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Salihamidzic gibt ungewöhnliche Einblicke zu FC-Bayern-Transfers

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Von: Vinzent Fischer

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Der FC Bayern hat einen starken Transfersommer hinter sich. Sportvorstand Hasan Salihamidzic erzählt, wie die Transfers entschieden werden.

München - Mit einer fast schon runderneuerten Mannschaft geht der FC Bayern in dieser Saison an den Start. Und das scheint sich auszuzahlen. Nach fünf Pflichtspielen ist das Team von Trainer Julian Nagelsmann weiter ungeschlagen und hat mit dem DFL-Supercup bereits den ersten Titel der Saison eingefahren. Besonders gefeiert waren die Transfers von Sadio Mané und Matthijs de Ligt, für die der FCB in einer Fan-Umfrage zum Transfer-Champion gekrönt wurde.

FC Bayern: Brazzo fehlten über 100 Millionen Euro - Sportvorstand mit Schuldeingeständnis

Anders als im eher enttäuschenden Transfer-Sommer 2021 haben die Bayern-Bosse ihre Planungen in dieser Saison schon frühzeitig abgeschlossen. Ein Super-Computer soll ihnen dabei geholfen haben. Im Interview mit der FAZ gibt Hasan Salihamidzic neue Einblicke in die Planungen des Rekordmeisters.

Hasan Salihamidzic
Geboren: 1. Januar 1977 in Jablanica, Bosnien-Herzegowina
Stationen als Spieler: Hamburger SV, FC Bayern, Juventus Turin, VfL Wolfsburg
Größter Erfolg: Champions-League-Sieger 2001
Funktionär beim FC Bayern seit: 31. Juli 2017

„In der ersten Phase der Pandemie hatten wir nicht die finanziellen Möglichkeiten, um alles zu machen, was wir machen wollten. Uns haben weit mehr als 100 Millionen Euro gefehlt“, blickt „Brazzo“ zurück und gesteht eigene Fehler ein. Nicht alle Neuzugänge „haben so performt, wie sie sich das selbst und wie auch wir uns das vorgestellt hatten.“ Ein weiteres Transfer-Missverständnis könnte den FC Bayern sogar noch verlassen - und das, obwohl das Transferfenster schon geschlossen ist.

„In diesem Transfersommer ging viel auf“: FC Bayern will weiteren Umbruch dennoch vermeiden

Dieses Jahr sei es deutlich besser gelaufen. „Manchmal geht ein Plan auf, manchmal nicht. In diesem Transfersommer ging viel auf – deswegen haben wir viel gemacht. Ich sage immer: Der Transfermarkt ist auch ein Zock“, findet Salihamidzic. Ein Dauerproblem des FC Bayern ist allerdings immer noch ungelöst. Trotzdem soll ein großer Umbruch wie in dieser Saison die Ausnahme bleiben: „So viel Bewegung, wie in diesem Sommer, wird es vermutlich in unserem Kader in den nächsten Jahren jedenfalls nicht geben.“

Mit einem klaren Karriereplan konnten die Bayern-Bosse die neuen Spieler vom FC Bayern überzeugen. Sadio Mané etwa schwärmte von den Verhandlungen mit dem Rekordmeister. „Wir haben den Spielern, die wir verpflichten wollten, präsentiert, was wir den vergangenen Jahren kreiert haben: eine Mannschaft von sehr großer Qualität, mit einer Altersstruktur, die so aufgebaut ist, dass wir den nächsten drei, vier, fünf Jahren Titel gewinnen können“, berichtet der Sportvorstand.

Brazzo erklärt: So konnte sich der FC Bayern gegen die Konkurrenz auf dem Transfermarkt durchsetzen

So gelang es, sich von der internationalen Konkurrenz abzusetzen, die laut Salihamidzic deutlich mehr Budget hätten. „Am Ende haben wir uns so gegen Vereine durchgesetzt, die mehr Gehalt geboten haben. Wir haben es geschafft, dass die Spieler nicht nur nach Geld entschieden haben“, so der 45-Jährige. Den ohnehin schon gut gefüllten Kassen des FC Bayern winkt in der Champions League ein weiterer Millionen-Segen. Brazzo stellt dennoch klar: „Wir wollten nichts Verrücktes machen.“

Auch drei Jahre nach seinem Ausscheiden ist Uli Hoeneß beim FC Bayern immer noch präsent. In der Causa Robert Lewandowski etwa sprach er ein Machtwort. „Wir diskutieren gerne. Meine Meinung, seine Meinung. Am Ende haben wir dasselbe Ziel: dass es dem FC Bayern gut geht“, erzählt Hasan Salihamidzic: „Uli ist ein Freund des Klubs – und ein Freund von mir. Wir unterhalten uns viel.“

Salihamidzic stellt klar: „Wir schauen nicht nur darauf, was Uli sagt“

Die Gespräche folgten keinem klaren Prozedere, so der Sportvorstand: „Oliver (Kahn, Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) und ich führen die Geschäfte. Als Erstes gehen wir immer zu Herbert Hainer (Präsident und Aufsichtsratschef, d. Red.). Dann redet er mit Uli. Dann rede ich mit Uli.“ Trotz allem stellt Salihamidzic klar, wer das sagen hat: „Wir schauen aber nicht nur darauf, was Uli sagt. Er hat ein Recht darauf, informiert und gefragt zu werden. Die Entscheidung treffen wir aber im Vorstand.“

Die Bayern-Bosse unter sich (von links): Ehrenpräsident Uli Hoeneß, sein Nachfolger Herbert Hainer, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Ex-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.
Die Bayern-Bosse unter sich (von links): Ehrenpräsident Uli Hoeneß, sein Nachfolger Herbert Hainer, Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Ex-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. © IMAGO / Poolfoto UCL

Den Vorwurf, Hoeneß könne vom FC Bayern keinen Abstand nehmen, weist dessen „Ziehsohn“ zurück. „Er ist mit den meisten Entscheidungen einverstanden. Ich erlebe ihn als sehr entspannt. So, wie wir Uli haben wollen. Er soll auch gar nicht loslassen. Der FC Bayern ist sein Lebenswerk. Es ist nur vernünftig und richtig, ihn mitzunehmen“, sagt er. Inzwischen hat es Salihamidzic geschafft, sich in seiner Position zu „emanzipieren“.

Hasan Salihamidzic: „Es gab aber auch Zeiten, in denen es für mich hier nicht so einfach war“

In enger Abstimmung steht der Sportvorstand bei Transferfragen logischerweise auch mit dem Trainer. „Es ist nicht so, dass ich im März komme und sage: Den Spieler will ich haben“, betont Salihamidzic und erklärt: „Es ist ein Prozess. Und mit Julian (Nagelsmann, d. Red.) klappt das gut.“

Das führt auch zu einer höheren Akzeptanz unter den Fans. In der Vergangenheit musste sich Brazzo so einiges von den Fans anhören: „Es gab aber auch Zeiten, in denen es für mich hier nicht so einfach war. Wenn ich in der Stadt war, war das Feedback nicht so, wie ich mir das wünsche.“ Doch das habe sich geändert. „Ich freue mich, dass das Bild von mir jetzt so ist, wie ich mir das wünsche“, ist der Sportvorstand dankbar. (vfi)

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