Heiko Vogel

Ex-Jugendtrainer des FC Bayern: Lahm wurde „im Verein nicht von allen so positiv gesehen“

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Heiko Vogel war lange Trainer in der Bayern-Jugend.

Heiko Vogel trainierte lange beim FC Bayern München. So lernte er einige Legenden im Fußball kennen. Nun berichtete er über seine Vergangenheit mit dem FCB.

München - Vom FC Basel über die Jugend des FC Bayern München nach Österreich und in den DFB-Pokal mit KFC Uerdingen. Das sind die Stationen der Trainerkarriere von Heiko Vogel. Der 44-jährige UEFA-Pro-Lizenz-Inhaber ist seit der aktuellen Saison Trainer des Drittliga-Teams aus Uerdingen. In seinem Kader befindet sich auch Weltmeister Kevin Großkreutz, der sich besonders auf die DFB-Pokal-Partie gegen den BVB freute. 

In einem Interview mit spox.com äußerte sich der KFC-Coach über vergangene Zeiten. Bereits mit Anfang 20 lernte Vogel die Trainer-Legende Jupp Heynckes kennen. In einem Leistungssport-Praktikum bei den königlichen aus Madrid hat der damals als Trainer noch unerfahrene Vogel in seinem dreiwöchigen Praktikum „Jupp Heynckes als absoluten Gentleman kennengelernt.“ Der damalige Real-Coach „hat sich rührend um uns gekümmert. Das war eine sehr prägende Erfahrung.“ Vogel schaute sich während dem Training ganz genau an, was Heynckes seine Spieler machen ließ und „nach den Einheiten hat uns Jupp Heynckes alles erklärt.“ Doch die größte Erkenntnis war für den damals 23-jährigen, wie Heynckes mit seinen Spielern umging. „Da waren nur Superstars auf dem Platz. Wie er die ganze Geschichte moderiert hat“, das war für Vogel das einschneidendste Erlebnis. 

Zur selben Zeit war Lorenzo Sanz Präsident von Real Madrid. Doch er äußerte vor kurzem schwerwiegende Vorwürfe gegen den damaligen Coach Heynckes.

Heiko Vogel über Zeit beim FC Bayern: Gerland ebnete Weg für Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm

Als Vogel im Anschluss an das Praktikum bei Real sein Bewerbungsgespräch beim FC Bayern München hatte, überzeugte der damals 23-Jährige vor allem durch seine Kreativität, die er während seines Leistungssport-Praktikums in Madrid an den Tag legte. Angekommen in München wurde er als Co-Trainer von Hermann Hummels eingestellt. Dieser „war damals Cheftrainer der U16 und U17“ und trainierte eine „Übermannschaft, eine brutale Truppe“, so Vogel. Die Rede ist hier vom 1982er Jahrgang, der Nationalspieler wie Thomas Hitzlsperger und Bayern-Legende Philipp Lahm hervorbrachte. 

Aus dieser Trainerstation konnte der aktuelle Trainer des KFC Uerdingen viel mitnehmen, denn „irgendwann kam Tiger Gerland dazu. Die ganzen Gespräche, die wir tagtäglich zu dritt mit Hermann Hummels hatten - das war prägend.“ Vor allem der Umgang von Gerland mit Bastian Schweinsteiger war „eine der beeindruckendsten Sachen“ für den damaligen Sport-Studenten Vogel. Wie „der Tiger“ mit dem Talent Schweinsteiger umging, beschreibt Vogel wie folgt: „Alles vermeintlich Negative hat er beiseitegeschoben. Mit welcher Überzeugung er an seine Talente geglaubt hat“, beeindruckte Vogel besonders. Auch Philipp Lahm, der „im Verein nicht von allen so positiv gesehen“ wurde, machte seinen Weg dank Gerland. Dieser setzte damals „dann alle Hebel in Bewegung“, um Lahm an die Spitze des Fußballs zu bringen. 

Heiko Vogel damals über Thomas Müller: „Studium wird er sich schon finanzieren können“

Neben den 1982 geborenen Spielern stach laut Vogel ein weiterer Jahrgang besonders hervor. „Die 1989er mit Thomas Müller (der ein besonderes Lob von einem Ex-Kollegen bekam) und Holger Badstuber (der zuletzt mit einer kuriosen Klage vor Gericht zog) waren natürlich auch nicht so schlecht“. Mit dieser Mannschaft schafften die Bayern auch den Aufstieg in die Jugend-Bayernliga, nachdem sie in den Jahren zuvor immer wieder gescheitert waren. Doch die Karriere von Müller und Badstuber war nicht von Anfang an zu erkennen. In einem Telefonat mit Müllers Vater hielt sich Vogel damals mit seinen Vermutungen noch zurück: „Machen Sie sich mal keine Sorgen. Ich weiß nicht, wie weit es geht, aber ich glaube, dass er sich ganz locker ein Studium finanzieren kann“, meinte der damalige Jugendtrainer des FCB.

Auch unter Pep Guardiola war Heiko Vogel noch ein Teil des FC Bayern. Es faszinierte den damaligen Nachwuchskoordinator der Bayern vor allem die „Mentalität, die Pep da implantiert hat.“ Beispielhaft hierfür sei eine Szene aus der 70. Minute im Spiel FC Bayern München gegen Hannover 96. Toni Kroos (der aktuell über einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft nachdenkt) „bekommt den Ball in der gegnerischen Hälfte, Toni spielt den Ball, einer rutscht aus, Ballverlust. Mario Mandzukic macht einen Vollsprint, erobert am eigenen Strafraum den Ball zurück. Mario Mandzukic ist einer von zehn Spielern, die diesen Vollsprint nach hinten machen.“ Und das in der 70. Minute beim Spielstand von 4:0 für den deutschen Rekordmeister. „Diese Besessenheit, alles richtigzumachen, war vorher nicht vorhanden.“

Solche Szenen würden die Fans aus München gerne wieder sehen und in Sachen Rückkehr von Mario Mandzukic zum FC Bayern ist offenbar bereits eine Entscheidung gefallen.

Heiko Vogel lobt FC-Bayern-Mentalität und Vorbild von Arjen Robben 

Aber auch Spieler lässt Vogel in seinen Lobeshymnen nicht aus. So auch Arjen Robben, der mittlerweile seine Karriere als Fußball-Profi beendet hat. Hier bezieht sich der aktuelle KFC-Coach auf ein dreitägiges Gastieren des ehemaligen niederländischen Nationalspielers bei den Amateuren des FCB. Dort hat der Linksfuß „im Vier-gegen-Vier alle zerstört. Für mich war es unfassbar lehrreich, mit welcher Besessenheit er diese Trainingseinheiten absolviert hat. Und dann hat er auch noch das Tor getragen. 'Arjen, Du trägst kein Tor', habe ich ihm gesagt. 'Doch, doch‘“, meinte der Niederländer. Doch nicht nur Vogel ist ein großer Robben-Fan, sondern auch Liverpool-Coach Jürgen Klopp hat eine erstaunliche Meinung vom Niederländer.

So eine Mentalität sei eine Mischung aus guter Erziehung aus dem Elternhaus und der Arbeit des Vereins mit den Jugend-Spielern. So gibt der FC Bayern München laut Vogel auch nachhaltig Werte mit. Die „mia san mia“-Mentalität hat beim deutschen Rekordmeister einen sehr hohen Stellenwert. Auch Uli Hoeneß hat diesen Spruch und das dazugehörige Verhalten mitgeprägt. Doch der Präsident des FC Bayern München steht vor seinem Karriereende bei den Roten. Wie zu jedem Thema haben auch die User in den Sozialen Netzwerken ihre Meinung zu dem Aus von Uli Hoeneß.

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