„Der Stachel saß tief“

Hansi Flick und sein Power-Plan: FC Bayern hat plötzlich einen neuen Trumpf in der Hinterhand

Nach der 4:1-Gala bei Lazio Rom liegt Hansi Flick mit dem FC Bayern und Stürmer Robert Lewandowski wieder voll auf Kurs
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Nach der 4:1-Gala bei Lazio Rom liegt Hansi Flick mit dem FC Bayern und Stürmer Robert Lewandowski wieder voll auf Kurs.

Der FC Bayern spielt sich bei Lazio auf beeindruckende Art aus dem Zwischentief. Können die Münchner nun zum richtungweisenden Spurt in der Bundesliga ansetzen?

München - Für Hansi Flick gab’s zum 56. Geburtstag ein Geschenk mit vier Schleifchen. Die Bayern-Stars schalteten im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Lazio Rom in den Königsklassen-Modus, tischten ihrem Erfolgscoach kurz vor seinem Ehrentag am Mittwoch einen spektakulären 4:1-Auswärtssieg auf. Das gelang, weil der Titelverteidiger mit seinem frühen Attackieren für wacklige römische Knie sorgte.

FC Bayern dominiert Lazio Rom: So stellte Flick sein Team auf den Gegner ein

Flick hatte sein Team schon vor dem Abflug in die italienische Hauptstadt in die Pflicht genommen, nach Patzern gegen Arminia Bielefeld (3:3) und Eintracht Frankfurt (1:2) wieder den so intensiven FC-Bayern-Stil eingefordert. Und die Münchner Gladiatoren taten, wie ihnen geheißen. „Wir wollten den Gegner früh unter Druck setzen, damit er Fehler macht und wir den Ball so schnell wie möglich zurückgewinnen“, erklärte Flick.

Die Gegneranalyse hatte aufgedeckt, dass die Laziali mit hohem Druck nur bedingt klarkommen. Also marschierten die Bayern bis zum Strafraum vor, stellten schon Ex-Kollege Pepe Reina im Tor vor Probleme, eine Anspielstation zu finden. Sinnbildlich fiel die frühe Münchner Führung: Joshua Kimmich ging Mateo Musacchio dermaßen auf die Nerven, dass der einen schlampigen Rückpass in Richtung Reina spielte. Robert Lewandowski spritzte dazwischen, stellte auf 1:0 (9.). „Die Champions League ist etwas Besonderes für uns“, meinte Flick. „Man hat heute gemerkt, dass die Mannschaft den Willen hat, hier von Anfang für klare Verhältnisse zu sorgen.“

Bayern München im „Matchday-Modus“ - Und Lazio? Ständig gestresst

Das gelang eindrucksvoll. Jamal Musiala (24.) und Leroy Sané (42.) – nach tollem Ballgewinn und Solo von Kingsley Coman – machten Lazios Chancen auf ein Weiterkommen schon in der ersten von vier Achtelfinal-Halbzeiten zunichte. Dass Francesco Acerbi das 4:0 per Eigentor markierte, passte nur zu gut ins Bild der ständig gestressten Italiener.

Video: 50. Spiel! Kimmich feiert Königsklassen-Jubiläum

Startelf-Rückkehrer Leon Goretzka sprach davon, dass die Bayern den „Matchday-Modus“ wiedergefunden haben. „Wir wollten total aggressiv sein und haben die Bälle hoch gewonnen. Das bedeutet, dass der Weg zum Tor kürzer ist“, sagte der Mittelfeldmann. Zweifelsfrei Tugenden, die Flicks Bayern auszeichnen. Zuletzt aber waren eben die verloren gegangen. Zum einen fehlte wichtiges Personal wie eben Goretzka, zum anderen war der Spannungsabfall in der Bundesliga bei zwischenzeitlich sieben Punkten Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig eine gar menschliche Anwandlung bei den Münchner Maschinen.

FC Bayern in der Bundesliga: Pokal-Aus ermöglicht Flick-Team Vollgas-Fußball

Inzwischen liegt der Serienmeister (acht Titel hintereinander) nur noch zwei Zähler vor dem Brause-Klub aus dem Osten. Der Königsklassen-Fokus muss also auch in der Liga her. Die kommenden Aufgaben gegen den 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr), Borussia Dortmund (6. März) und Werder Bremen (13. März) klingen machbar – das galt aber auch für Bielefeld.

„Der Stachel, das verlorene Spiel in Frankfurt wieder wettzumachen, saß tief“, meinte Manuel Neuer. Ob die Bayern auch national wieder ihren Power-Fußball zeigen werden, bleibt abzuwarten. Die Vorzeichen aber sind gut: Die kommenden zwei Wochen stehen für Training und Regeneration zur Verfügung, durch das frühe Pokal-Aus bleibt den Bayern eine englische Woche erspart. Das hatte in der jüngeren Vergangenheit durchaus Seltenheitswert - in München kann man also auf einen fast vergessenen Trumpf zurückgreifen. Und mit vollen Akkus lässt sich Flicks Vollgas-Fußball am allerbesten spielen.

„Loggerungen“ und auf dem „Barbier Außenseiter“ - Exotischer Sky-Abend mit Lothar Matthäus: TV-Kritik zu Lazio Rom gegen FC Bayern.

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