Welche Musik bei der Eishockey-WM läuft

Mamma Mia, sie spielen „Azzurro“

Am Samstag spielt Deutschland gegen Italien.
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Am Samstag spielt Deutschland gegen Italien.

Köln - Am Samstag spielt Deutschland im vorletzten Gruppenspiel der Eishockey-WM gegen Italien. Dann wird das Stadion eine „Italien-Hymne“ zu hören bekommen.

Zum Eishockey gehört Musik. Früher haben die Fans dafür selbst gesorgt („Kling Glöckchen klingeling“, der Ganzjahresklassiker, bis zu „Ihr könnt nach Hause fahren“). Aus Nordamerika, wo in der NHL die Organisten auf die Tasten drücken und den Tutti-Hebel ziehen, damit es sakral klingt, kam die Animation mit eingängigen Melodien. Bei der WM wäre es undenkbar, dass ein Tor einfach so fällt, ohne dass es von einem Songfragment begleitet würde.

Im Ski-Weltcup ist das ansatzweise auch so, das fiel uns auf, als wir im Urlaub in Zauchensee mal bei einer Damen-Abfahrt zuschauten. Da erklang im Zielschuss zur Fahrt der Amerikanerinnen Bruce Springsteens „Born in the USA“ und bei den Schweizerinnen das One-Hit-Wonder „Kiosk“ („Leute, bin ich denn ein Kiosk oder bin ich etwa ‘ne Bank, oder seh ich aus wie ein Hotel oder wie ein Kassenschrank“) der gleichnamigen Gruppe „Kiosk“. Musik beim Sport soll also wie ein Pass sein – Ausweis der Nationalität.

Wir freuen uns natürlich, dass wir die Schweden in der Kölner Gruppe haben. Weil Schweden-Pop großartig ist, weil Abba ihn erfunden hat. So gesehen ist es wunderbar, dass die Schweden ganz schön viele Tore schießen, weil dann immer Abba läuft. Allerdings, liebe Musikregie, nehmen wir das Beispiel des deutschen 2:7 gegen Schweden. Benny Andersson und Björn Ulvaeus haben nicht nur „Mamma Mia“ geschrieben, sondern noch einige andere Sachen. Sieben Mal „Mamma Mia“ ist selbst einem Hardcore-Abba (Agnetha!)-Fan zu viel an einem Abend.

Für die Amis gibt’s in der Kölnarena – gähn - „Born in the USA“. Und die russische Erfolgsmusik ist auch vorhersehbar: „Ka-lin-ka, ka-lin-ka“. Bei Spielen der Sbornaja haben wir aber etwas gelernt. Das „Kalinka“ geht über in eine Version von „Those were the days my friend“ mit russischem Test. Allerdings: Das Russische ist das Original. Von 1917! Die Angelsachsen haben es gecovert.

Der russische Besucher ist in Sachen Beschallung übrigens recht tolerant, bei ihm ist ja auch Thomas Anders ein Star und Scooter nicht verpönt. Und Scooter, 2010 mit dem offiziellen WM-Song am Start („Stuck in Replay“) und damals beim Eröffnungsspiel ausgepfiffen, muss rehabilitiert werden: Cascada („Playground“, WM-Song 2017) ist viel schlimmer – und wird mit Download-Code im Turnierprogrammheft (2 Euro) schon jetzt, kurz nach Veröffentlichung, verschleudert.

Zufällig haben wir am Dienstagabend eine italienische Führung miterlebt, die womit zelebriert wurde? „Azzurro“ von Adriano Celentano. So was von absehbar, Mamma Mia!

Wird Zeit, dass die Kanadier (zum Viertel- oder spätestens Halbfinale) nach Köln kommen. Wenn da die Hallenregie nicht „The Good Old Hockey Game“ spielt, hat sie das Eishockey nie geliebt! 

Hier finden Sie den TV-Guide für das Eishockey-Spiel Dänemark gegen Deutschland.

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