Plötzlich Unruhe an der Säbener Straße?

Flick rotiert sich gegen Hoffenheim zur Blamage - Ein Star wirkte „wie ein Fremdkörper“

Der FC Bayern München kassierte gegen Hoffenheim eine 1:4-Pleite. Ist es der Auftakt für unruhige Zeiten an der Säbener Straße?

  • Am Sonntag verlor der FC Bayern überraschend gegen die TSG Hoffenheim mit 1:4.
  • Viele Spieler wirkten wegen der andauernden Belastung müde, mehrere Akteure waren überfordert.
  • Jetzt ist Trainer Hansi Flick gefragt, die Mannschaft durchzumischen.

München - Es wäre übertrieben zu behaupten, dass die Nerven beim FC Bayern nach der 1:4-Pleite in Hoffenheim blank liegen. Doch dass die Anspannung beim deutschen Rekordmeister durch die erste Niederlage seit 23 Siegen in Folge gestiegen ist, hat die montägliche Reservisten-Trainingseinheit bewiesen. Dort herrschte nach einem Foulspiel von Robert Lewandowski am abwanderungswilligen Michael Cuisance dicke Luft, nachdem sich der Stürmerstar für sein hartes Einsteigen nicht beim jungen Franzosen entschuldigen wollte. Daraufhin petzte Cuisance bei Trainer Hansi Flick, was wiederum bei Lewandowski nicht gut ankam.

Ist der Streit im Training ein Anzeichen von Unmut beim FC Bayern?

Letztendlich handelte es sich nur um einen kurzen Trainingszoff, wie man ihn schon hunderte Male an der Säbener Straße gesehen hat. Trotzdem lassen die Szenen zumindest kurz aufhorchen, immerhin wurde von Trainern, Spielern und Verantwortlichen seit dem Champions-League-Sieg in Lissabon stets betont, dass man in München selten eine solch eingeschworene Truppe gesehen habe. Mit einem Sieg im Supercup ohne Zuschauer im Stadion gegen Borussia Dortmund können die Gemüter des Triple-Siegers ohnehin schnell wieder beruhigt werden. Doch bis dahin werden die Themen Kadergröße und extreme Belastung intern und extern weiter eifrig diskutiert – und im Falle einer erneuten Pleite werden diese Diskussionen vertieft. 

Die Spieler beteiligen sich nach der unerwartet frühen ersten Saisonniederlage noch nicht an diesen Diskussionen. „Wir suchen keine Ausreden. Das erwartet uns in diesem Jahr. Alle paar Tage ist ein Spiel, das wissen wir. Dementsprechend können wir nicht so viel darüber reden, dass wir kaputt sind, sondern müssen es annehmen“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Das sieht Vize-Kapitän Thomas Müller ähnlich, der eine Belastungs-Diskussion in Sinsheim im Keim erstickte: „Der Akku ist natürlich nicht zufrieden, aber ich denke nicht, dass es an körperlichen Geschichten lag. Die Diskussion brauchen wir nicht anzustoßen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass jemandem der Schweiß schon nach 20 Minuten auf der Stirn stand.“

Hatte die Fitness der Bayern-Spieler bei der Niederlage gegen Hoffenheim nicht gereicht?

Trotzdem war einigen Bayern-Stars in Hoffenheim anzumerken, dass ihnen die anstrengenden 120 Supercup-Minuten noch in den Knochen steckten. Trainer Flick aber wollte in seinem Team keine Müdigkeit erkennen: „Ich kann meiner Mannschaft in Sachen Einsatz und Wille keinen Vorwurf machen. Die Mentalität war auch heute gut. Wir haben am Donnerstag 120 Minuten gespielt und haben trotzdem gesehen, wie Thomas Müller oder Joshua Kimmich immer wieder angelaufen sind. Sie haben versucht, das Spiel noch zu drehen.“

Trotz des Fitness-Lobes kam der Triple-Trainer am Sonntag nicht ohne einen leisen Wunsch nach personeller Verstärkung aus, um seinen Stars Ruhepausen gewährleisten zu können: „Wir brauchen noch ein bisschen Qualität in der Breite, um dem einen oder anderen Spieler noch eine Pause zu geben.“ Allerdings sind diese Pausen auch immer mit Rotation verbunden – und die funktionierte in Hoffenheim hinten und vorne nicht.

Corona-Spielplan zwingt Bayern-Coach Hansi Flick zum Rotieren

Der für den formstarken Leon Goretzka in die Startelf beförderte Corentin Tolisso wirkte im Mittelfeldzentrum neben Joshua Kimmich wie ein Fremdkörper und konnte das Münchner Offensivspiel aus dem Zentrum heraus nicht beleben. Alphonso Davies, der für Lucas Hernandez auf die Linksverteidiger-Position rückte, war mit den aggressiven TSG-Angreifern überfordert – wie auch Jerome Boateng, der für Niklas Süle auflief. Jo­shua Zirkzee war im Sturmzentrum zwar bemüht, schaffte es aber nicht, im Stile eines Robert Lewandowskis Bälle vorne zu halten und für Torgefahr zu sorgen. 

In der zurückliegenden Triple-Saison verzichtete Flick weitgehend auf Rotation und ließ sein Team beinahe stets identisch zusammenspielen. Durch den Corona-Spielplan ist der Fußballlehrer nun schon fast dazu gezwungen, sein Personal regelmäßig durchzutauschen. Flick muss bei der Aufstellung seiner Mannschaft nicht ausschließlich die Frage beantworten: Welche ist die beste Elf? Er muss sich auch fragen: Wer braucht eine Pause?

Die richtigen Antworten auf diese Fragen muss Flick bereits nach dem Abschlusstraining vor dem Supercup gegen die Dortmunder finden. Gegen den BVB können die FCB-Kicker beweisen, dass das 1:4 in Hoffenheim nur ein Ausrutscher war. Das wäre ganz nach dem Geschmack von Thomas Müller: „Jetzt müssen wir damit umgehen, uns gut erholen und am Mittwoch geht es weiter. Da haben wir die Möglichkeit zurückzuschlagen.“

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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