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„Das ist zum Weinen“: Rauer Matthäus-Tonfall im Training bei E-Jugend des TSV Grünwald

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Von: Moritz Bletzinger

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Keine Spaß-Veranstaltung: Lothar Matthäus nimmt das Training der E2 beim TSV Grünwald ernst.
Keine Spaß-Veranstaltung: Lothar Matthäus nimmt das Training der E2 beim TSV Grünwald ernst. © Kolbert-Press

Lothar Matthäus trainiert die Jugendmannschaft seines Sohnes beim TSV Grünwald. Wir waren dabei und sahen einen extrem engagierten Weltmeister.

Grünwald - „Schneller“, „nicht reden“, „keine Fehler“. So klingt es, wenn ein ehemaliger Weltfußballer eine E-Jugend trainiert. Lothar Matthäus steht zwischen Kindern auf dem Fußballplatz beim TSV Grünwald und coacht beharrlich. Er trägt einen schwarzen Trainingsanzug, dazu schwarze Lederstollen, „Puma King“, das Modell trug er schon als Spieler. Weltmeister und Europameister ist er mit diesen Schuhen geworden. Und jetzt Kindertrainer im Münchner Nobel-Vorort.

Es weht ein Hauch von Leistungssport über den Platz, wenn Matthäus die Kommandos gibt. Das spüren vor allem die Kinder. „Ihr seid zehn Jahre alt, es kann nicht sein, dass ihr die Übung nach fünf Minuten immer noch falsch macht“, schimpft er: „Das ist nicht zum Lachen, das ist zum Weinen. Schlimmer als Schuhe-Binden.“

Lothar Matthäus: Drei Einheiten die Woche - Ex-Weltfußballer als Jugendtrainer voll engagiert

Einen kleinen Parcours hat Matthäus aufgebaut, die Kinder sollen ein Freistoß-Männchen umkreisen, genau eineinhalb Mal. Da passt Matthäus auf: „Wer noch einen Fehler macht, macht zehn Liegestütze.“ Fehler machen die Kinder weiterhin, die Liegestütze auch.

Immer wachsam: Lothar Matthäus entgeht kein Fehler beim Training.
Immer wachsam: Lothar Matthäus entgeht kein Fehler beim Training. © Kolbert-Press

Seit zwei Wochen ist die deutsche Fußball-Ikone Trainer der E2 in Grünwald. Als „sehr engagiert“ beschreiben ihn Jugendleiter und Eltern. Die Trainingstage hat Matthäus von zwei auf drei pro Woche erhöht, seine Kinder absolvieren jetzt ein höheres Pensum als die Leistungsmannschaft im Verein. Die Kinder wollen es so, sagen die Eltern.

„Da ist es mit der Gaudi vorbei“: Lothar Matthäus will Kinder voranbringen

Weil der eigentliche Trainer ausgefallen ist, nimmt sich Lothar Matthäus jetzt die Zeit, das Team um seinen Sohn Milan zu trainieren. Der klassische „Karriereweg“ eines Fußball-Papas. Aber ein normaler Fußball-Papa ist der siebenfache deutsche Meister natürlich nicht. Zähnefletschend beäugt er die Kinder, immer bereit zu korrigieren oder anzutreiben. Und auch nach dem Abschlussspiel nimmt er alle Spieler nochmal zu sich, erklärt ausführlich, was ihm nicht gefallen hat. „Gut Männer“, holt er aus: „Ihr müsst aggressiv spielen, die Zweikämpfe annehmen.“ Das ist wohl der Ehrgeiz eines Profisportlers.

Als Fußball-Papa eingesprungen: Lothar Matthäus trainiert die Mannschaft seines Sohnes.
Als Fußball-Papa eingesprungen: Lothar Matthäus trainiert die Mannschaft seines Sohnes. © Kolbert-Press

„Die sind nicht vier bis fünf, die sind acht bis zehn. Da ist es mit der Gaudi vorbei, die wollen ihre nächsten Schritte machen“, sagt Matthäus selbst. Zufrieden ist er zumindest nach der Einheit am Mittwoch nicht: „Ich weiß nicht, was da nicht ganz gelaufen ist, oder wo der Kopf ab und zu ist. Aber das muss man ihnen eben beibringen. Man muss Geduld haben, aber man darf sie auch nicht an der zu langen Leine lassen, weil sie das auch ausnützen. Ich kenne Kinder in diesem Alter, mein Sohn ist ja auch dabei. Man muss ihnen dann schon ab und an, sagen wir, den richtigen Weg zeigen.“

Lothar Matthäus würde Trainerjob auch wieder abgeben - „Muss nicht der Trainer von meinem Sohn sein“

Die Rolle als Trainer hat Matthäus offenbar voll angenommen. Die Jugendleitung des TSV Grünwald bestätigt uns überglücklich, der Weltmeister von 1990 werde die Mannschaft mindestens eine Saison lang übernehmen. Er erklärt: „Es macht Spaß mit Kindern zu trainieren, ihnen etwas weiterzugeben. Der Trainer hat aufgehört, also habe ich gesagt, so oft ich hier bin, mache ich es gerne und werde auch meinen Terminplan danach richten.“ Aber verpflichten will sich Matthäus nicht: „Das ist für mich gar nichts. Wenn jemand da ist und übernimmt, bin ich auch sofort weg. Also so ist es jetzt nicht, dass ich hier an dem Job hänge. Ich muss nicht der Trainer von meinem Sohn sein, ich muss auch nicht der Trainer dieser Mannschaft sein.“

Lothar Matthäus coacht sehr engagiert - und vergibt dabei auch Strafen.
Lothar Matthäus coacht sehr engagiert - und vergibt dabei auch Strafen. © Kolbert-Press

Aus beruflichen Gründen kann er auch nicht bei jedem Training dabei sein. Die Spiele hat der Verein aber bereits alle verlegt, so dass es klappt. „Ich habe viele andere Jobs, aber aufgrund der Notsituation habe ich gesagt, dass ich es mache. Über die Zeit haben wir eigentlich gar nicht gesprochen“, erklärt Matthäus, „es ist alles ehrenamtlich. Ich fahre sowieso meinen Sohn zum Training, also kann ich mich auch auf den Platz stellen. Aber natürlich ist man schon fokussiert, wenn man zum Training fährt, überlegt, woran man arbeiten möchte.“

Matthäus, Nerlinger, Wolf, Robben: TSV Grünwald ist an Fußball-Prominenz gewöhnt

Matthäus will seine Rolle als Trainer merklich nicht zu hoch hängen. Beim TSV Grünwald sind sie trotzdem stolz, ihn an Bord zu haben. Autogrammstunden muss der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän auf dem Sportgelände aber nicht geben. Im Verein sind sie Fußball-Prominenz fast schon gewöhnt. Christian Nerlinger und Uwe Wolf helfen in anderen Jugendmannschaften, Arjen Robben war früher ebenfalls schon Trainer. „Das ist angenehm“, sagt Matthäus. (moe)

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