FC Bayern auf Talentsuche weltweit

FC Bayern München: Juwelenjagd in China

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Ortstermin: Bayern-Vorstand Jörg Wacker, Wang Lixin (Vizebürgermeister von Shenzhen) und Hubert Aiwanger (Bayerischer Wirtschaftsminister) bei der Grundsteinlegung der Fußballschule im November 2019 in Shenzhen.

Der FC Bayern hat seine Fühler schon längst weiter als innerhalb Europa gestreckt. Vor allem in China will sich der deutsche Rekordmeister die Talente sichern.

München – Alphonso Davies ist das beste Beispiel: Das 19-jährige Juwel, das gerade zur Allzweckwaffe des FC Bayern wird, entdeckten die Münchner Scouts in Vancouver (Kanada). Die Zeiten, in denen sich der Rekordmeister ausschließlich in Europa nach neuen Talenten umschaute, sind lange vorbei.

Besonders intensiv beschäftigt sich der FC Bayern mit der Entwicklung des chinesischen Fußballs. Vor rund vier Jahren eröffneten die Roten ihr Büro in Shanghai, Rouven Kasper (37) leitet die Niederlassung von Beginn an. Im Interview mit der Spielerberatungsagentur „Apertura Sports“, die unter anderem den Ex-Bayern-Spieler Wooyeong Jeong berät, erklärt Kasper: „China ist mit 1,4 Milliarden Einwohnern sehr bevölkerungsstark. Andererseits haben wir uns gefragt, wo wir den Fußball gut entwickeln und mitentwickeln können. Da gibt es in China eine enorme Motivation – und auch eine politische Ansage.“

Was Kasper meint: Staatspräsident Xi Jinping ist großer Fußballfan und -fördert demnach auch nicht ganz uneigennützig den Sport. Er holte die neue Klub-WM ab 2021 in sein Land und will China im nächsten Schritt zum Ausrichter einer WM machen. Gut möglich, dass es 2030 oder 2034 so weit ist. Unter Jinping wurde Fußball in der Volksrepublik außerdem zu einem Pflichtfach in den Schulen. „Und wer weiß, dass hier im Moment Hunderttausende bis Millionen von Jungs anfangen, Fußball zu spielen, der weiß auch, dass Schritt für Schritt Passion reinkommt und mehr Qualität in der Ausbildung“, sagt Kasper.

Rouven Kasper leitet das Büro in Shanghai

Teil dieses Aufschwungs ist auch der FC Bayern. Der Klub betreibt beziehungsweise baut Fußballschulen in den Städten Qingdao, Shenzhen und Taiyuan.

Dort werden lokale Sportlehrer und Trainer von FC Bayern-Kräften ausgebildet, zudem trägt der Rekordmeister im Reich der Mitte regelmäßige Jugendturniere aus. Die besten chinesischen Nachwuchsfußballer dürfen anschließend zu einem Weltfinale nach München reisen. Kasper meint: „Im besten Fall finden wir den neuen Thomas Müller von China.“ Das bayerische Scouting in Fernost soll laut des Geschäftsführers „richtige Rohdiamanten“ zu Tage fördern, die noch gar nicht in Klubmannschaften aktiv sind.

Dafür kooperiert der deutsche Rekordmeister sogar mit dem chinesischen Bildungsministerium. Vor Ort haben Kaspers Mitarbeiter auch ein Netzwerk aufgebaut, das die FC Bayern-Späher immer wieder mit Tipps zu interessanten Talenten versorgt. „Von denen haben wir schon zwei, drei mal nach München geholt“, erzählt der 37-Jährige und sagt ganz ehrlich: „Das ist alles noch in den Kinderschuhen. Wir sind für ein Land wie China noch nicht ansatzweise perfekt aufgestellt – aber wir sind schon mal da. Wir fahren hier eine langfristige Strategie. Für uns ist wichtig, ob in den nächsten fünf bis 15 Jahren etwas passiert.“ Das Büro in Shanghai eröffnet dem Verein zugleich Möglichkeiten in ganz Asien. Jörg Wacker, Vorstand für Internationalisierung und Strategie, erklärte im Interview: „Von dort aus haben wir die Möglichkeit, auch in den umliegenden Regionen Kontakte zu knüpfen, und das machen wir auch.“

So betreibt der FC Bayern auch in Japan, Singapur, Südkorea und Thailand Fußballschulen – auf der Suche nach dem nächsten Thomas Müller oder Alphonso Davies.

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