Unser neuer Mann im Tor: Philipp Grubauer

+
Von Washington demnächst nach Las Vegas? Um Grubauer gibt es Spekulationen.

Der Rosenheimer aus Washington, der wohl bald für Las Vegas spielt, soll zum Rückhalt im entscheidenden WM-Spiel gegen Lettland werden.

Köln – Nach dem 4:1-Sieg gegen Italien fiel Danny Aus den Birken in der Kabine die Aufgabe zu, den für die deutsche Mannschaft wertvollsten Spieler mit dem Wanderpreis, dem Oirginal-Xaver-Unsinn-Pepitahut, auszuzeichnen. Er ging an Leon Draisaitl. Aber Aus den Birken wollte alle Kollegen loben für ihre gute Defensivarbeit. „Im ersten Drittel habt ihr nur zwei Schüsse auf mein Tor zugelassen – und einen habe ich sogar gehalten.“ Philipp Grubauer, 25, fand den Scherz, den der Torwartkollege auf eigene Kosten gemacht hatte, grandios gelungen: „Ich musste schallend lachen.“

Am Samstag war Grubauer Back-up-Goalie, also der Mann, der sich auf der Bank bereithält. Er war ja auch erst am Mittag eingetroffen aus Washington, die innere Uhr spielte noch verrückt. Doch heute (20.15 Uhr, Sport1) gegen Lettland wird Philipp Grubauer den Nummer-eins-Platz im deutschen Tor übernehmen. Die Hierarchie ist klar: NHL-Torwart vor DEL-Torwart. Grubauer spielt sozusagen eine oder zwei Klassen höher.

Danny Aus den Birken hat bei der WM schon öfter gespielt, als für ihn zu erwarten stand. Er löste im Schweden-Spiel in den letzten zehn Minuten den mürbe geschossenen Thomas Greiss ab, kam im ersten Drittel nach dem ersten Gegentreffer wieder für Greiss rein und bestritt die kompletten Spiele gegen Dänemark (n.V. 3:2) und Italien (4:1). Greiss, der offiziell verletzt, durch seine Instagram-Like-Affäre zudem als Nationalspieler momentan verbrannt ist, steht in der Torhüterstatistik der WM nur auf Platz 15, Aus den Birken ist Sechster. Seine Werte sind ansprechend (93,42 Prozent Fangquote, 1,62 Gegentore pro 60 Minuten), doch drei der fünf Gegentreffer entsprangen seinen Fehlern. Marco Sturm nannte die Leistung von Danny Aus den Birken „solide“, das ist kein besonders Lob. Seine Wertschätzung für Grubauer ist ungleich höher.

Philipp Grubauer ist Rosenheimer, und obwohl er schon vor neun Jahren, mit gerade 16, nach Kanada ging, hat er sich sein Oberbayerisch bewahrt. Er hat die Ochsentour auf sich genommen: Start in der Ontario Hockey League (Belleville Bulls, Windsor Spitfire. Kingston Frontenacs), machte die Washington Capitals auf sich aufmerksam, die ihn 2010 drafteten – doch es dauerte noch einmal drei Jahre und Jobs in East Coast und American Hockey League, ehe er in der NHL angekommen war. Seit 2015 steht er fest im Kader dieser weltauswahlmäßigen Truppe mit Stars wie Alexander Owetschkin, Niklas Bäckström oder T.J. Oshie (bekannt als Penalty-Zocker aus dem Olympia-2014-Match USA – Russland). Nur: Er ist eben die Nummer zwei hinter Braden Holtby, von 82 Spielen bleiben dem Rosenheimer nur 23. In den Playoffs. die für die Capitals im Viertelfinale gegen Pittsburgh (mit Tom Kühnhackl) endeten, kam er nur ein Drittel dran.

Er fürchtet aber nicht, dass ihm der Rhythmus fehlen könnte. „Ich habe mich ja immer so vorbereitet, als würde ich spielen.“ Also fühlt er sich im Wettkampfmodus, in einem Blitzkurs am Sonntag mit Torwarttrainer Patrick Dallaire und Assistenzcoach Tobias Abstreiter hat er sich an die Eisfläche („Groß, man hat viel Raum und Zeit“) und die „anderen Schusswinkel“ gewöhnt.

Grubauer ist extra für die WM nach Deutschland gekommen. Nächste Woche wird er in Amerika zurück sein. „Da steht eine Operation an. Nichts Großes, wird eine halbe Stunde dauern.“ Heimaturlaub in Rosenheim steht erst im Juli an.

Bis dahin wird sich vielleicht auch entschieden haben, wo er spielt. Der Vertrag mit Washington läuft aus, doch es wird ein neues Team in der NHL geben, die Golden Knights in Las Vegas. Im Expansion Draft im Juni darf Vegas sich von jedem der 30 anderen Klubs einen Spieler nehmen. „Unser früherer General Manager und Co-Trainer sind in Vegas, daher gibt es Spekulationen“. Grubauer ist offen: „Ich will eine Nummer eins werden.“

Auch interessant:

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion