Maximilian Kastner über WM-Chancen, die Playoffs mit München und eine Rückkehr zum SCR

„Riessersee ist meine erste Anlaufstelle“

Maximilian Kastner dehnt sich vor einem Spiel mit der Nationalmannschaft auf dem Eis.
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Das Trikot der Nationalmannschaft will Maximilian Kastner auch ab dem 21. Mai bei der WM in Lettland tragen.

Mit dem vierten DEL-Titel ist es nichts geworden. Nun jagt Maximilian Kastner seinem nächsten Traum nach, dem von seiner ersten Weltmeisterschaft. Im Tagblatt-Interview spricht der 28-jährige Garmisch-Partenkirchner über seine WM-Chancen, dass Playoff-Aus mit dem EHC Red Bull München und über eine mögliche Rückkehr zum SC Riessersee am Ende seiner Karriere.

Herr Kastner, Sie waren bei den Vorbereitungsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien nicht mit dabei, nun aber gegen Weißrussland. War das im Vorfeld so abgesprochen?

Jein. Ich bin mit zu den Spielen gefahren, allerdings hatte ich mir bereits im letzten DEL-Hauptrundenspiel gegen Düsseldorf im Knie einen Innenbandanriss zugezogen. In den Playoffs gegen Ingolstadt habe ich mich durchgebissen, aber in der Pause danach ist es schlimmer geworden. Da wollte Toni (Bundestrainer Toni Söderholm, Anm. d. Red.) kein Risiko eingehen und hat mir die Tage zum Erholen gegeben. Wäre am nächsten Tag WM gewesen, hätte ich dennoch unbedingt spielen wollen. So war es aber besser. Jetzt hoffe ich, dass ich gegen Weißrussland wieder auflaufen kann.

Wie beurteilen Sie die ersten Partien der DEB-Auswahl? Die Leistungen stimmten, allerdings nicht die Ergebnisse.

Bei den Spielen etwa gegen Tschechien hätte man in Unterzahl sicher den einen oder anderen Spielzug verhindern können. Aber das war schon sehr gut, die Jungs hätten den Sieg verdient gehabt. Es ist allgemein super, dass ich wieder dabei sein kann. Zudem ist es schön, mit den Jungs auf dem Eis zu stehen oder auch die Zeit im Hotel verbringen zu können.

Die Spiele dienen der Vorbereitung zur Weltmeisterschaft, die am 21. Mai in Riga (Lettland) beginnt. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, bei Ihrer ersten WM auflaufen zu dürfen?

Das ist schwierig zu beurteilen, wenn man sieht, wer noch alles dabei ist und wer jetzt noch dazugekommen ist. Ich hoffe natürlich, dass ich dabei bin und zeigen kann, dass ich mir meinen Platz verdient habe. Meine Stärken liegen vor allem im Penaltykilling. Aber es wird sehr schwierig, da die Qualität im Kader extrem hoch ist. Man muss jeden Tag im Training seine beste Performance zeigen, um bei der WM dabei zu sein. Letztendlich fällt Toni die Entscheidung. Wenn ich nicht zum Kader gehören sollte, wird er seine Gründe haben, umgekehrt genauso (schmunzelt). Ich muss einfach alles dafür tun, mich unverzichtbar zu machen.

Kommen wir von der Zukunft zur jüngeren Vergangenheit. Mit dem EHC Red Bull München war überraschend früh die Saison beendet. Was waren die Gründe für die Niederlage im Playoff-Viertelfinale gegen den ERC Ingolstadt?

Ich hätte auch nicht gedacht, dass uns das passiert. Wenn man sich die gesamte Saison anschaut, dann hat man gesehen, dass wir große Probleme gegen Ingolstadt hatten. Drei von vier Spielen haben wir verloren. Natürlich ist Ingolstadt dadurch mit breiter Brust ins Viertelfinale gegangen. Aber wir hatten zum Schluss der Hauptrunde eine gute Phase, wollten diesen Schwung mitnehmen. Doch wir haben einfach nicht das gezeigt, was wir können. Ingolstadt war im ersten Spiel besser. Ich denke, das hat man auch von außen gesehen. Im zweiten waren dann wir definitiv die bessere Mannschaft. Doch am Ende haben wir uns zu einfache Gegentore gefangen und uns die Zähne am ERC-Goalie ausgebissen.

Kein Vorbeikommen: Im zweiten Playoff-Spiel gegen Ingolstadt haben sich Kastner (l.) und Co. die Zähne am Ingolstädter Goalie Michael Garteig ausgebissen.

Die Best-of-three-Serie ist die große Chance für die Außenseiter, oder?

Absolut. Nicht nur wir hatten Probleme, auch Berlin und Mannheim haben sich schwergetan. Man kann darüber nun diskutieren, ich bin mir auch sicher, dass wir es in einer Best-of-seven-Serie noch gedreht hätten. Aber daran unser Ausscheiden festzumachen, wäre zu billig. Wenn du im ersten Spiel nicht bei 100 Prozent bist oder Pech hast, stehst du bereits mit dem Rücken zur Wand. Dann heißt es: do or die. Wenn du dann auch im zweiten Spiel Fehler machst, dann hast du halt schnell Sommerpause.

Auf der Gegenseite stand Ihnen mit Tim Regan als Co-Trainer der Ingolstädter ein alter Weggefährte aus Zeiten beim SC Riessersee gegenüber. Haben Sie sich kurz unterhalten?

Aufgrund der Corona-Beschränkungen war das nicht möglich, wir hatten nur bei den Spielen mal Blickkontakt und haben uns gegrüßt. Ich habe ihm dann nach der Serie ’Glückwunsch zum Halbfinaleinzug’ geschrieben – leider schreiben müssen (schmunzelt). Aber Ingolstadt hat sich das verdient, hat auch gegen Berlin eine starke Serie gespielt. Es gibt immer wieder Überraschungen, so ist der Sport. Das macht ihn spannend. Du musst da sein, wenn es drauf ankommt. Und das waren wir dieses Jahr nicht zu 100 Prozent.

Wie beurteilen Sie Ihre eigene Leistung in der Saison?

Ich hatte einen guten Start, dann wurde es aber schwieriger, da ich auch verletzt war. Zum Ende habe ich eine sehr gute Reihe mit Jayjay und Yasin (John Peterka und Yasin Ehliz, Anm. d. Red.) gefunden. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Das Feedback habe ich auch in den Abschlussgesprächen bekommen. Zudem bin ich jetzt in einem Alter, in dem ich die jüngeren Spieler mehr leiten soll und kann. Sie sollen nicht mit jeder kleinen Frage zum Coach rennen, das sollen auch wir erfahreneren Spieler mal übernehmen. Ich soll einfach eine noch größere Führungsrolle in der Mannschaft übernehmen.

Wie haben Sie generell diese Corona-Saison erlebt?

Bereits Anfang August haben wir mit der Vorbereitung begonnen, waren fleißig. Doch der Start wurde dann ja immer wieder verschoben. Dadurch zieht sich so eine Vorbereitung ewig. Wir haben sehr viel trainiert und bis Ende Oktober bereits zehn Testspiele absolviert. Das war mental nicht leicht, denn der Saisonstart war ja sehr lange fraglich. Als es nach dem MagentaSport-Cup endlich losgegangen ist, waren wir einfach happy. Bei Freundschaftsspielen fehlt auf lange Sicht schon ein bisschen der Reiz. Man achtet halt noch sehr darauf, sich nicht zu verletzen.

Zudem wurde ausschließlich in leeren Stadien gespielt.

Ohne Fans ist das nicht dasselbe, der Sport lebt davon. Ich persönliche zehre davon auch sehr, lasse mich mitreißen, wenn die Fans richtig Stimmung machen. Daher war es natürlich richtig schade, aber auch verständlich. Es wäre seltsam gewesen, wenn das Stadion voll oder halb voll gewesen wäre, gleichzeitig aber Restaurants und so weiter nicht hätten öffnen dürfen. Das hätte zur Gesamtsituation nicht gepasst. Es hat sich dadurch wie zu Jugendzeiten angefühlt, insbesondere in Stadien wie in München, Mannheim, Köln, Berlin, wo normalerweise über 10 000 Zuschauer sind. Ich hoffe, es war die erste und letzte Saison ohne Fans. Auch wenn sie nur stückweise zurückkommen können, wir erst vor 20 Prozent oder so spielen, Hauptsache sie dürfen wieder ins Stadion.

Zugleich haben Sie über die Saison in einer Blase leben müssen.

Ja, das war so lala. Zum Glück wohnen im Haus ein paar weitere Spieler, mit denen ich mich treffen konnte. Aber sonst ist das gar nichts für mich. Ich bin ein Typ, der gerne draußen ist, im Café sitzt, Leute beobachtet. Ich hoffe auf ein baldiges Ende der Pandemie.

Wie hat Ihnen die Aufteilung in Nord- und Süd-Staffel gefallen?

Im Prinzip war die Idee sehr gut. Man spielt in kürzester Zeit gegen dieselben Teams, dadurch spart man sich die weiten Auswärtsfahrten und konnte Kontakte weitestgehend minimieren. Sollte man konzeptionell nochmals auf dieses Konstrukt zurückgreifen müssen, gehört es aber noch ein wenig überarbeitet. Auf die Dauer will man nicht immer gegen denselben Gegner spielen.

Ein Punkt bei dieser Idee ist ja auch das Thema Nachhaltigkeit.

Das ist ein sehr wichtiges Thema. Ich hätte zum Beispiel kein Problem damit, einen Roadtrip zu machen – Berlin, Wolfsburg, Bremerhaven in einer Tour. Dadurch würde man es sich sparen, zu jedem Spiel komplett neu anzureisen.

Konnten Sie nach dem Playoff-Aus ein bisschen entspannen?

Wegfahren konnte ich nicht, es ging ja schnell mit der Nationalmannschaft weiter. Aber ich hatte meinen Sohn bei meinen Eltern und hab’ mit meiner Familie ein paar Tage abschalten können. Das tat gut nach so einem bitteren Saisonende. Mein Sohn ist jetzt in einem Alter, in dem er überall rumflitzt – auf die Rutsche, auf die Schaukel. Da muss man immer gut aufpassen, dass er nicht runterfliegt. Das Größte für ihn ist das Trampolin.

Sollten Sie nicht mit zur WM fahren: Werden Sie sich in Garmisch-Partenkirchen mit Marcus Weber, Maximilian Kislinger, Benjamin Kronawitter et cetera wieder über den Sommer fit halten?

Teils werde ich sicherlich auch mit meiner Gruppe in München trainieren. Wenn ich dann in der Heimat bin, dann gehe ich weniger mit den Jungs ins Fitnessstudio. Wir fahren dann mehr mit dem Radl, gehen zum Eibsee oder machen eine Bergtour. Wir haben auch schon einen Golfurlaub zum Gardasee geplant. Zudem wollen wir eine Bergtour mit Übernachtung machen, wenn es Corona denn zulässt.

Wird beim Heimat-Training auch Uli Maurer wieder dabei sein?

Ich hoffe. Es wäre zu schaden, wenn er nach so einer Saison aufhören würde. Der Uli soll mal ruhig noch eine weitere Saison spielen.

Verfolgen Sie eigentlich noch den SCR?

Sicher, der Benny (SCR-Spieler Benjamin Kronawitter, Anm. d. Red.) ist ja einer meiner besten Kumpels. Mit ihm bin ich öfter im Austausch. Es ist sehr schade, wie es beim SCR gelaufen ist. Wenn man in den Playoffs immer in Führung geht, aber am Ende verliert, dann ist es sehr bitter und nagt am Selbstbewusstsein. Das war ähnlich wie bei uns.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Marcus Weber hat kürzlich gesagt, er könnte sich vorstellen, zum Ende der Karriere beim SCR mit Kislinger, Ihnen und anderen Top-Spielern aus Garmisch-Partenkirchen nochmals aufzulaufen.

Ich wäre dabei. Der SCR wird immer eine Herzensangelegenheit für mich sein. Ich hab nie für einen anderen Verein außer jetzt für München gespielt. Wenn ich irgendwann mal in der DEL aufhöre, ist Riessersee meine erste Anlaufstelle.

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