Bei "ernsthaften Problemen" will er den Rückzug überdenken

Macht Hoeneß weiter?

Uli Hoeneß beim Testspiel in Mainz: Als er Lust auf eine Wurst hatte, ging er einfach eine essen (siehe Interview)
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Uli Hoeneß beim Testspiel in Mainz: Als er Lust auf eine Wurst hatte, ging er einfach eine essen (siehe Interview)

Bisher hatte Uli Hoeneß (57) immer betont, dass er am Jahresende als Bayern-Manager aufhört. Doch im tz-Interview verriet er, dass sich das wegen der weltweiten Finanzkrise doch ändern könnte.

Das Interview:

Herr Hoeneß, im Mai sind Sie 30 Jahre Bayern-Manager! Die vielen Erfolge, das moderne Stadion, das neue Leistungszentrum – fehlt Ihnen noch irgendwas, oder sind Sie jetzt rundum zufrieden?

Hoeneß: Wir haben in den knapp 30 Jahren alles gewonnen, bis hin zu Champions League und Weltpokal. Der Reiz besteht jetzt eher darin, mit diesem Verein die Klippen der Weltwirtschaftskrise gut zu umgehen.

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Kann diese Krise den deutschen Fußball stärken?

Der deutsche Fußball scheint weniger gefährdet als andere Ligen, weil die Klubs hier meist gut gewirtschaftet haben. Zudem sind unsere modernen WM-Stadien ein Vorteil. Der FCBayern könnte – wenn wir es gut machen – ein Profiteur der Krise werden, weil wir keine Bank brauchen und niemanden fragen müssen, um etwas zu finanzieren.

Ergeben sich daraus weitere Vorteile für Bayern München?

Es nützt mir nichts, wenn Stadien in England nicht gebaut werden oder Verein X seinen Weltstar Y nicht mehr bezahlen kann. Wenn es jetzt auch um Klubs wie Liverpool geht, deren Besitzer einen Käufer suchen, dann reden wir von Schwergewichten. Das sind Alarmzeichen, über die im mich nicht freuen kann. Wenn solche Klubs ins Wanken kommen, leidet der ganze Fußball.

Angesichts dieser Krise kann 2009 dich kein gutes Jahr sein, um wie geplant Ihre Managerkarriere zu beeden!

Zum ersten Mal in den 30 Jahren bin ich der Meinung, dass keiner seriös beurteilen kann, wie die Lage in sechs Monaten sein wird.

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Also haben alle, die Sie umstimmen und als Manager behalten wollen, plötzlich eine Chance?

Man muss abwarten, welche Probleme es gibt und wie sich die Krise entwickelt. Dann muss man sehen etwa in Mai oder Juni sehen, was man nun macht. Der FC Bayern ist im Grunde auch für eine solche Situation gut aufgestellt. Aber, ich bin keiner, der nach dem Motto agiert: Nach mir die Sintflut. Und mein Nachfolger soll dann mal schön das Chaos aufräumen. Bei ernsthaften Problemen werde ich mir das noch einmal gut überlegen.

Reiner Calmund und Rudi Assauer haben schon aufgehört. Mit Ihnen wäre der letzte Manager-Dino weg...

Sie vergessen meinen Bruder Dieter. Außerdem: Ich würde ja nicht die Füße hochlegen. Wenn ich gewählt würde, wäre ich ein sehr aktiver Aufsichtsratschef.

Wer sind die neuen Macher, die den deutschen Fußball durch die nächsten 20 Jahre manövrieren?

Die jungen Leute machen einen guten Job. Dietmar Beiersdorfer beim HSV, Andreas Müller von Schalke macht es nicht so schlecht, wie es immer gesagt wird. Stuttgarts Horst Heldt macht in einem schwierigen Umfeld einen tollen Job. Klaus Allofs in Bremen ist seit Jahren auf hohem Niveau. Und nicht zu vergessen Leverkusen mit Rudi Völler.

Wird einer der Genannten Ihr Nachfolger?

Ich habe einige Optionen im Kopf.

Sagen Sie sie uns!

Das hätten Sie gerne. Wir werden das weiterhin nur intern diskutieren und dann eine Lösung präsentieren, von der wir zu 100 Prozent überzeugt sind. Wir haben noch Zeit. Wir reden ja da vom 1. Januar 2010.

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Gibt es etwas, das Sie am Fußball von heute stört?

Ja! Dass die Spieler kein Privatleben mehr haben. Als ich noch spielte, sind wir samstags nach dem Spiel losgezogen und haben es krachen lassen. Heute müssen die Jungs Angst haben, dass sie überall mit dem Handy gefilmt oder fotografiert werden. Dann kommt noch das Internet dazu. Da wird einfach was in die Welt gesetzt, für das niemand die Verantwortung übernimmt. Es gibt keine Tabuzonen mehr.

Sie beschützen Ihre Spieler. Dabei heißt es immer: Sie sind knallhart und arrogant. Kränkt Sie dieses Image?

Es ärgert mich, von Leuten beurteilt zu werden, die mich persönlich gar nicht kennen. Wer mit mir einen Abend verbringt und danach sagt: Das ist ein arroganter Arsch – dann akzeptiere ich das. Aber die Leute, die mich kennen, sagen das nicht.

Aber Ihre Attacken sind gefürchtet...

Ich sage Ihnen mal was: Ich bin sogar zu weich als Manager. Die Spieler sind für mich keine Geschäftspartner sondern Freunde. Wenn ich einem weh tun muss, kann ich eine ganze Nacht nicht schlafen. Aber wenn der FC Bayern attackiert wird, dann werde ich knallhart.

Also sind Sie nicht arrogant.

Dieses Klischee vom arroganten Hoeneß oder den eingebildeten Bayern regt mich auf. Nur weil wir Erfolg haben. Ich erzähle Ihnen mal eine Geschichte.

Bitte!

Vor unserem Spiel in Mainz hatte ich Hunger. Da stand ein Bratwurststand. Ich esse gerne Bratwurst. Dann bin ich mit meiner warmen Jacke dahin gegangen und habe eine Bratwurst gegessen und ein kleines Bier getrunken. Da kamen immer mehrLeute hin, ich stand über eine halbe Stunde da und habe mit den Leuten geplaudert. Dann haben die alle gsagt: Das gibt es doch gar nicht. Wir hatten ein ganz anderes Bild von Ihnen. Dass sie sich da eine halbe Stunde hinstellen. Ich erwarte von den Leuten, dass sie mich bewerten, nachdem sie mit mir geredet haben.

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Sie reden auch gerne über Politik. Werden Sie noch Politiker?

Nein. Ich habe nicht 30 Jahre hart gearbeitet, um jetzt in einem Bezirksvorstand anzufangen. Ich ein sehr politisch interessierter Mensch – aber jetzt bin ich zu alt. Deshalb macht es keinen Sinn mehr.

Was war Ihr größter Fehler in all den Jahren?

Die Entlassung von Jupp Heynckes. Ihn traf damals gar keine Schuld. Es war falsch, dem öffentlichen Druck nachzugeben.

Was war die beste Entscheidung?

Das sollen andere beurteilen. Ich glaube, das Gesamtprodukt ist so schlecht nicht. Wenn ich nach Hamburg oder Schalke komme, sagen die Taxifahrer: Wir wollen auch mal wieder Meister werden. Wenn man dann sieht, wieviele Titel wir in all den Jahren gewonnen haben! Wir haben so viele Konkurrenten kommen und gehen sehen, die sich letztlich die Zähne an uns ausgebissen oder ihre Erfolge teuer bezahlt haben. Der FC Bayern hat sogar noch 20 Millionen Gewinn gemacht, als wir vor zwei Jahren nur vierter wurden.

jb,tg

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Quelle: tz

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