Streit zwischen Flick und Salihamidzic

Machtkampf eskaliert: Darum kracht’s wirklich bei den Bayern

Der FC Hollywood ist zurück: Es kracht gewaltig zwischen den Verantwortlichen beim Rekordmeister FC Bayern. Doch worum geht es wirklich in dem Streit?

München - Theaterstück? Komödien­stadel? Drama? Egal, wie man die aktuelle Gemengelage beim FC Bayern bezeichnet – in jedem Fall ist der FC Hollywood zurück auf der großen Bühne. In den Hauptrollen: Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic. In den Nebenrollen: Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Jerome Boateng. Weil dessen auslaufender Vertrag im Sommer nicht verlängert wird, spitzt sich der Machtkampf zwischen Trainer und Sportvorstand weiter zu – und droht zu eskalieren.

FC Bayern: Rummenigge spricht ein Machtwort

Daher sah sich Rummenigge gezwungen, via Bild ein Machtwort in Richtung der Streithammel Flick und Sali­hamidzic zu sprechen: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten! Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung. Das hat den FC Bayern immer ausgezeichnet.“

Beim deutschen Rekordmeister wünscht man sich die Zeit des Champions-League-Turniers in Lissabon herbei, als auf allen Ebenen fokussiert und ohne Nebengeräusche gearbeitet wurde, um den Traum vom Königsklassen-Triumph zu verwirklichen. Zur Erinnerung: Ein halbes Jahr zuvor gab es wegen der von Flick öffentlich geforderten Neuzugänge ebenfalls Zoff mit Salihamidzic, doch durch den anhaltenden Erfolg gab es weniger Konfliktpotenzial. Die Bilder von Trainer und Sportvorstand gemeinsam mit dem Henkelpott strahlten etwas anders aus: Harmonie. Acht Monate später ist davon nichts mehr zu spüren. Es herrscht Eiszeit.

Wie viel Macht gesteht der FC Bayern seinem Trainer zu?

Dabei geht es beim Streit zwischen Flick und Salihamidzic nicht um einzelne Personalentscheidungen in der Kaderplanung, es geht vielmehr um eine Grundsatzfrage, die den gesamten Verein betrifft: Wie viel Macht gesteht der FC Bayern seinem Trainer zu?

Als Pep Guardiola im Sommer 2013 den Trainerjob beim FC Bayern übernahm, las man ihm von Anfang an sämtliche Spielerwünsche von den Lippen ab. Problem: Als Guardiola die Münchner mit Ablauf seines Vertrags verließ – die Verantwortlichen hofften bis zum Schluss auf eine Pep-Verlängerung –, hatte er den Bayern-Bossen einen aufgeblähten, teuren Kader hinterlassen. Daraufhin schwor man sich an der Säbener Straße, dass die Personalplanung in Zukunft wieder federführend auf Management-Ebene geregelt wird. Wie es in der Zeit vor Guardiola üblich war.

In Zeiten der Pandemie wird beim FC Bayern genau auf die Finanzen geachtet

Als Salihamidzic das Amt des Sportdirektors im Sommer 2017 übernahm, vertrat er diese Linie im Auftrag von Rummenigge und Hoeneß vom ersten Tag an – und tut das auch heute noch. Zum Leidwesen von Flick. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er am liebsten neben Leroy Sané auch Kai Havertz, Timo Werner und Callum Hudson-Odoi in seiner Mannschaft, wie er jüngst im TV verriet. Schon im Winter machte sich der Bayern-Trainer für Transfers von Benjamin Henrichs und Dodo stark. Und: Thiago, David Alaba und Boateng hätte bzw. würde er gerne in München halten. Aus Flicks Sicht verständlich, immerhin hat er als Trainer für den sportlichen Erfolg zu sorgen. Mit finanziellen Aspekten wie Ablösesummen oder Gehälter muss er sich als Chefcoach nicht beschäftigen. Doch gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wird beim FCB genau auf die Finanzen geachtet.

Das sind die Hauptgründe, weshalb sich die Bosse gegen Vertragsverlängerungen mit Alaba (forderte zu viel) und Boateng (verdient zu viel) entschieden haben. Zum Ärger von Flick, der bei Boateng bis zuletzt auf ein Umdenken gehofft hatte. Doch als Hoeneß in seiner Rolle als RTL-Experte verkündete, dass er Boateng nicht mit zur EM nehmen würde, dürfte Flick geahnt haben, dass es auch mit dessen Vertragsverlängerung nichts wird. Und der FC Hollywood war zurück. - Manuel Bonke

Rubriklistenbild: © Stefan Matzke/sampics/Pool via Peter Schatz

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