Nationalspielerin im Interview

FCB-Star Leupolz und der Wechsel zum FC Chelsea: „Keine Unterschiede zwischen Männer und Frauen“

Melanie Leupolz wechselt kommende Saison zum FC Chelsea. Im Exklusiv-Interview verrät sie ihre Beweggründe und berichtet über die Schwierigkeit der Wohnungssuche in der Corona-Krise.

  • Melanie Leupolz verlässt nach sechs Jahren den FC Bayern*
  • Die Nationalspielerin wechselt im kommenden Sommer zum FC Chelsea nach London
  • Im Exklusiv-Interview verrät sie ihre Beweggründe für den Wechsel

Frau Leupolz, mitten in der Corona-Krise* kommt die Nachricht Ihres Wechsels vom FC Bayern zum FC Chelsea. Wie fühlen Sie sich damit? 

Melanie Leupolz: Ich freue mich natürlich sehr. Das ist eine Entscheidung, die ich mir sehr gut überlegt habe. Als ich vor kurzem in London beim FC Chelsea zu Gast war, hat mir der Besuch bestätigt, dass es eine gute Entscheidung ist. Bevor es so weit ist, gilt es aber noch einige wichtige Spiele mit dem FC Bayern zu bestreiten.

Was genau hat Sie vom FC Chelsea überzeugt? 

Leupolz: Der Klub hat einiges aufgefahren, mein Berater und ich wurden dort regelrecht von einem Komitee erwartet. Der FC Chelsea hatte viele Kameras und Pressemitarbeiter vor Ort versammelt, ich habe bestimmt 20 Personen getroffen. Daran sieht man schon, wie professionell der Klub aufgestellt ist. Wir haben uns an der Stamford Bridge getroffen – es wahr sehr beeindruckend, dorthin zu kommen und auf den Rasen hinunter zu schauen. Auch wenn die Chelsea-Frauen nicht den Großteil der Spiele dort bestreiten, hoffe ich doch auf die eine oder andere Partie an der Stamford Bridge. Zudem haben mich die Gespräche mit den Verantwortlichen überzeugt – zum einen mit der Trainerin Emma Hayes, zum anderen mit der Sportdirektorin Marina Granovskaia. Sie ist für den Gesamtverein zuständig, hat es sich aber nicht nehmen lassen, mich zu begrüßen. Da werden beim FC Chelsea zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede gemacht. Marina hat erzählt, dass sie in alle Schritte meiner Verpflichtung involviert war – und sie war sehr gut informiert über mich. Das hat mich beeindruckt.

FC Bayern: Melanie Leupolz im Exklusiv-Interview über ihren Wechsel zum FC Chelsea

Nach sechs Jahren endet im Sommer also das Kapitel FC Bayern. Warum? 

Leupolz: Im professionellen Fußball sind sechs Jahre bei einem Verein eine sehr lange Zeit. Ich persönlich habe seit dem Beginn meiner Karriere gesagt, dass ich auch mal im Ausland spielen möchte. Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Schritt zu wagen. Ich kann mich mit dem Konzept und dem Fußball des FC Chelsea total identifizieren. Ich freue mich auf eine neue Herausforderung. London ist eine schöne Stadt, ich werde dort auch meine Sprachkenntnisse erweitern. Das könnte mir auch später im Beruf weiterhelfen. Ich habe meinen Bachelor in BWL und Management gemacht, studiere im Master gerade Wirtschaftspsychologie mit dem Schwerpunkt „Leadership und Management“. In diese Richtung soll es auch nach meiner Karriere gehen.

Ist die englische Liga stärker als die deutsche? 

Leupolz: Das ist schwierig zu sagen. Wenn die Top-Mannschaften aus Deutschland gegen die Top-Mannschaften aus England spielen, weiß ich nicht, ob es einen klaren Sieger in diesem Vergleich geben würde. Ich denke, dass sich die beiden Ligen auf Augenhöhe befinden. Ich finde es sehr spannend, dass die Vermarktung des Frauenfußballs in England so gut ist. Mich hat zudem überzeugt, dass die Frauen in den Gesamtverein FC Chelsea super gut integriert sind. Und der Frauenfußball braucht genau so eine Unterstützung.

FC Bayern: Melanie Leupolz wechselt zum FC Chelsea - „Fußball auf der Insel sehr attraktiv“

Was erwarten Sie sportlich in der Women's Super League? 

Leupolz: In England wird eine andere Art Fußball gespielt. Mit dem FC Bayern habe ich schon ein paar Mal gegen englische Teams gespielt, habe zudem einige Partien im Fernsehen verfolgt. Ich finde den Fußball auf der Insel sehr attraktiv. Ich denke auch, dass ich mich dort enorm weiter entwickeln und einen großen Schritt nach vorne machen kann. Mir ist bewusst, dass ich mein gewohntes Spiel dafür etwas umstellen und anpassen muss.

Sie haben die Vermarktung angesprochen. Hat die deutsche Liga in dieser Hinsicht Nachholbedarf? 

Leupolz: In Deutschland gibt es einige Mannschaften, die gar keine Männerteams hinter sich stehen haben. Beim FC Bayern profitieren wir sehr von der Weltmarke des Klubs*, aber ich denke auch hier könnte man in Sachen Integration noch mehr machen. Generell ist der Frauenfußball ein Stück weit von den Einnahmen und der Vermarktung der Männerteams abhängig. Ich denke, man könnte den Frauenfußball enorm voran bringen, wenn man Strukturen wie die Marketingabteilungen gemeinsam nutzen würde.

Melanie Leupolz: Darum verlasse ich die „Wohlfühloase“ FC Bayern

Sie sind Kapitänin des FC Bayern, seit sechs Jahren im Klub. Ist der Schritt aus der „Wohlfühloase“ ganz bewusst gewählt? 

Leupolz: Ich muss betonen, dass die Bedingungen am Bayern-Campus super sind, der Verein gehört zu den Topklubs in Europa und wir haben einen sehr starken Konkurrenzkampf – in dieser Hinsicht gäbe es keinen Grund zu wechseln. Aber möchte ich mich aus der Komfortzone heraus bewegen. Ich will etwas Ungewohntes erleben und meistern, ich möchte mich beim FC Chelsea durchsetzen. Dazu gehören das alltägliche Leben in London, ein ganz anderes Training und eine neue sportliche Rolle. Ich bin mir bewusst, welche Rolle ich beim FC Bayern zurücklasse. Ich habe immer eine große Wertschätzung und enormes Vertrauen vom Verein erfahren, auch dadurch, dass ich jetzt Kapitänin bin. Ich habe mich jetzt aber für diese neue Herausforderung entschieden – und hoffe, dass ich als Mensch und Persönlichkeit daran wachsen werde.

Wann gingen die Gedanken konkret in Richtung FC Chelsea? 

Leupolz: Der Wunsch, ins Ausland zu gehen, war schon immer da. Es ging mir aber um den richtigen Zeitpunkt für diesen Schritt. Beim FC Bayern hat es immer sehr gut für mich gepasst. Ich habe mich im letzten Sommer für ein weiteres Jahr in München entschieden, weil ich sehr gespannt war, wie die Philosophie des neuen Trainers Jens Scheuer aussieht und ob er mich noch einmal weiterbringen kann.

FC Bayern: Melanie Leupolz über den Transfer in der Corona-Krise

Nach nur einem Jahr unter Scheuer gehen Sie nun. Hat er Sie also nicht wie erhofft weitergebracht? 

Leupolz: Nein, das kann man so nicht sagen. Wir hatten bisher keine einfache Saison, aber das war vor allem der Tatsache geschuldet, dass wir im letzten Sommer einen großen personellen Umbruch im Team hatten. Außerdem mussten wir den Trainer erst mal kennenlernen - und er uns. Wir haben in der Winterpause sehr gut gearbeitet und uns noch einmal weiterentwickelt. Ich finde, dass der FC Bayern auf einem guten Weg ist. Ich bin vom Konzept des Klubs überzeugt und denke, dass das funktionieren kann, wenn die richtigen Verpflichtungen getätigt und der Trainer gehalten wird. Ich denke in München kann etwas Großes entstehen. Ich habe mich also weder gegen den Trainer, noch gegen den FC Bayern entschieden – sondern für den FC Chelsea.

Wie gehen Sie mit der aktuellen Unsicherheit aufgrund der Corona-Krise um? 

Leupolz: Natürlich wäre es sehr schade, wenn ich kein Spiel mehr für den FC Bayern bestreiten dürfte. Das wird mir jetzt immer bewusster, wo sich die Entscheidungen, wie es weitergeht, wegen der Corona-Krise hinziehen. Ich hatte mich im Kopf darauf eingestellt, das Bayern-Trikot noch bis zum Sommer zu tragen und dann auch einen richtigen Abschied zu bekommen. Wenn das letzte Spiel jetzt schon hinter mir liegen würde, wäre das sehr bitter für mich. Aber man muss in erster Linie die gesundheitliche Situation beachten. Wenn Spiele nicht zu vertreten sind, dann müssen die Funktionäre verantwortungsvoll handeln und im schlimmsten Fall entscheiden, dass die Fortsetzung der Bundesligasaison keinen Sinn macht. Stand jetzt bin ich aber optimistisch, dass ich noch mal für den FC Bayern auf dem Platz stehen werde.

Wie gehen die Planungen in London weiter. Reisen dorthin sind nicht möglich... 

Leupolz: Ich bin wie meine Mitspielerinnen zu Hause in freiwilliger Quarantäne. Vorerst kann ich London nicht kennenlernen oder mir auch keine Wohnung dort suchen. Wenn wir in Deutschland wieder spielen dürfen, wird auch keine Zeit sein, um nach London zu reisen. Der FC Chelsea ist für solche Fälle aber sehr gut aufgestellt. Die Betreuerin des Teams ist in engem Austausch mit mir und weiß ganz genau, wonach ich suche. Sie kann für mich Wohnungen besichtigen und mir Videos davon schicken.

Interview: Jonas Austermann

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Melanie Leupolz hat sich also für den FC Chelsea entschieden. Und in der Liebe? Es gibt Gerüchte um sie und Sami Khedira.

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Rubriklistenbild: © dpa / Sebastian Gollnow

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