Virus sorgt für Fußball-Pause

FC Bayern und die Corona-Krise: Auf so viel Gehalt verzichten die Stars - es wird nachverhandelt

Der Coronavirus hat das Milliardenbusiness Profifußball zum Erliegen gebracht. Viele Stars - darunter die des FC Bayern München - verzichten auf Teile ihres Gehalts. Der Beginn einer neuen Ära?

  • Kein Profifußball - keine Einnahmen: Findet in der Corona-Zwangspause ein Umdenken statt?
  • Die Akteure des FC Bayern zeigen Solidarität - gegenüber dem Klub und der ganzen Liga.
  • FCB-Legenden Jupp Heynckes und Uli Hoeneß sprechen über einen Systemwandel.

München - Es besteht kein Zweifel: Die Zwangspause durch die Corona-Pandemie verschafft auch dem erhitzten Profifußball ein bisschen Zeit zur Abkühlung. Durch fehlende Mehreinnahmen haben allerdings viele Vereine aus den Topligen Europas finanzielle Probleme.

Bayern München und Co.: Bundesliga beweist Solidarität

Zwar gilt die englische Premier League aus monetärer Sicht als das Nonplusultra. Wenn es jedoch darum geht, Solidarität mit ihrem Klub zu zeigen, stehen die unter Vertrag stehenden Spieler der Bundesliga-Klubs ihren Berufskollegen aus Großbritannien in nichts nach - das Gegenteil ist der Fall.

In England zeigten sich die Kicker, die im Durchschnitt mehr verdienen als ihre europäischen Kollegen, nicht allzu kompromissbereit. Und auch in Spanien gab es Aufruhr, weil Spieler des ruhmreichen FC Barcelona zuerst nicht bereit waren, auf einen bestimmten Teil ihres Gehalts zu verzichten.

Mittlerweile haben die Katalanen den Spielern per Gesetz das Gehalt gekürzt, in bislang nicht bekannter Höhe. Nichtsdestotrotz: Auch in Deutschland gab es zu Beginn der Spielabsagen Debatten, die den Initiativen der Spieler und Klubs vorausgingen. Außerdem überraschte Sky die Gastwirte mit einer tollen Solidaritätsaktion.

Gehaltsverzicht beim FC Bayern: Folgen für Verein und Bundesliga

Und in München? Beim FC Bayern, dem wohlhabendsten Klub in Deutschland, verzichten Führungsriege und Spieler auf 20 Prozent ihres Gehalts. Ligaweit befindet sich der Rekordmeister damit in guter Gesellschaft - bei vielen Bundesligisten gibt es Zugeständnisse von Vereinsführung und Spielern - mancherorts bis zu 30 Prozent.

Die Münchner haben sich dabei zunächst auf eine Beschränkung auf den April verständigt, wie Klub-Boss Herbert Hainer in der „Sport1“-Sendung „Doppelpass“ verriet. Zugleich sagte der langjährige Adidas-Chef am Tag nach dem Restart der Bundesliga: „Damals haben wir uns schon darauf geeinigt, je nachdem, ob wieder gespielt wird oder nicht, setzt man sich zusammen. Das passiert im Moment gerade!“

Was bei der Entscheidungsfindung geholfen haben könnte: Stars des FC Bayern und jene der anderen Topklubs hätten sich bei einer Verweigerung auch ins eigene Fleisch schneiden können.

Dazu äußerte sich kürzlich Ex-FCB-Trainer Jupp Heynckes gegenüber dem Kicker vielsagend: Der Triple-Sieger von 2013 erläuterte, dass sich Fußballprofis „in wirtschaftlicher Hinsicht solidarisch und partnerschaftlich zeigen sollten. Sie müssen wissen, dass sie und ihre Berater nicht mehr bestimmen, wie viel Geld sie verdienen, wenn das jetzige System zerbricht. Verträge in diesen Größenordnungen gibt es dann nicht mehr.“

Manchem Star-Kicker - nicht nur den Titelsammlern von der Isar - könnte also die Tragweite einer möglichen Ablehnung des Gehaltsverzichts deutlich geworden sein. Und damit einhergehende Gehaltseinbußen in der Zukunft.

Corona-Krise: Uli Hoeneß spricht von „neuer Fußballwelt“

Ob das von Heynckes geschilderte Szenario nicht ohnehin vernünftiger wäre, dürften indes nur wenige bezweifeln. Schließlich ist auch das ballverliebte Business ein Spiegel der Gesellschaft, für den sich viele Fans nach einer Rückbesinnung und Entschleunigung sehnen, wie es die dpa kürzlich formulierte. Dietmar Hopp ist unterdessen zu einem der Hoffnungsträger in der Corona-Krise geworden.

Dass auch Bayern Münchens Ex-Präsident Uli Hoeneß die Zeit für Änderungen gekommen sieht, klingt vielen Fußballfans wie Musik in den Ohren: „Die jetzige Situation ist eine Gefahr, aber auch eine Chance, dass die Koordinaten etwas verändert werden können“, ließ der Vorgänger von FCB-Präsident Herbert Hainer im Kicker verlauten und sagte weiter: „Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben.“ Wird er mit seiner Prophezeiung Recht behalten?

Bayern München: Gehaltsverzicht kommt auch Liga-Rivalen zugute

Um in Zeiten der Coronavirus-Pandemie soziale Projekte zu unterstützen, haben die Münchner Joshua Kimmich und Leon Goretzka die Aktion „We kick Corona“ gegründet und Millionen gespendet. Außerdem äußerte sich Kimmich zum Gehaltsverzicht der Bayern-Profis in den sozialen Netzwerken.

Bei Bayern München spielt noch ein weiterer solidarischer Akt eine Rolle, wovon auch das Produkt Bundesliga profitiert: Denn wie selbst BVB-Chef Hans-Joachim Watzke zugeben musste, habe Karl-Heinz Rummenigge die Idee für einen 20 Millionen Euro schweren Hilfsfond angestoßen. Dieser kommt Klubs zugute, die durch den Coronavirus finanziell in Schwierigkeiten geraten sind. Der Betrag wird ausschließlich von den vier aktuellen Champions-League-Teilnehmern angestoßen - CL-Viertelfinalist Bergamo beklagt übrigens acht tote Mitarbeiter durch Covid-19.

Die Situation in Italien bewegt WM-Held Andreas Brehme zu einer besonderen Aktion. Er will helfen und verkauft deshalb historische Andenken an das Turnier in Italien von 1990.

Damit fließt das durch den Gehaltsverzicht der Profis eingesparte Geld also zum Teil auch an finanziell schwächer gestellte Konkurrenten. Bei diesen ist in Folge der Corona-Krise auch Kurzarbeit ein probates Mittel. Welcher Klub wie reagiert, verrät unser Überblick.

Bis Mai wird in der Bundesliga wegen der Corona-Krise der Spielbetrieb ruhen - DFL-Chef Christian Seifert sprach auf einer PK über die kommenden Monate.

Auch im Norden hat der Traditionsklub Hamburger SV mit finanziellen Nöten aufgrund des Coronavirus-Sars-Cov-2-Lockdowns zu kämpfen: Auch die Rothosen verzichten auf Teile ihres Gehalts, berichtet 24hamburg.* Passt der FC Bayern noch in die Bundesliga? Das Konzept der ersten deutschen Liga ohne die Bayern erhält aktuell viel Zuspruch. Vor allem von TV-Experte Marcel Reif.

PF

*24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes"

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © dpa / Bernd Thissen

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