Interview mit DFB-Nationalspieler

DFB-Star Hector fordert: „Verbringt nicht so viel Zeit am Smartphone!“

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Jonas Hector ist kein großer Fan der sozialen Medien.

Jonas Hector ist nach Marco Reus der zweitälteste Spieler im DFB-Team. Im Interview spricht er über die Ausbootung von Mats Hummels und Co. und erklärt, warum er kein Instagram hat.

Venlo - Man mag es kaum glauben, aber Jonas Hector ist nach Marco Reus der zweitälteste Feldspieler der deutschen Nationalmannschaft. Nach einer kleinen Pause wurde der Kölner für die anstehenden Spiele in der EM-Qualifikation am Samstag in Weißrussland und am Dienstag gegen Estland wieder nominiert. Warum der 29-Jährige nicht die Hoffnung verloren hat, wie er über das Aus von Thomas Müller & Co. denkt und warum Social Media nur bedingt was für ihn ist, verrät Hector im tz-Interview:

Wie fühlt es sich an, nach einem Kurzurlaub noch mal ins Training einzusteigen, um sich auf zwei Länderspiele vorzubereiten?

Jonas Hector: Ich war ein paar Tage am Strand. Das tut schon gut, wenn man nach einer langen Saison mit dem Verein abschließen kann. Das geht in der Sonne besser als zu Hause auf der Couch, daher der Tapetenwechsel. Anfangs war es schon ein wenig ungewohnt, nach zwei Wochen wieder einen Ball an den Füßen zuhaben. Aber die Freude auf die Mannschaft ist immer groß.

Hat Sie Ihre Nominierung überrascht, nachdem Sie im März bei den Spielen nicht dabei waren?

Hector: Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass ich jetzt wieder im Kreis dabei bin. Aber der Bundestrainer hat mir im März bei einem Telefonat auch die Gründe für meine Nichtnominierung erklärt.

Jonas Hector im Interview über seine Pause im DFB-Team

Und welche waren es? Lag es an den zahlreichen Positionswechseln, die Sie in Köln in der Saison hatten?

Hector: Das war schon einer der Gründe, so hat es der Bundestrainer ja auch gesagt. Mit meiner Nichtnominierung habe ich mich dann abgefunden, weil die Erklärung schlüssig war.

Hatten Sie nicht die Befürchtung, dass Sie beim Umbruch im Team neben Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng nun auch für immer raus sind?

Hector: Das war nicht mein erster Gedanke. Joachim Löw hat mir klar signalisiert, dass ich nicht endgültig raus bin. Mit diesem Gefühl bin ich in den Rest der Saison gegangen. Ich wusste, dass ich weiter Teil der Mannschaft bin, wenn ich meine Leistung im Verein bringe.

Wie denken Sie denn über das Aus der drei Münchner Spieler?

Hector: Ich war im ersten Moment schon überrascht, muss ich gestehen. Ich habe zu den Spielern einen guten Draht, wir haben auch mal das eine oder andere in der Freizeit zusammen unternommen, daher war unser Kontakt schon etwas enger. Letztlich gilt es, die sportliche Entscheidung des Bundestrainers zu akzeptieren.

Wissen Sie, welche Feldspieler im Team überhaupt noch älter als Sie sind?

Hector: Marco Reus dürfte älter sein, Ilkay Gündogan vielleicht?

Nein, nur Marco Reus.

Hector: Ich weiß schon, dass ich zu den ältesten Spielern gehöre. Das bedeutet aber nicht, dass sich meine Rolle hier ändert. Ich muss keinem auf dem Platz erklären, wie das Spiel funktioniert – das weiß jeder von selbst, sonst wäre er nicht hier. Abseits des Platzes kann ich natürlich gerne den einen oder anderen Tipp geben.

Jonas Hector im Interview über Social Media

Wie erwarten Sie Weißrussland und Estland in den beiden Quali-Spielen?

Hector: Ich kann mir vorstellen, dass das eher defensive Mannschaften sind. Ich habe aber auch in der 2. Liga mit dem FC Köln erlebt, dass man als favorisierte Mannschaft auf Gegner trifft, die plötzlich attackieren und Pressing spielen.

Sie selbst haben keine öffentlichen Internet-Kanäle. Timo Horn hat seine aufgrund heftiger Fan-Reaktionen geschlossen. Sehen Sie sich in Ihrer Haltung gegen Social Media nun bestätigt?

Hector: Ich sehe mich dadurch nicht bestätigt. Jeder muss selbst entscheiden, was für ihn richtig ist. Grundsätzlich bin ich einfach nicht der Typ, der sich in den sozialen Medien präsentiert. Ich weiß, dass es viele Spieler gibt, die ihre Fans an ihrem Leben teilhaben lassen. Das mag ja auch schön sein. Das Internet ist allerdings auch eine Plattform für Personen, die sich im Vier-Augen-Gespräch nicht so äußern würden, aber in der Anonymität solche Kommentare ablassen. Ich kann Timo schon verstehen, dass er das Thema erst einmal ruhen lässt.

Wird im Netz zu schnell der Ton beleidigend?

Hector: Es liegt einfach an der Anonymität. Man hat schnell mal ein paar beleidigende Worte getippt, die man einem aber nicht ins Gesicht sagen würde. Generell sollte man nicht zu viel Zeit am Smartphone verbringen – der persönliche Kontakt ist oftmals viel ehrlicher.

In der abgelaufenen Saison soll der Teamgeist beim FC Köln nicht ganz so gut gewesen sein. War das nicht Ihre Aufgabe als Kapitän?

Hector: Das ist von außen leicht gesagt. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es bei uns intern nicht stimmte. Wir haben unser Ziel erreicht, sind aufgestiegen – daher kann man mit der Saison zufrieden sein. Man hat an anderen Teams gesehen, wie schwer das in der 2. Liga ist. 

Interview: Manuel Bonke

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