Eishockey

Der neue Playoff-Trend: Torwart wechsle dich

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Diese Saison im Playoff-Fokus: Danny Aus den Birken wurde in München zum Stammtorwart ernannt.

Nur München, Berlin, Wolfsburg bislang mit konstanten Nummer-eins-Lösungen – Augsburg hat gleich sechs Goalies gemeldet

Von Günter Klein

München – Vor einem Jahr war David Leggio der wichtigste Spieler beim EHC München. Der Torwart mit den spektakulärsten Paraden der DEL-Playoffs, wenn er auf die Knie ging und die Unterschenkel links und rechts rauszuckten.

Diese Saison steht oder sitzt der Amerikaner an der Bande, und nur einmal, während Viertelfinal-Spiel drei war das, brach seine routinierte Duldsamkeit für einige Momente auf. Danny Aus den Birken hatte einen Schlag abbekommen, die Physios eilten aufs Spielfeld. Für die Minute der Behandlung erschien es eine Option, dass David Leggio reinkommen könnte. Doch Aus den Birken war unversehrt, er konnte weitermachen. Und hat die komplette Viertelfinalserie bestritten, die der EHC München mit einem 8:2-Sieg in Bremerhaven am Mittwoch souverän abschloss. Er kann sich auf die weiteren Aufgaben (ab Freitag, 24. März) einstellen – der Gegner fürs Halbfinale wird noch ermittelt.

Danny Aus den Birken spielt für Don Jackson, einen Trainer, der den klassischen nordamerikanischen Aufstellungsmustern folgt. Motto: In der „regular season“ kann man zwischen zwei in etwa gleichstarken Torhütern hin- und herwechseln (der EHC-Coach hat das lange genug im Drei-Spiele-Rhythmus getan), in den Playoffs aber muss es eine klare Nummer-eins-Regelung geben. 2016 bestritt Leggio jede Playoff-Minute, 2017 lautete am Montag vor einer Woche die Ansage: „We start with Danny.“ Starten bedeutet: damit nicht aufhören.

Rob Wilson, der Trainer der Nürnberg Ice Tigers, denkt in Eishockey-Angelegenheiten ähnlich wie Don Jackson, handhabt die Torhütersache aber anders. In den ersten beiden Spielen des Viertelfinals gegen Augsburg beorderte er Andreas Jenike zwischen die Pfosten (Bilanz: eine Niederlage, ein Sieg), im dritten Jochen Reimer (Sieg), im vierten wieder Jenike (Niederlage). Warum die Wechsel? „Wir spielen eine Serie, alles ist darauf ausgerichtet, die Spieler frisch zu halten“, erklärt Wilson. „Wir haben zwei gute Torhüter, dieses Glück hat nicht jeder Verein.“ Andreas Jenike selbst hatte vorgeschlagen, dass die beiden Keeper sich den Playoff-Job teilen, „weil das auch in der Hauptrunde geklappt hat“.

Auch Gegner Augsburg hat gewechselt – allerdings stand das nicht im Plan. Jonathan Boutin, die Nummer eins, musste nach dem ersten Drittel des dritten Spiels vom Eis, er hatte einen Schlittschuh an den Kopf bekommen. Im vierten Match stand er nicht im Kader. Nun hält Benjamin Meisner und hat überirdische Werte: 95,56 Prozent Fangquote, Gegentorschnitt 1,22 Treffer je 60 Minuten. Was hat Boutin, wann kehrt er zurück, wird er wieder übernehmen? „Kein Kommentar“, sagt Panther-Trainer Mike Stewart.

Die Augsburger sind am vorsichtigsten mit ihren Torhütern. Sie haben für die Playoffs gleich sechs gemeldet. Neben Boutin und Meisner drei Nachwuchsleute (auch die DNL-Mannschaft hat gerade Playoffs) und den Österreicher Fabian Weinhandl, der ohne feste Anstellung war. Er trainiert nicht mit den Augsburger Panthern, kommt lediglich auf Anforderung aus seiner Heimat Graz.

Von den Viertelfinalisten haben nur München (Danny Aus den Birken), Eisbären Berlin (Petri Vehanen) und Grizzlys Wolfsburg (Felix Brückmann) konstante Nummer-eins-Lösungen. Der Kölner Gustaf Wesslau – der Schwede wurde vor nicht einmal zwei Wochen als „Torhüter des Jahres“ ausgezeichnet – ging beim 0:5 am Mittwoch in Wolfsburg für die letzten zehn Minuten vom Eis, seine Fangquote ist auf 87,25 Prozent gesunken. Auch bei den Adlern Mannheim ist es zu einem Job-Sharing gekommen, drei Partien hat WM-2010-Held Dennis Endras gemacht, eines der erst vor wenigen Wochen für alle Fälle verpflichtete frühere NHL-Goalie Drew MacIntyre. Die statistischen Werte beider Stars sind verheerend (Endras 3,68 Gegentore pro Spiel, McIntyre 5,11).

Danny Aus den Birken geht aus dem Viertelfinale mit lediglich fünf Gegentreffern und 78 gehaltenen Schüssen. Alle Kollegen sind mindestens noch am Freitag im Einsatz (fünfte Runde), sicher wird es auch zwei Begegnungen (Berlin – Mannheim, Augsburg – Berlin) am Sonntag, dem sechsten Spieltag, geben. Aus den Birken kann sich das in aller Ruhe ansehen. Auf dem Sofa. Als wäre er Ersatzmann.

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