigkeit. Die Vertragsverlängerung bei den Tölzer Löwen steht bevor.

In schnelllebigen Zeiten sind echte Konstanten im Profisport rar geworden. Spieler kommen und gehen, richten sich nach bestmöglichen Verdienstmöglichkeiten oder der Aussicht nach Erfolgen. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Solche wie Andreas „Blacky“ Schwarz, der nach dem Zweitliga-Aufstieg der Tölzer Löwen zum Heimatverein zurückkehrte und in seine vierte Saison geht. TEG-Geschäftsführer Christian Donbeck konstatierte kürzlich, dass sich Schwarz um das Tölzer Eishockey „unheimlich verdient“ gemacht habe. Im Interview beleuchtet der 24-jährige Holzkirchner auch die Saison mit ihrem bizarren Ende.

Kontaktverbote und Ausgangssperren beherrschen den Frühling 2020. Wie verbringen Sie alternativ zu den gecancelten Playoffs diese ungewöhnliche Zeit?

In den vergangenen Wochen war ich an zwölf von 14 Tagen auf dem Radl unterwegs. Meistens habe ich drei- bis sechsstündige Touren um Tegernsee oder Spitzingsee abgespult. Einmal pro Tag mache ich etwas fürs Studium. Die sozialen Kontakte gehen natürlich ab, aber ich kann die Zeit gut für Training und Studium nutzen.

Gibt es von Vereinsseite Hausaufgaben für die Zeit des Lockdowns?

Im Hinblick auf das Sommertraining wurden noch keine Gespräche geführt. Ich bin aber mit mehreren Spielern wie Beppi Eberhardt und Marco Pfleger in Kontakt, die ihrerseits auch Radtouren durchziehen.

Die Coronakrise kam zur Unzeit. Erstmals in der Historie der DEL2 erreichten die Löwen die Playoffs, durften sie dann aber nicht spielen. Wie fiel die Reaktion aus?

Es war für alle ein Schlag ins Gesicht. Wir hatten am Dienstag noch ganz normal auf das erste Playoff-Match drei Tage später hintrainiert. Es herrschte große Vorfreude. Schon in der Hauptrunde hatten wir geile Spiele gegen Heilbronn. Das wäre eine tolle Serie geworden.

Dann das abrupte Ende.

Leider. Wir haben und daraufhin noch mal alle in der Stadionwirtschaft getroffen und die Ereignisse verarbeitet. Es war schon heftig zu erfahren, dass in den kommenden Monaten nichts mehr mit Eishockey sein wird.

Was glauben Sie persönlich, was die Zukunft bringt?

Ich bereite mich so vor, als ob es am 1. August wieder losgeht. Beeinflussen kann ich es ohnehin nicht. Rein vom Training wird es für mich ein ganz normaler Sommer. In allen anderen Belangen wohl nicht.

Zurück zur abgelaufenen Saison. Trotz Playoff-Qualifikation glich die Hauptrunde einer Achterbahnfahrt. Siege und Niederlagen wechselten mitunter blockweise. Welche Erklärung haben Sie als einer von drei Akteuren, die sämtliche Partien absolviert haben?

Mit dem fünften Platz musst du zufrieden sein. Wir haben es die gesamte Runde nicht geschafft konstante Leistungen zu bringen. Die Siege am Ende waren wichtig. Wir hätten auch leicht in den Pre-Playoffs landen können.

Was sind die Ursachen für diese Inkonstanz?

Nach zehn Siegen in Folge hat sich in den Köpfen unterbewusst eingeschlichen, dass andere Teams wirklich sehr viel tun müssen, um uns zu schlagen. Dabei war es genau umgekehrt. Wir haben die Sache zu leicht genommen.

Ihre Bilanz ist durchwachsen. Einer starken Plus-Minus-Statistik und 14 Vorlagen steht ein karger Torerfolg entgegen. Worauf führen Sie ihre Ladehemmung zurück?

Ich hatte heuer eine etwas andere Rolle, war in Überzahl nicht mehr vor dem Tor, wo ich in den Vorjahren ab und an einen reingedrückt habe. Dennoch ist die Ausbeute verbesserungswürdig. Plus-Minus ist in der Tat in Ordnung. Aber ich hatte genügend Chancen, um mehr Punkte zu machen. Schuss und Kaltschnäuzigkeit sind bei mir verbesserungswürdig.

Sie werden im Mai 25, gehören dann schön langsam zu den Alten im Team. Wo sehen Sie sich in der Hierarchie des Teams?

Ich werde meinen Mund immer aufmachen, wenn es etwas zu sagen gibt, sehe mich aber nicht als Führungsspieler. Da haben wir genügend andere, die mehr zu sagen haben.

Aber als Quasi-Einheimischer dürften Sie als Anlaufstelle für ganz junge Spieler interessant sein.

Ich helfe den jungen Spielern gerne. Was man selbst gelernt hat, muss man auch weitergeben.

Maxi Leitner rückt zu den Senioren auf. Ist das so ein Typ, den Sie gerne an die Hand nehmen?

Wir haben sein Potenzial im Training gesehen. Maxi hat natürlich den Vorteil, sich viel mit seinem Papa unterhalten zu können, der als Verteidiger (Florian „Mungo“ Leitner, d.Red) selbst alles mitgemacht hat. Da bekommen wir einen guten Verteidiger, der bei uns den nächsten Schritt machen kann.

Zu ihrem nächsten Schritt: Sie sind derzeit vertragslos, haben aber klar kommuniziert, in Tölz bleiben zu wollen. Von Vereinsseite gibt es gleichlautende Signale. Allein der Vollzug fehlt, oder?

Der Verein hat bekundet, weiter auf mich setzen zu wollen. Mir selbst gefällt es in Tölz, inzwischen habe ich hier ja schon drei Jahre auf dem Buckel. Ich habe Verständnis, dass die Sache mit dem Vertrag in dieser Situation etwas dauert.

Die Playoff-Teilnahme soll freilich keine Eintagsfliege sein. Welches Mosaiksteinchen fehlt dem Team, um die angesprochene Konstanz herzustellen?

Ein guter Spieler, der die Verteidigung führt, einen guten ersten Pass hat und seine Aufgaben primär in der Defensive sieht. Vorne sind wir gut aufgestellt. Weil aber nicht alle Stürmer defensiv denken, wäre defensive Kompaktheit umso wichtiger.

Quelle: Merkur.de

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