Klarheit bei Leon Draisaitl

Der „Kölsche Jung“ landet am Samstag

Freigabe von Edmonton liegt vor, Flugplan steht, Versicherung ist abgeschlossen - was kompliziert war.

Köln – Seinen Schlaf wollte Marco Sturm nicht opfern, nur weil um 1.30 Uhr und um 4.00 Uhr NHL-Spiele (im Imternet) übertragen wurden. „Ich lasse mir das dann am Morgen beim Kaffee von den Jungs erzählen, wie es ausgegangen ist“, sagte der Bundestrainer. Als er am Donnerstagmorgen aufwachte, musste er aber nicht erst in den Frühstücksraum im Kölner Maritim-Hotel gehen, denn er hatte schon die ersten Botschaften auf dem Handy. Von Leon Draisaitl. Dem „besten deutschen Eishockeyspieler, den es gibt“, wie Dennis Seidenberg, der alte Haudegen, respektvoll sagt.

Draisaitl war an einem der beiden nächtlichen NHL-Matches beteiligt gewesen. Es war das jeweils siebte und letzte der Viertelfinalserie. Jungstar Draisaitl unterlag mit seinen Edmonton Oilers den Anaheim Ducks 1:2, seine Saison in Nordamerika ist somit beendet, er hat nun die Möglichkeit, noch den Rest der WM anzuhängen. Wie auch Philipp Grubauer, Ersatztorwart der Washington Capitals, die Pittsburgh 0:2 unterlagen.

Somit herrscht Klarheit, was die deutschen NHL-Cracks betrifft: Verteidiger Korbinian Holzer ist mit Anaheim weiter, ebenso Tom Kühnhackl mit Stanley-Cup-Verteidiger Pittsburgh Penguins. Draisaitl jedoch war zu haben – und seit Donnerstagabend, kurz vor 22 Uhr deutscher Zeit ist es offiziell: Der 21-Jährige kommt zur WM. Der Reiseplan steht: Am Samstagmorgen wird er landen. Marco Sturm wusste nicht erst seit gestern: „Leon will kommen. Er ist Kölner, es ist seine Stadt.“ Eine WM zu Hause zu spielen – eine wohl einmalige Gelegenheit. Die über das Ausscheiden mit Edmonton (Draisaitl: „Stinkt mir“) hinwegtröstet.

Es halt eben, noch ein paar bürokratische Hürden zu nehmen. Bei Leon Draisaitl ist es wie bei allen NHL-Spielern so, dass der Vertrag versichert werden muss. Bei ihm kam erschwerend hinzu, dass sein bisheriger Kontrakt ausläuft und der neue erst abgeschlossen werden muss. Harald Birk, ehemaliger Eishockey-Nationalspieler und nun Experte für Sportversicherungen, erklärt: „Momentan läuft der NHL-Vertrag noch, sein Verdienstausfall für diese Zeit, wenn was passiert, ist durch die NHL abgesichert. Aber den Fall einer Invalidität muss der DEB absichern.“

Das tat der Verband. Er ließ sich dazu von den Edmonton Oilers, die Supertalent Leon Draisaitl natürlich behalten werden, das neue Vertragsangebot vorlegen, es war Grundlage für einen Versicherungsabschluss.

Bisher verdiente der „Kölsche Jung“, dessen Vater Peter eine deutsche Eishockeygröße war, das Rookie-Höchstgehalt von 950 000 Dollar. Künftig soll sein Salär bei sechs Millionen liegen. Die Rahmendaten sind dem DEB bekannt, er hatte sich vorbereiten können.

Sturm, selbst lange NHL-Profi, war zunächst noch etwas zurückhaltend gewesen, sagte: „Am Ende des Tages ist es Leon, der die Entscheidung treffen muss.“ Am Donnerstagabend nahm die Sache dann Fahrt auf: Erst wurde das Freigabe-Einverständnis der Edmonton Oilers erteilt, dann der Flug gebucht. Draisaitl selbst erklärte über den DEB: „Ich bin vom Aus in dern Playoffs natürlich noch enttäuscht, habe die WM aber immer mit einem Auge verfolgt und freue mich jetzt, das Team in meiner Heimat unterstützen zu können.“

Sturm will im Gespräch noch klären, „wie es Leon geht nach dieser Saison“. Möglich, dass sein Zugang am Samstagabend gegen Italien schon spielt. Wenn nicht, dann am Dienstag gegen Lettland.

Verhaltener agierte Sturm im Fall Philipp Grubauer. Da wollte er nur unternehmen, „was Sinn macht“. Thomas Greiss (New York Islanders) sieht er als Nummer eins. Greiss sei zwar leicht verletzt, doch wenn er sich fit melde, bestehe keine unbedingte Notwendigkeit, Grubauer einfliegen zu lassen, zumal „ihm der Spielrhythmus fehlen dürfte“. Er wird dann den Wolfsburger Felix Brückmann nominieren.

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