Die Blütezeit des Arenen-Baus ist vorbei

Was neue Arenen im Eishockey bringen - Chancen und Risiken

München – Nicht überall ging das Konzept auf, mit einer neuen Halle neues Publikum fürs Eishockey zu erschließen. Wie wird das in München sein?

Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), war am Sonntag in München beim Spitzenspiel EHC – Nürnberg. Es war der Tag, an dem Didi Mateschitz, Unternehmer („Red Bull“) und Eigner des Münchner Klubs, in seiner Heimatpostille, den „Salzburger Nachrichten“, angekündigt hatte, dass im Münchner Olympiapark nun eine Halle gebaut würde. Er trägt die Baukosten (100 Millionen Euro), die Basketballer des FC Bayern und die Stadt würden die Mieter sein. Die Bayern reagierten reserviert: Die Gespräche würden erst stattfinden, nichts sei fix.

Gernot Tripcke sagte am Sonntag in München, der offizielle Kenntnisstand der DEL entspreche dem, was man aus dem Mateschitz-Interview erfahren habe. „Und wenn der Meister spricht, hat das einen höheren Stellenwert als eine Pressemitteilung.“ Es gibt auch noch einen eher inoffiziellen Kenntnisstand: Am Tag zuvor war Tripcke beim Telekom-Cup in Düsseldorf gewesen, dem Fußball-Blitzturnier, an dem auch der FC Bayern teilnahm, er ist mit Münchnern zusammengesessen und denkt nach diesem Informationsaustausch auch: „Die Halle kommt.“ Den Plan, sie schon 2019 in Betrieb zu nehmen, hält er für „sportlich. Wäre aber schön.“

Frank Mauer, Stürmer des EHC München, erzählt, die Mannschaft sei „vor einigen Monaten offiziell informiert worden, dass der Bau einer neuen Halle geplant ist und wohl auch kommen werde“. Nun weiß man auch nicht mehr als das, was Oberboss Mateschitz in seinem Salzburger Interview verraten hat – doch das genügt dem Team. Mauer: „Die Sportstadt München wird erweitert.“

Die fertigen Pläne für eine Arena hat Red Bull der Stadt schon vor vier Jahren vorgelegt. Allerdings war da die Blütezeit des Arenen-Baus in Deutschland schon vorbei. Den Quantensprung hatte 1998 Köln gewagt: vom alten Stadion an der Lentstraße (Fassungsvermögen 7200 Zuschauer) ging es in die Köln-Arena mit 18.500 Plätzen. Der damalige Haie-Manager Miro Sikora fürchtete, dass man die Oberränge mit Vorhängen abdecken müsste, weil außer zu den Derbys mit Düsseldorf niemals genügend Fans kommen würden. Die Sorge war unbegründet, der Zuschauerschnitt (diese Saison sind es 12.357) lag deutlich über dem, was früher als Maximum möglich gewesen wäre. Auch Mannheim (SAP-Arena mit 13.600 Plätzen gegenüber dem Friedrichspark für 8200) und Berlin (14.200 – zuvor 4695 im Wellblechpalast) erschlossen neues Publikum. Das ist es, was auch München vorhat. 6200 Zuschauer passen in die 50 Jahre alte Eishalle – für 10.000 wäre die neue Arena dort, wo das Radstadion stand, vorgesehen.

Die Frage ist, ob sich heutzutage noch ein Arena-Tourismus lostreten lässt. Die Neubauten werden oft als seelenlos kritisiert, als zu theatermäßig, in Krefeld, Düsseldorf, Nürnberg haben sie die Situation der Klubs nicht verbessert. Die beste Stimmung in der DEL findet man in Augsburg, Straubing und Iserlohn – Standorte, an denen klassische Stadien mit hohem Stehplatzanteil bespielt werden. Umfangreiche Renovierungen haben den Komfort angehoben; die VIP-Bereiche wurden vergrößert – das ist der Kompromiss.

Ob der EHC München seinen Zuschauerschnitt von in der alten Halle 4332 klar erhöhen, auf einen Schlag verdoppeln könnte? Ungewiss. Ein massives Zuschussgeschäft bliebe der EHC für Red Bull auch dann noch. Jürgen Bochanski, einer der früheren Gesellschafter des EHC, hat kürzlich im WDR-Magazin „Sport Inside“ gesagt: „Auch wenn wir für jedes Spiel 15.000 Karten verkauft hätten – es hätte nicht gereicht.“

Die Hallen in der DEL - und wie alt sie sind

  • Köln: Lanxess-Arena, eröffnet September 1998. 
  • Düsseldorf: ISS Dome, eröffnet September 2006.
  • Krefeld: Königpalast, eröffnet Dezember 2004. 
  • Iserlohn: Eissporthalle am Seilersee, seit 1971, Umbau 2007. 
  • Berlin: Mercedes-Benz-Arena, eröffnet September 2008. 
  • Bremerhaven: Eisarena, eröffnet März 2011. 
  • Wolfsburg: Eisarena, seit 1983, Umbau 2006. 
  • Mannheim: SAP-Arena, eröffnet September 2005.
  • Schwenningen: Helios Arena, seit 1976, Umbau 2007 bis 10. 
  • Ingolstadt: Saturn Arena, eröffnet Oktober 2003.
  • Nürnberg: Arena Nürnberger Versicherung, eröffnet Februar 2001. 
  • Straubing: Eisstadion am Pulverturm, seit 1967, Umbauten 2008 und 2010.
  • Augsburg: Curt-Frenzel-Stadion, seit 1938, Umbau 2010 bis 13.
  • München: Olympiaeishalle, seit 1967, modernisiert 2013.

snacktv

Auch interessant:

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion